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Hunde-Skandal: Free Iggy!

Ein kleiner schwarzer Terrier lässt Talkshow-Queen Ellen DeGeneres in Tränen ausbrechen. Und plötzlich polarisiert das Thema Tieradoption eine ganze Nation. Wie ein Hund ganz Hollywood in Atem hält.

Von Frank Siering, L.A.

Er heißt Iggy, ist ein kleiner schwarzer Griffon-Terrier-Mischling und versetzt in Hollywood derzeit die gesamte Entertainment-Welt in helle Aufregung. Der Grund: Ellen DeGeneres, berühmte Talkmasterin und prominenteste Lesbe Amerikas (in Deutschland mit ihrer Serie "Ellen" und als Oscar-Gastgeberin bekannt) hatte den kleinen Hund adoptiert. Soweit eigentlich alles gut. Aber dann machte Frau DeGeneres einen kapitalen Fehler. Iggy vertrug sich nicht mit ihren Katzen und deshalb gab Ellen Iggy an ihre persönliche Hairstylistin weiter. Ende gut, alles gut, oder?

Von wegen. Ein Sturm der Entrüstung brach los, als Iggy nur einen Tag später unter Polizeischutz von einer Agentin der Tier-Adoptionsagentur "Mutts & Moms" abgeführt wurde. "Frau DeGeneres hat gegen unsere Statuten verstoßen", sagte Marina Baktis von der Agentur, die sich herrenloser Tiere annimmt und sie weitervermittelt. Die Los Angeles Times hievte die Story auf Seite eins mit der Schlagzeile "Fell sträubt sich im DeGeneres-Disput mit Hundeagentur", und die Talkmasterin selbst brach in ihrer eigenen Nachmittags-Show vor einem Millionen-Publikum weinend zusammen und flehte die Agentur an: "Bestraft mich, nicht den Hund. Bitte, bitte, gebt Iggy zurück an meine Stylistin."

Das ist Stoff, aus dem in Hollywood Kinofilme gemacht werden. Mehrere Tierfreunde haben im Internet sofort Petitionsliste erstellt und fordern, Iggy zurückzugeben. Und das Drama geht munter weiter. Nur einen Tag nach dem Heulkrampf von DeGeneres im TV, meldete sich diesmal Baktis weinend zu Wort. "Ich bekomme Morddrohungen, stehe völlig neben mir", schluchzte sie in die Kameras der Entertainment-Shows. Und Iggy? ¬ Die Odyssee des kleinen Hundes geht weiter. In den letzten zwei Monaten musste er vom Tierheim in Pasadena ins von Katzen dominierte Haus von DeGeneres umziehen. Nach ein paar Kratzern ging es weiter zur Stylistin, deren zwei Töchter Iggy sofort ins Herz schlossen. Trotzdem nahmen die Hundefänger den Terrier wieder mit nach Pasadena, ließen die beiden Töchter weinend zurück. Jetzt habe, behauptet ein Sprecher von "Mutts&Moms", Iggy - mittlerweile eine echte Hundeprominenz - schon wieder ein neues Heim gefunden. Die Besitzer allerdings pochen auf Anonymität. Sie wollen wohl vermeiden, dass der Medienzirkus bei ihnen im Garten seine Zelte aufbaut. Die Paparazzi-Jagd nach Iggy hat längst begonnen. Das erste Foto in seiner neuen Hundehütte ist tausende von Dollars wert.

Der Streit um Iggy hat eine Diskussion um das Adoptionsrecht für Tiere in den USA ausgelöst. Rühmen sich doch private Agenturen wie "Mutts & Moms" damit, dass sie vor der Freigabe eines Tieres die Häuser und die Besitzer auf Herz und Nieren prüfen würden, damit "das Tier ein wirklich gutes Heim findet", sagt Keith Fink, Anwalt von Baktis. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Adoptions-Agenturen für Haustiere potenzielle Bewerber ablehnten, erläutert Betsy Saul, Mitbegründerin von petfinder.com, einem Internet-Service fü Haustiersuchende. Diese Situation scheint zum Teil recht dubios, zumal in den USA jedes Jahr, "Millionen von Hasen, Katzen und Hunden euthanisiert werden müssen, weil die Tierheime total überfüllt sind", schreibt die Los Angeles Times. Ed Boks ist der General Manager des "Departments of Animal Services" in Los Angeles. Die Regeln für das Adoptieren aus öffentlichen Tierheimen, so Boks, "ist längst nicht so restriktiv. Wir haben nicht die Zeit, die Bewerber vorher genau zu durchleuchten", sagt der Tierfachmann. Und fügt im Falle von Iggy hinzu: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Agentur in diesem Fall im besten Sinne von Iggy gehandelt hat."

  • Frank Siering