Haftstrafe für Paris Hilton Gefängnis als Karriere-Kick


Luxusluder Paris Hilton hat nach dem "harschen" Gerichtsurteil und einer Frust-Shopping-Tour mit Mama Kathy schon wieder allen Grund zur Freude. PR-Experten glauben nämlich, dass die Hotelerbin von ihrem Gefängnisaufenthalt sogar noch profitieren wird.
Von Frank Siering, L.A.

Natürlich war die Society in Hollywood geschockt. Nun hat es also doch mal einen von ihnen erwischt. Kein Promi-Bonus für Paris Hilton vor Gericht. Kein Super-Anwalt, der sie wie gewöhnlich in letzter Minute noch raushaut. Die Lohans, Spears und Stewarts dackeln dieser Tage wie auf Eiern den Rodeo Drive herunter. Noch nicht einmal eine Kippe wird aus dem Jaguar geworfen. Könnte die Polizei das doch ahnden und möglicherweise eine Grand Jury einleiten. Eine Stimmung wie zur Zeit der Hexenverfolgung breitet sich schleichend und unaufhaltsam unter dem jungen Hollywood-Gestüt aus. Millionäre in Angst.

Schuld sind immer die anderen

Oder etwa nicht? Paris Hilton jedenfalls zieht es in diesen Tagen nach dem Urteilsspruch vor, mit dem Schuldfinger auf andere zu zeigen. Da ist zum einen ihr Publizist, Elliott Mintz. Jener treue Weggefährte, der die 26-jährige Hotelerbin mit belangloser Schulausbildung über Jahre in allen Öffentlichkeitsfragen beraten hatte. Der musste zunächst gehen. Paris wollte es so. Weil er ihr die falschen juristischen Ratschläge gegeben hatte. PR-Experte mit Jurakenntnissen? Egal, verstehen tut es ohnehin keiner. Elliott jedenfalls kriegte die Paris-Wut zuerst ab. Zwei Tage später dann heuerte sie ihn aus alter Verbundenheit aber doch wieder an. Die Launen einer Diva. Damit aber nicht genug. Der böse Richter, den trägt natürlich die Hauptschuld. Der ist doch nur neidisch auf den Erfolg der Hiltons. So jedenfalls wabert es aus dem Hotellager durch die Ritzen der Nobelsuiten nach draußen. Fast schon passend im momentanen Hilton-Klima, dass die Hotelkette derzeit drastische Umsatzeinbussen hinnehmen muss. Am Montag ließ Hilton über ihren Anwalt Howard Weitzman - wie angekündigt - Berufung gegen das "harsche" Urteil einlegen. Eine Formsache. Übrigens: Die Hilton kann, wenn sie sich denn gut führt, ihren Aufenthalt im Gefängnis um satte sechs Tage verkürzen.

Die Paris-Petition

Wie arrogant die Hilton mit dem Urteil tatsächlich umgeht, zeigt auch die Tatsache, dass sie ihre Fans aufgefordert hat, einen Brief an Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu schreiben, um ihn um ein "Pardon" zu bitten. Aus dem Gouverneurs-Büro will man zu solchen Banalitäten allerdings gar nicht erst Stellung nehmen.

Die Medien tragen natürlich auch mal wieder einen Großteil an der derzeitigen Misere im Hilton-Imperium. Und so sind die Paparazzi, die sonst auch gerne mal von Paris oder ihrem Sprachrohr angerufen werden, wenn sie mal wieder zur Shopping-Attacke bläst, im Moment eher die müßigen Schmeißfliegen. "Lasst mich doch endlich in Ruhe", faselt Wasserstoff-Paris, deren zauberhafte Barbie-Welt auf einmal gar nicht mehr so rosig ausschaut. Gejagt von der Journalisten-Meute. Wie ein wildes Tier. Vergessen die Tage, da es die Fotografen waren, die ihr Gesicht millionenfach bekannt machten.

