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Vergewaltigungs-Verfahren "Irgendwie entstellt": Harvey Weinsteins deformierter Hoden wird für die Anklage zum wichtigen Beweismittel

Harvey Weinstein vor Gericht
Dem früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein droht eine langjährige Haftstrafe
© Etienne Laurent / AFP
Hollywood-Mogul Harvey Weinstein soll seine Machtposition ausgenutzt haben, um Schauspielerinnen zum Sex zu zwingen. Im Gerichtsverfahren musste die Jury sich nun außergewöhnlich oft mit seinen Genitalien beschäftigen.

Es sind schere Vorwürfe, denen sich Harvey Weinstein aktuell gleich in mehreren Verfahren vor Gericht stellen muss. In seiner Position als einer der wichtigsten Hollywood-Produzenten soll er zahlreiche Schauspielerinnen zum Sex gezwungen und vergewaltigt haben. Nun droht seine Verteidigungs-Strategie zu bröckeln. Dank seiner ungewöhnlichen Genitalien.

Die werden zunehmend zum Gegenstand des aktuellen Verfahrens, berichtet "Vanity Fair". Das Opfer des aktuellen Prozesses, eine europäische Schauspielerin, die zum Schutz ihrer Identität nur "Jane Doe" (in den USA eine Standard-Bezeichnung für unbekannte Personen, Anmerkung der Redaktion) genannt wird, wurde demnach gleich mehrfach zu seinen Hoden befragt. Sie werden als einer der wichtigsten Beweismittel der Anklage betrachtet.

Ungewöhnliches Gemächt

Das hat einen einfachen Grund. Wie die Anklage im Oktober enthüllte, hatte sich Weinstein bereits 1999 einer Operation unterziehen müssen, die seine Genitalien sehr stark veränderte. Wegen einer Bakterien-Infektion musste ein Teil seines Hodensacks entfernt werden, die beiden Hoden wurden daraufhin in seine Oberschenkel verlagert, wie der Staatsanwalt erklärte. Der Jury wurden demnach auch Fotos gezeigt, diese wurden aber nicht für die Öffentlichkeit freigegeben.

Relevant für den Fall ist Weinsteins Operation, weil gleich mehrere Frauen, die ihn des sexuellen Übergriffs oder der Vergewaltigung beschuldigen, seine Genitalien als ungewöhnlich beschrieben hatten.

"Wie leere Haut"

Für Weinstein sind diese Aussagen ein gewaltiges Problem. Seine Verteidigung besteht darauf, dass die mutmaßlich im Rahmen des L.A. Italia Filmfestivals 2013 geschehene Vergewaltigung nicht habe stattfinden können - weil das Opfer nie mit Weinstein alleine in einem Hotelzimmer gewesen wäre. Sein Anwalt versuchte die Aussage entsprechend zu untergraben. Das Opfer hatte unter Tränen ausgesagt, dass er sie dazu gezwungen habe, "seine Eier zu lutschen". Der Anwalt hinterfragte das, indem er darauf verwies, dass sein Klient ja gar keine habe. Und behauptete, das Opfer widerspräche sich. 

Vergewaltigungs-Verfahren: "Irgendwie entstellt": Harvey Weinsteins deformierter Hoden wird für die Anklage zum wichtigen Beweismittel

Doch das blieb bei seiner Aussage. Sie habe immer ausgesagt, dass diese sich "angefühlt haben, als habe er keine. Das war wie leere Haut", erklärte die Schauspielerin. Die Staatsanwaltschaft sieht das genauso. Chefankläger Paul Thompson sprach die Jury am Freitag genau darauf an. "Sie haben die Bilder gesehen. Ich bin sicher, wenn ich Sie darauf ansprechen würde, wäre es schwer zu beschreiben. Es ist einfach schwer zu beschreiben, wenn man kein medizinisches Fachwissen hat." Thompsons Argument: Wäre Jane Doe nicht von Weinstein gezwungen worden, könnte sie kein Wissen über seine anatomischen Besonderheiten haben.

Bröckelnde Verteidigung

Für Weinstein könnte diese Argumentation noch ein gewaltiges Problem werden. Mindestens zwei andere seiner mutmaßlichen Opfer haben ebenfalls Aussagen zum ungewöhnlichen Aussehen seiner Genitalien gemacht. Eine sagte aus, es sähe aus "als ob es abgehackt und dann wieder angenäht worden sei. Irgendwas stimmte damit einfach nicht". Eine andere bezeichnete sein Gemächt als "Fisch-ähnlich". "Die Hoden waren irgendwie entstellt. Da war viel Haut, sehr viel Haut." 

Auch Weinsteins weitere Strategie im aktuellen Verfahren lässt ihn nicht gut aussehen. So hatte sich herausgestellt, das Weinsteins ehemaliger Fahrer, der für ihn ausgesagt hatte, seinen Anwalt von dem Hollywood-Mogul hatte bezahlen lassen. Weinsteins Anwalt hatte zudem argumentiert, Doe sei zu dem Zeitpunkt mit dem Festival-Veranstalter Pascal Vicedomin in einem Raum gewesen, sie hätten eine Affäre gehabt. Die Aussage Vicedomins verliert allerdings Glaubwürdigkeit. In einer E-Mail hat Weinstein hatte er den als "seinen Helden" bezeichnet. Und betont, dass er ohne zu zögern für ihn lügen würde.

Quelle: "Vanity Fair"

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