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Ehemalige First Lady Michelle Obama glättete ihre Haare: Amerikaner waren nicht bereit für mein natürliches Haar

Michelle Obama, ehemalige First Lay der USA, trägt ihr Haar in Zöpfen
Michelle Obama, ehemalige First Lay der USA, trägt ihr Haar in Zöpfen. Das war früher anders. 
© KENA BETANCUR / AFP
Die ehemalige First Lady der USA, Michelle Obama, berichtet, dass sie während ihrer Zeit im Weißen Haus ihre Haare glättete. Der Grund: Die US-Bürger müssten sich erst an einen schwarzen Präsidenten gewöhnen – sie seien noch nicht bereit für ihr natürliches Haar gewesen.

Als sie noch First Lady der Vereinigten Staaten war, da kannte man Michelle Obama nur mit glatten Haaren. Doch das war nicht ihr natürliches Aussehen, waren nicht ihre natürlichen Haare. So sagte sie es am Dienstag bei einem Gespräch mit Talk-Masterin Ellen DeGeneres im Warner Theater in Washington, wo sie ihr neues Buch "Das Licht in uns" bewarb.

Obama überlegte demnach, ihre Haare zu Zöpfen zu tragen, während sie im Weißen Haus lebte. Aber das amerikanische Volk "gewöhnte sich gerade daran", einen schwarzen Präsidenten im Oval Office und eine schwarze Familie im Weißen Haus zu haben, weshalb sie beschloss, ihre Haare glatt zu lassen.

Es wäre einfacher gewesen, ihre Haare in Zöpfen zu halten, sagte die ehemalige First Lady, aber "nein, sie sind nicht bereit dafür", fügte sie hinzu.

Michelle Obama: Frisur ein Problem am Arbeitsplatz

Also verzichtete sie darauf, ihre Haare so zu frisieren, wie sie es gerne gehabt hätte, damit sich die Regierung ihres Mannes darauf konzentrieren konnte, ihre Ziele zu erreichen, anstatt Debatten über ihre Frisur zu führen. "Lassen Sie mich meine Haare glatt halten", sagte sie über ihre damalige Denkweise. "Lasst uns die Gesundheitsreform durchbringen."

Frisuren seien eine Hürde für schwarze Frauen oder People of Color (POC) am Arbeitsplatz, so Obama. Schwarze Frauen fänden es oft einfacher, gesünder und sicherer, Zöpfe, Dreadlocks oder Afros zu tragen. Gleichzeitig spürten sie aber den Druck der weißen Schönheitsstandards und Arbeitsplatznormen, ihr Haar zu glätten, um ein professionelleres, "saubereres" Aussehen zu erzielen. "Wir beschäftigen uns damit, die ganze Sache mit 'Erscheinen Sie mit Ihrem natürlichen Haar?'", sagte Obama.

So haben viele Michelle Obama in Erinnerung: mit glatten Haaren. Hier ein Foto aus dem Jahr 2019. 
So haben viele Michelle Obama in Erinnerung: mit glatten Haaren. Hier ein Foto aus dem Jahr 2019. 
© Paul R. Giunta/AP / DPA

Jetzt – sechs Jahre nach dem Auszug aus dem Weißen Haus – trägt Michelle Obama ihr Haar so, wie sie es möchte. Sie trägt jetzt Zöpfe. Mitten in ihrem Gespräch mit DeGeneres zeigte sie ihre Frisur und rief "Zöpfe, ihr alle!". Die Zuschauerinnen und Zuschauer antworteten ihr mit Applaus.

Gesetze zum Schutz vor Haar-Diskriminierung verabschiedet

Anfang des Jahres verabschiedete das Repräsentantenhaus den sogenannten Crown Act, ein Gesetzentwurf, dass Diskriminierung aufgrund der Frisur einer Person verbietet. Es schließt auch diejenigen ein, "bei denen das Haar eng gewunden oder eng gelockt ist", oder die "Locs, Cornrows, Drehungen, Zöpfe, Bantu-Knoten und Afros" tragen.

Der Gesetzentwurf geriet allerdings im Senat, der zweiten Parlamentskammer in den USA, ins Stocken. Dennoch haben mehrere Bundesstaaten eigene Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund ihrer Haare verabschiedet, zuletzt Alaska. 2019 verabschiedete bereits Kalifornien einen Crown Act. Crown steht dabei für "Creating a Respectful and Open World for Natural Hair" – auf Deutsch "Schaffung einer respektvollen und offenen Welt für natürliches Haar".

Trotz wachsender Akzeptanz für natürlich getragenes Haar, gab es immer Beispiele von Diskriminierung wegen der Frisur, wie die "Washington Post" berichtet. Im Jahr 2018 habe ein Schiedsrichter einen schwarzen Highschool-Wrestler gezwungen, seine Dreadlocks zu schneiden, bevor er ihn antreten ließ. Im Jahr darauf berichtete eine Fernsehreporterin, ihr Nachrichtendirektor habe ihr gesagt, dass ihr natürliches Haar "unprofessionell" sei und sie unter Druck gesetzt habe, es in "was am besten aussieht" zu ändern.

Quellen: "Washington Post", "The Guardian"

rw

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