Interview "Akte X"-Star Duchovny "Dieser Film macht Angst"


Comeback für Agent Mulder: David Duchovny kehrt als Alien-Jäger zurück auf die Leinwand. Im stern.de-Interview spricht der "Akte X"-Star über Außerirdische in Malibu und den Versuch, die einstige Kult-Serie zum Leinwand-Franchise auszubauen.

Eine ganze Generation war geschockt, als die "X-Files", in Deutschland besser bekannt als "Akte X", nach 200 Sendungen 2002 eingestellt wurde. Kein Agent Mulder mehr, kein Agent Scully. Keine Jagd nach Außerirdischen. E.T. konnte plötzlich wieder unbeobachtet durch die Gesetzesmaschen schlüpfen. Nun feiern die "X-Files" ihr Comeback, und zwar nicht im TV, sondern im Kino. Es ist bereits der zweite Versuch: Floppte die erste Kinoversion noch an der Kinokasse, so hofft Regisseur Chris Carter, dass die neue Filmversion ein echter Hit wird. Mit dabei: David Duchovny als Mulder.

Herr Duchovny, warum gerade jetzt ein Comeback als Agent Mulder?

Ich brauchte das Geld (lacht). Nein, es war immer mein Begehren, noch einmal in diese Rolle zu schlüpfen. Es war für mich eine natürliche Entwicklung, den Typen auf der Kinoleinwand weiterzuentwickeln. Wäre es nach mir gegangen, dann hätten wir schon viel früher mit diesem Film anfangen können.

Was können Sie uns denn über den neuen "X-Files"-Film verraten?

Nicht viel, das ist ja gerade die Tragik. Ich gebe Interviews zu einem Projekt, über das ich nicht wirklich sprechen darf.

Gehört diese Taktik zum Marketing dazu, um das Mysterium um diesen Streifen ein bisschen aufzupeppen?

Das müssen Sie mit Regisseur Chris Carter besprechen. Ich kann im Moment nur verraten, dass der Film zu den Ursprüngen der Serie zurückkehrt. Der Film macht Angst und ist sehr furchterregend.

Wie war es für Sie, noch einmal in die Haut von Fox Mulder zu schlüpfen?

Es war schon ein bisschen anders. Ich hatte Angst, dass ich viel älter aussehe als früher. Und deshalb wollte ich auch, dass Mulder ein bisschen erwachsener, ein bisschen reifer wirkt. Dieser Typ hat jede Schlacht, die er jemals gekämpft hat, verloren. Das hinterlässt Spuren. Und diese Spuren wollte ich sichtbar machen.

Was mögen Sie an Mulder besonders gern?

Er ist ein Typ, der nicht aufgibt. Seine Heldentat für mich ist, dass er fest daran glaubt, irgendwann einmal die wirkliche Wahrheit zu entdecken.

Nun einmal raus mit der Sprache, glauben Sie eigentlich an Außerirdische?

Ich wohne in Malibu, das ist voll von Außerirdischen (lacht). Nun, im Ernst: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die einzigen Lebewesen in diesem Universum sind. Das ist schon ein bisschen anmaßend, finden Sie nicht?

Warum glauben Sie, sind die "X-Files" so beliebt gewesen?

Ich glaube, das hängt mit der Suche nach dem heiligen Gral zusammen. Mit der Jagd nach der ewigen Frage, ob wir nun wirklich allein sind, oder ob da draußen noch irgendwer ist. Wir beschäftigen uns mit der Frage nach dem ewigen Leben. Das findet jeder spannend.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich denke nicht viel über mein Leben nach dem Tod nach. Ich habe so meine Vorstellungen, wie es aussehen könnte. Aber das behalte ich lieber für mich.

Wie war es denn, nach so vielen Jahren wieder mit Gillian Anderson vor der Kamera zu stehen?

Ich habe kein Wort verstanden von dem, was sie gesagt hat. Sie lebt ja jetzt in England und hat auch einen britischen Akzent. Nein, ich mache nur Witze. Gillian ist prima. Es war einer der Glanzpunkte für mich, mal wieder mit ihr zusammenzuarbeiten. Wir haben das, was man "instant chemistry" nennt. Wir ticken einfach ganz ähnlich.

Wir haben schon einige Bilder vom Set gesehen. Sie haben in Kanada im Schnee gedreht. Wie war das?

Kalt (lacht). Es war ein sehr anstrengender Dreh. Vieles wurde in der Nacht aufgenommen, vieles draußen im Schnee. Ich habe schon einfachere Jobs gehabt. Dieser zählt nicht dazu.

Hoffen Sie, dass der Film zum Serienschlager wird?

Absolut. Ich habe nichts dagegen, noch ein paar Mal Agent Mulder zu spielen. Aber das hängt davon ab, wie der Streifen von den Fans angenommen wird.

Wir sehen Sie selten im Kino dieser Tage. Sind Sie wählerischer geworden in der Auswahl Ihrer Projekte?

Ja, da ist sicher was dran. Ich bin sehr wählerisch. Und ich führe ja auch ein sehr erfülltes Leben außerhalb der Filmwelt.

Spüren Sie heute noch denselben Drive, den Sie am Anfang Ihrer Karriere verspürt haben?

Sicher, absolut - als Autor, Regisseur und als Schauspieler. Meine Motivation rührt aus dem Beckett-Zitat, das da geht: "Scheitere noch einmal, aber scheitere besser." Da ist was dran. Wir alle scheitern in der Schauspielerei, die Performance ist niemals ganz perfekt, aber wir stehen wieder auf und versuchen beim nächsten Mal weniger mies zu scheitern. Das ist bei mir nicht anders.

Was hält Sie als Schauspieler heute noch bei der Stange?

Eine gesunde Mischung aus Ego, Unsicherheit und Desillusion. Auf der anderen Seite ist es der Wunsch, dem Publikum nah zu sein und mich selbst auszudrücken. Ich bin ein Mensch, der wahrscheinlich nichts anderes wirklich gut kann. Deshalb zieht es mich ständig zur Schauspielerei zurück.

Interview: Frank Siering

Voraussichtlicher Kinostart in Deutschland für den zweiten Akte-X-Film ist der 24. Juli 2008.


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