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Helen Gurley Brown ist tot: Mutter der "Sex-Bibel für Single-Frauen"

Sex zum Spaß, Karriere für Frauen: Mit damals als skandalös geltenden Ideen revolutionierte Helen Gurley Brown den Zeitschriftenmarkt. Am Montag ist die langjährige "Cosmopolitan"-Chefin gestorben.

Ihren Namen kennen wohl nur wenige, aber das Zeitschriften-Imperium dahinter dürfte den meisten Frauen der Welt ein Begriff sein: Mehr als 30 Jahre lang war Helen Gurley Brown Chefredakteurin der US-"Cosmopolitan". Sie verwandelte das bis dahin dröge und konservative Magazin in eine 300-Seiten-dicke "Sex-Bibel für Single-Frauen" und exportierte das Konzept in die Welt. Ihre in den sechziger Jahren als skandalös angesehenen Ratgeber-Bücher, die Frauen zu finanzieller Unabhängigkeit und Sex vor der Ehe animierten, wurden zu Bestsellern. "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", soll die im Verlag liebevoll "H.G.B." genannte Brown einmal gesagt haben. Am Montag ist sie im Alter von 90 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus gestorben.

Brown sei eine "Ikone" gewesen, sagte Hearst-Chef Frank Bennack in einer Mitteilung. "Ihre Formel für ehrliche und unverschnörkelte Ratschläge für Beziehungen, Karriere und Schönheit haben den Zeitschriften-Markt verändert." Bis zuletzt war die 1922 im US-Bundesstaat Arkansas geborene Brown fast jeden Tag in ihrem pinkfarbenen Büro im Wolkenkratzer des Verlags im Zentrum von Manhattan erschienen. Auch nach ihrem nach ihrem offiziellen Rückzug 1997 war sie im Impressum weiter als Herausgeberin geführt worden.

Unter anderem dank ihrer Mithilfe expandierte das Magazin in die Welt. Das US-Mutterschiff - intern auch als "Big Cosmo" bekannt - hat nach eigenen Angaben inzwischen 64 internationale Ausgaben, erscheint in mehr als 100 Ländern in 35 Sprachen und erreicht rund 100 Millionen Leser. Die "Big Cosmo" ist mit rund drei Millionen Lesern das am besten verkaufte US-Monatsmagazin.

Wie Frau richtig flirtet

Jede erste Ausgabe in einem weiteren Land erscheint mit einem Artikel über H.G.B.. "Es war absolut notwendig, dass unsere Leser wissen, wer sie ist", sagte Leyla Orujova, Chefredakteurin des Magazins in Aserbaidschan jüngst der "New York Times". In Indonesien habe die Zeitschrift die Art und Weise verändert, wie Frauen über Sex reden, sagte die dortige Chefredakteurin Fira Bsuki Baskoro. "Davor war es ein Tabu für Frauen, offen über Sex zu sprechen." Nach jeder Ausgabe habe sie eine handgeschriebene Karte von Brown bekommen, erzählte die Chefredakteurin in Kasachstan, Maya Akisheva. "Viele Mädchen hier betrachten eine "Cosmopolitan"-Ausgabe als wichtiges Accessoire." Kritiker bemängeln allerdings die reißerischen Schlagzeilen des Magazins, bei dem das Wort "Sex" auf dem Titel nie fehlen darf. Die "New York Times" nannte Brown jüngst die "Patronin der Sex-zentrierten "Cosmopolitan"-Marke beim Streben nach weiblicher Ermächtigung".

Aller Emanzipation zum Trotz war es ein Mann, der Brown zur Autorin machte. David Brown, ihr 2010 gestorbener Ehemann, mit dem sie mehr als 50 Jahre verheiratet war, überredete sie, ein Buch über ihre für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ideen zum Thema Sex zu schreiben. "Sex and the Single Girl" - in Deutschland 1964 unter dem Titel "Sex und ledige Mädchen" erschienen - blieb mehr als ein Jahr auf US-Bestsellerlisten und wurde in 16 Sprachen übersetzt. Es enthielt Ratschläge zum Thema Schönheit, Karriere und Sex - verriet aber auch, wie der Mann erstmal erobert werden kann. "Schaue direkt in seine Augen, tief und suchend, dann schaue wieder nach unten und beschäftigte dich mit deinen Freunden oder deiner Zeitschrift", schrieb Brown. "Mache das dreimal, und Du flirtest." Das Buch wurde mit den Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall, Tony Curtis und Henry Fonda verfilmt.

Die Bücher und Artikel der auch als Stilikone geltenden Brown halfen dabei, den Weg für die sexuelle Revolution zu ebnen und machten beispielsweise Erfolgsserien wie "Sex and the City" - in der die vier Hauptdarstellerinnen immer den "Cosmopolitan"-Cocktail bestellen - erst möglich. Trotz allem Glamour war Brown nie oberflächlich, "Wenn ich mich zwischen Schönheit und Intelligenz entscheiden müsste, würde ich immer die Intelligenz nehmen."

Christina Horsten, DPA / DPA
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