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#OscarsSoWhite Halle Berry über ihren Oscar-Gewinn: "Dachte damals, er würde Türen für schwarze Frauen öffnen"

Halle Berry bei ihrem Oscargewinn 2002
Halle Berry bei ihrem Oscargewinn 2002
© Timothy_A._Clary / Picture Alliance
Fast 20 Jahre nach ihrem Oscar-Gewinn ist Halle Berry noch immer die einzige nicht weiße Frau, die je den Preis für die "Beste Hauptdarstellerin" bekam. In einem Interview sprach sie über ihre Enttäuschung. Währenddessen versucht die Academy, mit Richtlinien für mehr Diversität zu sorgen.

Es ist bis heute einer der bekanntesten Momente in der Geschichte der Academy Awards: Russell Crowe öffnet den Umschlag, der ihm sagen wird, wer 2002 den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin gewonnen hat und liest den Namen vor – es ist Halle Berry. Die damals 36-jährige Berry ist schockiert, taumelt förmlich auf die Bühne und kann für ein paar Momente vor lauter Schluchzen kaum sprechen.

Sie würde ihren Gewinn jeder "namenlosen, gesichtslosen nicht weißen Frau widmen, die jetzt eine Chance habe, weil die Tür geöffnet worden sei", so Halle Berry. Denn: Während es in der Vergangenheit bereits Nominierungen gegeben hatte, war Berry die erste nicht weiße Frau, die je den Oscar für die beste Hauptrolle bekommen hatte. Und ist es noch immer – 18 Jahre später.

Sie könne es nicht fassen, dass nach ihr keine weitere schwarze Frau in dieser Kategorie gewonnen habe, sagte Berry kürzlich in einem Interview mit dem US-amerikanischen "Variety"-Magazin: "Vergangenes Jahr dachte ich, Cynthia [Erivo, nominiert für 'Harriet'] würde gewinnen. Ich hatte eigentlich auch erwartet, dass Ruth [Negga, 2016 für 'Loving' nominiert] eine wirklich gute Chance hätte. Ich dachte, es hätte Frauen gegeben, die wirklich und rechtmäßig hätten gewinnen sollen. Ich hatte gehofft, dass sie es würden, aber das ist nicht passiert. Ich habe auch keine Antwort darauf."

Im Nachhinein sei ihr Oscar-Gewinn eine Quelle großen Kummers für sie: "Am nächsten Morgen dachte ich: 'Wow, ich wurde ausgewählt, um eine Tür zu öffnen.' Und dann passierte nichts und ich musste mir die Frage stellen: 'War das ein wichtiger Moment, oder war es nur ein wichtiger Moment für mich?'" Sie habe glauben wollen, dass ihr Gewinn ein Symbol für etwas Größeres gewesen sei, so habe es sich angefühlt: "Vor allem, weil ich wusste, dass es vor mir schon andere hätte geben sollen, die es aber nicht gab."

"Bester Film"-Oscar in Zukunft nur noch an Filme, die Auflagen erfüllen

Passend zu Berrys Interview verkündete die Academy am Dienstag, dass man in Zukunft höhere Diversitätsansprüche an Filme stellen wolle, die für die Kategorie "Bester Film" in Erwägung gezogen werden würden. So müssten die Filme zwei von vier Kategorien erfüllen: Repräsentation von Gruppen wie ethnische Minderheiten, Frauen oder Mitglieder der LGBTQ+-Community in signifikanten Rollen oder einer Storyline, Besetzung wichtiger Rollen am Set mit Mitarbeitern aus Minderheitengruppen, Ermöglichung von Einstieg in die Industrie für Mitglieder von Minderheitengruppen, beispielsweise durch bezahlte Praktika und Repräsentation von Minderheitengruppen in Marketing- und Distributionsrollen. 

Man wolle hiermit die "diverse Population in sowohl dem Schaffen der Filme als auch im Publikum, das sich mit ihnen verbunden fühlt" repräsentieren, so David Rubin, Präsident der Academy und Dawn Hudson, CEO der Academy in einer Pressemitteilung. "Wir glauben, dass diese Inklusionsstandards ein Katalysator für längerfristige, essenzielle Veränderungen in unserer Industrie sein werden."

Die Academy reagiert hiermit auf Kritik, die in den letzten Jahren immer lauter geworden war. Nachdem 2015 alle 20 Nominierungen schauspielerische Leistung an weiße Schauspielerinnen und Schauspieler gegangen waren, hatte Aktivistin April Reign den Hashtag #OscarsSoWhite, also "Oscars so weiß", gestartet, der sich großer Popularität erfreut hat. 

Die Academy reagierte, verdoppelte in der Vergangenheit bereits ihre weiblichen und nicht weißen Mitglieder. All diese Veränderungen dürften Halle Berry vermutlich ein wenig zuversichtlicher stimmen. Sie selbst hatte zuletzt neben der Hauptrolle auch die der Regisseurin für ihren neuen Film "Bruised" übernommen, der in dieser Woche auf dem Toronto Film Festival Premiere feiern wird. "Variety" sagte sie hierzu: "Ich habe Hoffnung, dass wir als Frauen das Selbstbewusstsein gewinnen, unsere eigenen Geschichten zu erzählen. Und es gibt Raum dafür. Schon viel zu lange werden unsere Erfahrungen durch die Linse von Männern erzählt."

Quellen: "Academy", "Variety"

jgs

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