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Lesben-Skandal der 90er "Mein Held" – als Hollywood Anne Heche wegen ihrer Geliebten verbannte, kämpfte nur Harrison Ford für sie

Anne Heche und Harrison Ford
Die Rolle in der Komödie "Sechs Tage, sieben Nächte" (1998) hatte Harrison Ford für sie erkämpft.
© Mary Evans / Imago Images
1997 zeigte Anne Heche der Welt, dass sie eine Frau liebte – Ellen DeGeneres. Sofort sollte sie alle Rollen verlieren, nur Superstar Harrison Ford kämpfte für sie.

Nach ihrem Autounfall lag Anne Heche mehrere Tage im Koma. Dann wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt. In den Neunzigern war Anne Heche ein aufgehender Stern am Himmel Hollywoods. In der Erfolgsserie "Another World" hatte sie die Zwillinge Vicky Hudson und Marley Love gespielt, mit dem Film Volcano im damals beliebten Katastrophen-Genre gab sie die Hauptrolle neben Tommy Lee Jones. Und dann zerbrach alles. Anne Heche verliebte sich in eine Frau. Ellen DeGeneres. Und sie ging mit ihrer Liebe an die Öffentlichkeit und das war 1997 alles andere als selbstverständlich. Heche nahm ihre Geliebte als "Plus One"-Begleitung mit auf den roten Teppich zur Premiere von "Volcano".

Eine gewagte Entscheidung im prüden Amerika – natürlich durfte man schon damals lesbisch oder schwul sein. Aber als Komiker, als Side-Stepp, als Darstellerin der Hauptrolle? Schon vorher wurde ihr gedroht. "Bei der Filmpremiere für 'Volcano' hatte ich angekündigt, dass ich Ellen als Date mitnehmen würde, und mir wurde darauf gesagt, wenn Ellen mitkommen würde, dann würde ich meinen Fox-Vertrag verlieren", sagte sie 2020 in der Serie "ABCs Dancing with the Stars". Ellen DeGeneres riet ab, sie wollte nicht, dass die Geliebte ihre Karriere ruiniert.

Karriere ruiniert

"In diesem Moment nahm Ellen meine Hand und sagte: 'Mach, was sie sagen', ich antwortete: 'Nein danke'. Ich nahm Ellen mit zur Premiere und wurde von Sicherheitsleuten hinausgeführt, noch bevor der Film zu Ende war. Ich durfte nicht zu meiner eigenen After-Party gehen, aus Angst, sie könnten Bilder von mir mit einer Frau bekommen."

Eigentlich war sie für die Hauptrolle in der Action-Rom-Com "Six Days Seven Nights" vorgesehen, aber dort wurde ihr Auftritt sofort gestrichen. "Ich hätte diesen Film nicht bekommen", sagte sie. Bis sich der männliche Star zu Wort meldete und für sie in die Bresche sprang.

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"Nachdem sie mir gesagt hatten, ich würde die Rolle nicht mehr bekommen, weil ich Ellen zur Premiere von 'Volcano' mitgenommen hatte, rief mich Harrison Ford am gleichen Tag an."

Harrison Ford war damals auf der Höhe seines Ruhmes, er konnte sich die Filme aussuchen – sein Name allein genügte, um einen Erfolg zu garantieren. Und das warf er in der Waagschale, um Heche im Film zu halten.

"Er war ein Held."

"Er sagte zu mir: 'Ehrlich gesagt, meine Liebe, es ist mir egal, mit wem du schläfst. Wir werden die beste romantische Komödie machen, die es gibt, und wir sehen uns am Set'", so Heche.

Ford selbst hat über seinen Einsatz nie gesprochen.

"Harrison Ford ist einer meiner Helden. Er hat für mich gekämpft." Und weiter: "Ich würde jeden Tag mit ihm auf eine einsame Insel gehen." Eine Anspielung auf den Erfolgsfilm, in dem sie mit dem grantigen Piloten Ford auf einer Insel in der Südsee strandet. "Er ist ein außergewöhnlicher Mensch."

Und dann sagte sie erneut: "Harrison Ford ist wirklich mein Held. Ich muss ihm diese Ehre erweisen, denn die Wahrheit ist, dass ich mein ganzes öffentliches Leben ihm verdanke."

Verbannt aus Hollywood

Aber trotz seines Einsatzes wurde sie von Hollywood gebannt. "Ich war dreieinhalb Jahre in einer Beziehung mit Ellen DeGeneres und das mit dieser Beziehung verbundene Stigma war so schlimm, dass ich von meinem millionenschweren Filmdeal gefeuert wurde." Aufgrund dieser Liebe durfte sie "10 Jahre lang nicht in einem Studio arbeiten". Doch wie der "Guardian" treffend schrieb: Anne Heche war zu "stylish und smart" für die Mainstreamproduktionen von Hollywood. "Volcano" und "Six Days Seven Nights" sind die konventionellsten und bravsten Produktionen, in denen sie mitgespielt hatte. Ansehnlich, aber ihre eigentliche darstellerische Stärke lag woanders.

Für "Six Days, Seven Nights" bekam Heche im Vergleich zum Superstar Ford übrigens nur ein Taschengeld. "Ich glaube, für 'Six Days, Seven Nights' habe ich 125.000 Dollar in vier Drehmonaten verdient. Und Harrison hat – und ich weiß das, weil ich mich über ihn lustig gemacht habe – er hat 20 Millionen Dollar bekommen."

Abrupte Trennung

Anne Heche und Ellen waren von 1997 bis 2000 ein Paar. Sie trafen sich auf der Oscar-Party von "Vanity Fair". Heche sagte später, der Abend habe in einem Moment ihr Leben auf den Kopf gestellt: "Ich sah Ellen auf der anderen Seite eines überfüllten Raums und wusste überhaupt nichts über sie, außer dass ich mich einfach zu ihr hingezogen fühlte." Auch spätere Beziehungen von Heche begannen spontan und endeten ebenso abrupt. Ellen DeGeneres sagte der "Los Angeles Times" später ratlos, dass die Trennung sie überrascht hatte: "Anne ging zur Tür hinaus und ich habe seitdem nicht mehr mit ihr gesprochen, ich habe keine Antworten."


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