Immer ein Foto wert

Natürlich lassen sie sie nicht zufrieden. Jetzt doch nicht. Die Paris, eine Popkultur-Ikone, die für 30-minütige öffentliche Auftritt in Nachtclubs oder bei privaten Partys doch sage und schreibe 150.000 Dollar verlangt und auch bekommt (!), ist endlich mal wieder eine richtige News-Geschichte wert. Ein Paparazzi: "Was für ein Foto, Paris im orangefarbenen Gefängnis-Overall beim Rundgang im Knast." Unbezahlbar, fast.

Selbst die Polizei kommt nicht ohne eine verbale Paris-Backpfeife davon. "Die halten mich doch nur an, weil sie mit mir flirten wollen", gibt Hilton zum Besten. Und fährt fort: "Wie oft bin ich schon von einem Beamten angegraben worden." Okay, Ego kommt vor dem Fall. Oder so ähnlich.

Dick im Geschäft

Und wie es sich für Hollywood gehört, arbeitet auch eine Paris Hilton, noch bevor sie überhaupt dem Gefängnis mitgeteilt hat, welche Kleidergröße sie bevorzugt, schon wieder an einem Comeback. "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Knast ihren Star-Appeal in einer krankhaften und total abscheulichen Art und Weise sogar noch verbessern wird", sagt Michael Levine, PR-Experte aus Los Angeles. Der Publicity-Mann weiter: "Es gibt ein Segment in unserer Gesellschaft, das im Leben von Paris Hilton so involviert ist wie bei einer Seifenoper im TV. Und genau dieses Segment wird den Gefängnisaufenthalt dann nur als weitere Plotline im ewigen Reality-Drama um Paris Hilton sehen."

Karriereschub

Comebacks werden in Hollywood ohnehin größer gefeiert als ein Fußball-Weltmeisterschaftstitel in Rom. Robert Downey Jr. lag besoffen auf der Straße. Ein Jahr später erhielt er einen mit Ruhm und Ehre behafteten People's Choice Award, weil er "sich wieder nach oben gekämpft hatte." Martha Stewart ist heute mehr wert als noch vor ihrem Aufenthalt im Gefängnis. David Hasselhoff wird sich wieder berappeln und weiterhin Millionen scheffeln, so wie es Colin Farrell, Christian Slater oder auch Tim Allen vorgelebt haben. Hollywood vergibt gern. Und das Gefängnis gehört genau wie die Reha-Klinik doch irgendwie schon fast zum Lebensstil der Promis dazu. Aussagen wie "ich habe Leute, die meine Post lesen" (Paris Hilton vor Gericht) klingen im ersten Moment abstrus und weltfremd, gehören aber in Hollywood doch zum Alltag. Ein weiteres Beispiel gefällig? - Bruce Willis auf die Frage, ob er seine Fanpost noch selbst liest: "Ich kriege keine Post, ich kriege nur FedEx." Okay, da wundert es auch keinen mehr, warum sie die vier Millionen-Einwohner Stadt am sonnigen Pazifik "Lala-Land" nennen.

Noch berühmter durchs Gefängnis

Als "brillianten Karriereschritt" bezeichnet sogar David Brokaw, seit 20 Jahren im PR-Geschäft für Promis tätig, den bevorstehenden Gefängnisaufenthalt von Hilton. "Ihre Berühmtheit basiert doch zum Großteil auf ihrem frivolen Verhalten", kommentiert Brokaw. Immerhin ist Paris Hilton nur deshalb weltweit bekannt geworden, weil ein Sexvideo mit ihr im Internet kursierte. "Der Knastaufenthalt wird wie eine Art Energieschub für das Phänomen Hilton funktionieren", glaubt Brokaw. Paris Hilton derweil spielt die ihr zugeordnete devote Rolle. "Ich fühle mich unfair behandelt. Halte das Urteil für grausam und nicht gerechtfertigt. Das habe ich nicht verdient", so die Erbin, bevor sie mit Mama Kathy verschwindet. Wohin denn die Reise gehe, wollte ein Paparazzi wissen. "Zum Shopping nach Malibu", strahlt Paris und schlägt die Beifahrertür zu.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker