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"Verdorben": Neue Netflix-Doku zeigt die erschreckende Wahrheit über unseren Honig

Honig ist ein Naturprodukt und gilt als gesunde Alternative zu Zucker. Doch eine neue Netflix-Doku zeigt: Wo Honig drauf steht, ist nicht immer nur Honig drin. Längst machen Kriminelle ein gutes Geschäft mit dem klebrigen Süßstoff.

Der mit billigem Sirup gestreckte Honig wird in riesigen Fässern verschifft

Der mit billigem Sirup gestreckte Honig wird in riesigen Fässern verschifft

Die neue -Dokumentation "Verdorben" (englisch "Rotten) liefert tiefe Einblicke in die weltweite Nahrungsproduktion und beleuchtet die Schattenseiten der Branche. Die erste von insgesamt sechs Episoden trägt den Namen "Anwälte, Waffen und Honig" und beschäftigt sich mit einem unserer Lieblingsprodukte: Honig. Kaum ein Nahrungsmittel genießt so einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Honigkonsument weltweit.

Das Problem ist nur: Durch das Bienensterben sinkt die weltweite Honigproduktion rapide. In einigen Teilen der Welt geht die Zahl der Bienenvölker alljährlich um 50 Prozent zurück. Gleichzeitig ist der klebrige Süßstoff beliebter als je zuvor. Er ist ein natürliches Produkt und gilt als gesunde Alternative zu Zucker. Die Produktion sinkt, die Nachfrage steigt - es überrascht wenig, dass Kriminelle diese Situation ausnutzen. Sie machen das große Geschäft, indem sie Honig mit billigem Sirup strecken - auf Kosten der Verbraucher.

Wo Honig draufsteht, ist nicht immer Honig drin

Wo Honig draufsteht, ist nicht immer Honig drin

Der gepanschte Honig

Keine Nation auf der Welt ist so honigverrückt wie die Amerikaner. Knapp 200.000 Tonnen werden im Jahr konsumiert. Heimische Bienenstöcke produzieren der Dokumentation zufolge jedoch nur 70.000 Tonnen pro Jahr. Unternehmer wie Tony und Doug Schmitz kaufen daher von verschiedenen Herstellern aus der ganzen Welt und mischen diese miteinander. Um den landesweiten Bedarf zu decken, muss also doppelt so viel Honig importiert werden wie aus eigener Kraft hergestellt wird.

Um die nötige Masse zu generieren, wird Honig "im großen Stil mit billigem Sirup gestreckt", sagt Norberto Garcia, Präsident der Internationalen Organisation der Honigexporteure. Wie ein Drogendealer strecken die Zulieferer ihre Ware, um die Menge zu erhöhen. Garcia findet dafür deutliche Worte: "Wenn jemand das Doppelte für ein Produkt bezahlt, das falsch etikettiert ist, dann ist das Betrug. Ein Verbrechen."

Neue Regeln, neue Betrügereien

"Vor zehn, zwanzig Jahren wurde Honig meist mit Sirups aus Mais oder Zuckerrohr gestreckt", so Garcia. Daraufhin wurden Tests entwickelt, mit denen diese Manipulationen erkannt werden konnten. "Dann fanden die Chinesen vor einigen Jahren heraus, dass man mit dieser Methode keinen Reissirup entdecken kann." Der gestreckte Honig wurde in die exportiert, die Preise sanken auf ein so niedriges Niveau, dass amerikanische Imker nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

2001 belegte die US-Regierung den chinesischen Honig mit Zöllen, dadurch wurde der Honig dreimal so teuer. Das förderte jedoch nur neue Betrugsmethoden: Die Importe wurden über andere asiatische Länder abgewickelt. Aus Malaysia wurden der Doku zufolge etwa 17.000 Tonnen importiert. Dabei produzieren die heimischen Bienen nur ein Tausendstel dieser Menge. Die Honig-Fässer aus China bekamen einfach einen anderen Aufkleber, neue Papiere - und umgingen so die hohen Zölle.

QSI-Geschäftsführerin Gudrun Beckh im Proben-Archiv

QSI-Geschäftsführerin Gudrun Beckh im Proben-Archiv

Der Kampf gegen die Honigpanscher wird auch in geführt - etwa in Bremen, bei Quality Services International (QSI). In dem Labor werden seit den 50ern Lebensmittel geprüft. Ständig entwickeln die Wissenschaftler neue Tests, mit denen noch genauer nachgewiesen werden kann, ob Honig gestreckt wurde oder nicht. Doch die Honigwascher rüsten ebenfalls auf: "Nach zwei, drei Monaten gibt es immer weniger positive Testergebnisse. Das bedeutet nicht, dass der Honig nicht mehr gepanscht wird. Es wurden nur neue Methoden entwickelt, die wir mit unseren Tests nicht aufspüren können", sagt QSI-Geschäftsführerin Gudrun Beckh. Ihr ist klar: Solange Geld verdient werden kann, wird der Betrug weitergehen.

Die ganze Staffel "Verdorben" gibt es seit Freitag auf Netflix


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