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Interview

Cocktails: Ein Barkeeper verrät, was in jede Hausbar gehört - eine Zutat nutzt man sonst beim Frühstück

Gute Drinks zu Hause mixen: Die Hausbar erlebt seit Jahren ein Comeback. Ein Profi-Barkeeper verrät uns, welche fünf Zutaten man unbedingt braucht. Eine davon ist ziemlich ungewöhnlich.

Zwei Drinks, dazu ein bisschen Knabberkram, vielleicht noch ein Bier als Absacker - in einer guten Bar ist man schnell 30 Euro los. Günstiger und auch gemütlicher ist ein Abend mit Freunden in den eigenen vier Wänden oder bei gutem Wetter im Garten oder auf der Terrasse. Seit einigen Jahren erlebt die Hausbar deshalb wieder ein Comeback.

Doch welche Zutaten sollte man unbedingt zu Hause haben, wenn man seinen Gästen einen guten Drink mixen will? Der stern sprach darüber mit Sven Goller, einem der derzeit kreativsten Barkeeper Deutschlands. Er gewann bereits die deutschen World Class Finals und qualifizierte sich für das Barkeeper-Finale in Mexiko.

Herr Goller, welche Zutaten sollten in jeder Hausbar stehen? 

Mit nur fünf Zutaten kann man schon tolle Drinks zubereiten. Wenn man klein anfängt, sollte man zunächst die Spirituose kaufen, die man persönlich mag - und nicht die, die derzeit besonders angesagt ist. Wer keinen Gin mag, muss auch keinen zu Hause haben. Auf jeden Fall sollten frische Zitrusfrüchte im Kühlschrank liegen, also Limetten, Zitronen oder Orangen. Wichtig ist außerdem eine Zuckerquelle, etwa ein Sirup.

Den kann man sich auch leicht selber kochen.

Genau. Man nimmt einen Teil Zucker, einen Teil Wasser und verrührt das Ganze unter Hitze. Weißer Zucker ist optisch schöner für Cocktails, brauner Zucker gibt eine Karamellnote. Eine Alternative ist flüssiger Honig. Das sind die wichtigsten Grundlagen, mit denen man schon fast alle Sour-Cocktails zubereiten kann, also einen Whisky Sour, Daiquiri oder einen Gin Fizz.

Das sind erst drei Zutaten. Welche zwei fehlen noch?

Ich empfehle immer noch einen guten Orangenlikör, der kostet maximal 20 Euro. Eine Flasche Cocktailbitter ist auch nützlich, die bekommt man schon für zehn Euro im Feinkostladen. Sie ist quasi das Salz und Pfeffer des Drinks und verleiht dem Cocktail eine Gewürzladung. Einen Cocktailbitter gibt man nur tröpfchenweise in den Drink, er ist aber in vielen klassischen Cocktailrezepten eine wichtige Zutat wie beispielsweise einem Old Fashioned.

Wozu braucht man Orangenlikör?

Liköre kann man als alternative Zuckerquelle verwenden. Einer der bekanntesten Drinks dieser Art ist die Margerita. Hier nimmt man Tequila, frischgepressten Limettensaft und einen Orangenlikör. Als Faustregel gilt das 6-3-2-Prinzip: Sechs Teile Spirituose, drei Teile Säure und zwei Teile Zucker ergeben eine runde Mischung. Statt eines Likörs kann man auch Marmeladen als Zuckerquelle verwenden. Ein Barlöffel hochwertige Orangenmarmelade in einem Whisky Sour ergibt beispielsweise einen spannenden Twist mit feiner Bitterorangennote.

Kreative Klassiker: Wir haben Barkeeper gebeten, Cocktails neu zu interpretieren - die Ergebnisse sind kreativ
Carotolin Negroni  Beginnen wir mit dem Negroni. Das Originalrezept sieht jeweils einen Teil Gin, roten Wermut und Campari vor. Marie Rausch aus der Münsteraner Bar "Rotkehlchen" verleiht dem Klassiker, der mittlerweile mehr als 100 Jahre alt ist, einen spannenden Twist: Der Campari bleibt, der rote Wermut wird jedoch durch Süßwein und frischgepressten Karottensaft ersetzt, statt Gin landet Calvados im Glas. Benannt ist der Drink übrigens nach Davide Camparis Mutter, die in Anlehnung an ihre rote Haarfarbe "Carotolin" übersetzt "kleine Rübe" genannt wurde.      Das Rezept:  3 Teile Campari      3 Teile Calvados   3 Teile Sauternes Süßwein   2 Teile frischer Karottensaft        Alle Zutaten (ohne den Karottensaft) auf viel Eis verrühren, in einem Tumbler auf Eis geben und mit dem  frischen Karottensaft floaten.         

Carotolin Negroni

Beginnen wir mit dem Negroni. Das Originalrezept sieht jeweils einen Teil Gin, roten Wermut und Campari vor. Marie Rausch aus der Münsteraner Bar "Rotkehlchen" verleiht dem Klassiker, der mittlerweile mehr als 100 Jahre alt ist, einen spannenden Twist: Der Campari bleibt, der rote Wermut wird jedoch durch Süßwein und frischgepressten Karottensaft ersetzt, statt Gin landet Calvados im Glas. Benannt ist der Drink übrigens nach Davide Camparis Mutter, die in Anlehnung an ihre rote Haarfarbe "Carotolin" übersetzt "kleine Rübe" genannt wurde.


Das Rezept:

3 Teile Campari    

3 Teile Calvados 

3 Teile Sauternes Süßwein 

2 Teile frischer Karottensaft  


Alle Zutaten (ohne den Karottensaft) auf viel Eis verrühren, in einem Tumbler auf Eis geben und mit dem  frischen Karottensaft floaten.         

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Eine Marmelade?

Wer sich nur ab und zu einen Cocktail mixt, muss sich fragen: Kauft man einen Likör, den man vielleicht einmal im Monat verwendet, oder lieber eine Marmelade, die man sich auch früh aufs Brot schmieren kann? Fast jeder hat im Kühlschrank Marmeladen herumstehen, die man selten nutzt, einem Drink aber eine spannende Fruchtebene verleihen können. Je nach Süße der Marmelade empfehle ich zwei bis drei Bar- oder Teelöffel als Ersatz für den Zuckersirup.

Haben Sie noch weitere Geheimtipps parat?

Als Ergänzung zur Säure gebe ich gerne Essig in Drinks. Ein Hauch Apfelessig kann in Drinks die Säurequelle ersetzen. Man muss diesen dabei aber vorsichtig dosieren, je nach Säuregrad reichen 5 bis 10 ml Essig als Ersatz für 30 ml Limetten oder Zitronensaft. Gibt man einige Tropfen Balsamico-Essig beispielsweise in eine Bloody Mary, so unterstützt man die Umami-Noten des Tomatensaftes.

Wenn man eine zweite Spirituose kauft, dann …

Wer Whiskyfreund ist, sollte einen Bourbon und einen Scotch kaufen. Wer allerdings nur eines von beiden gerne trinkt, könnte sich etwa noch eine Flasche roten Wermut kaufen. Dann kann man mit Cocktailbitter, Bourbon und Wermut einen Manhattan mischen. Als Gin-Liebhaber empfiehlt sich ein Bitterlikör wie etwa Campari, dann kann man einen Negroni mixen. Wermut sollte wie Wein behandelt werden, also immer im Kühlschrank lagern und in drei bis vier Wochen aufgebraucht werden.

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