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Roter Cocktail: Die ganze Welt trinkt gerade Negroni – das steckt dahinter

Der Negroni ist einer der ältesten Cocktail-Klassiker, benannt ist er nach einem italienischen Lebemann mit einem Hang zu starken Drinks. Diese Woche wird der Negroni auf der ganzen Welt zelebriert. Dahinter steckt eine Aktion mit ernstem Hintergrund.

Der Negroni hat schon 100 Jahre auf dem Buckel, wird dank moderner Variationen aber immer noch weltweit zubereitet.

Der Negroni hat schon 100 Jahre auf dem Buckel, wird dank moderner Variationen aber immer noch weltweit zubereitet.

Jede Zeit hat ihr Getränk. In den Achtzigern nippte man mit geföhnter Dauerwelle am Kir Royal, in den Neunzigern feierte man mit einem grellen Cosmopolitan in der Hand. Heute dominiert der Gin & Tonic die Tresen und Strandbars der Republik. Drinks kommen und gehen, doch Klassiker überstehen jede Mode. Einer davon steht in dieser Woche besonders hoch im Kurs: der Negroni.

Rund 1000 Restaurants und Bars in Deutschland zelebrieren den Drink während der Negroni Week. Sie wird seit 2013 von Campari und dem "Imbibe"-Magazin veranstaltet und findet in diesem Jahr vom 24. bis zum 30. Juni statt. Dabei wird nicht nur der gehobenen Trinkkultur gehuldigt, es geht vor allem um den guten Zweck: Von jedem verkauften Negroni wird eine gewisse Summe an wohltätige Organisationen gespendet.

Cocktail-Schule: So gelingt der perfekte Negroni

Charity und Cocktails, diese Kombination funktioniert: Bislang kamen zwei Millionen Dollar zusammen, die unter anderem an die Tafel oder den Bundesverband Kinderhospiz gespendet wurden. In Deutschland nehmen etwa das Provocateur in Berlin, das Tortue in Hamburg oder das Wabi Sabi in München an der Negroni Week teil. Alle teilnehmenden Bars findet man hier.

Camillo Negroni - Lebemann mit Hang zu starken Drinks

Erfunden wurde der Negroni im Jahr 1919. Benannt ist er nach dem Grafen und Lebemann Camillo Negroni, der Anfang des 20. Jahrhunderts aus Amerika nach Florenz zurückkehrte. Dort bestellte er im Caffè Casoni (heute Caffè Giacosa) den damals angesagten Americano, einen Aperitif-Cocktail bestehend aus Campari, Wermut und Sodawasser. Weil Camillo Negroni an diesem Tag aber Lust nach etwas Stärkerem verspürte, ließ er - inspiriert von seiner letzten Reise nach London - das Sodawasser vom Barkeeper durch Gin ersetzen. Eine Cocktail-Legende war geboren.

Ein klassischer Negroni besteht zu jeweils gleichen Teilen aus Gin, roten Wermut, Campari, und einer Orangenzeste. Das war's. Schlichter geht es kaum. Man benötigt keine handgefertigten Infusionen oder Sirups, auf die sonst viele Top-Bars schwören. Die Süße liefert der Wermut, genügend Power der Gin, die Bitterkeit der Campari.

Während Gin und Wermut nach Belieben ausgetauscht werden können, kommt man am Campari nicht vorbei, da sind sich viele Experten einig. Jacques Bezuidenhout, Cocktail-Berater für die Kimpton Hotelgruppe, sagte vor einigen Jahren dem "Mixology"-Magazin: "Campari ist und bleibt das Herzstück des Cocktails. Er verleiht ihm seine Farbe, seine leuchtend bittere Note."

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Klassiker im neuen Gewand

Einige Barkeeper verleihen dem Negroni moderne Twists: Sie machen den Drink mit Sloe Gin (Schlehen-Basis) gefälliger, andere runden den Geschmack mit frischem Karottensaft oder Himbeeressig ab. Wer es nicht so stark mag, ist mit einem Negroni Sbagliato gut beraten, was auf italienisch "fehlerhaft" heißt. Entstanden ist er tatsächlich durch ein Missgeschick in einer Mailänder Bar, statt Gin wurde versehentlich Schaumwein eingeschenkt.

In diesem Jahr fällt die Feier übrigens besonders spektakulär aus: Der Negroni feiert seinen 100. Geburtstag. Allen Neuinterpretationen zum Trotz würde Graf Camillo vermutlich zum Klassiker greifen. Denn wie sagte schon Coco Chanel: Mode vergeht, Stil jedoch bleibt.