Deutschland sucht den Superstar Wollen Sie etwa kein Ekel mehr sein, Herr Bohlen?

Dieter Bohlen
Dieter Bohlen war ganz oben und wurde geschasst von seinem Sender RTL – nun erfolgt das Comeback in der Jury von "Deutschland sucht den Superstar"
© Stephan Pick/stern
Dieter Bohlen will mit seinem Comeback bei "DSDS" zeigen, dass man ihn noch braucht. Im stern-Interview spricht er über den Vorwurf, dass er Menschen für die Quote im Fernsehen bloßstelle. Und warum er sich in der Verantwortung sieht, Klartext zu reden.

Dichter Regen während der Fahrt durch das Hamburger Umland, aber dann, kurz vor Tötensen, reißt mit einem Mal der Himmel auf. Wer wollte das nicht als Zeichen deuten! Dem Mann ist das Leben gewogen, dem scheint stets die Sonne. Oder? Gab zuletzt ja durchaus auch dunklere Monate, darüber wird gleich zu reden sein.

Die Frage, ob dieses Land noch ein Interview mit Dieter Bohlen braucht, ist berechtigt. Berechtigte Antwort: Unbedingt braucht es das. Er hat einem Magazin lange keines mehr gegeben, seit Jahren nicht. Und wenn Bohlen redet, dann hören die Deutschen zu, jedenfalls war das früher so. Auch wenn es viele nicht zugeben würden, es schickte sich doch nie, Bohlen gut zu finden.

Vielleicht hat sich alles geändert, vielleicht ist der Mann heute ein Auslaufmodell, kann ja sein. Bohlen war ganz oben und wurde geschasst von seinem Sender RTL, dem der stern mittlerweile, das gehört transparent gemacht, auch gehört. Nun wurde er aber wieder zurückgeholt, und man will bitte wissen, ob das ein Verzweiflungscomeback sein soll oder seine süße Rache – und was er eigentlich immer mit Russland hat.

Bohlen begrüßt im Flur seiner Villa. Grinst sein Betongrinsen. Man ist pünktlich, wenigstens das. Der Hausherr hasst Verspätung. Zum Gespräch musste er überredet werden, er wollte echt nicht. Kaffee? Wasser? Tee? Carina, mach du mal! Und Carina, seine kluge, nette Frau, macht mal und hängt die Jacken weg. Die Seifenopern von einst, die Verflossenen, die man in chronologischer Reihenfolge aufzählen konnte, alles vorbei. Bohlen sitzt heutzutage gern auf seinem Aufsitzrasenmäher, hat er mal gesagt, und in ein paar Tagen geht es in den Urlaub auf die Malediven.

Man möchte ihn mal ohne Schminke sehen, all die Falten und Verwerfungen im Gesicht, die ein Leben als selbst ernannter Poptitan mit sich gebracht haben muss. Keine Chance. Der Stylist, den er hat kommen lassen, ist seit Stunden zugange. Bohlen geht vor ins Studio, auf das weiße Ledersofa, umringt von den Goldenen Schallplatten. Setzt sich frontal hin, die Arme verschränkt, Grundskepsis im Jackett: Was wollen sie von ihm, die Journalisten?

Herr Bohlen, wie wütend sind Sie noch?
Auf wen soll ich denn wütend sein? 

Auf RTL. Wo man Sie erst ausrangiert und dann wieder eingestellt hat.
RTL hat mir sehr wehgetan. Aber als sie fragten, ob ich zurückkommen möchte, musste ich an die vielen Jahre vor dem Rauswurf denken. Wie viel Spaß ich hatte! Allein 15 Nummer-1-Hits bei "DSDS". Der Salto rückwärts war auch für die Chefs nicht einfach, die mussten ja über ihren Schatten springen.

Sie sind in der neuen Staffel zurück, weil die Quoten ohne Bohlen abgeschmiert waren. Haben Sie sich diebisch gefreut, dass es nicht lief?
Habe ich. Aber ich bin gleichzeitig kreuzloyal und seit 20 Jahren bei diesem Sender. Mir zeigt das nur, dass die Menschen vor dem Fernseher manchmal klarer sehen als die Leute hinter dem Schreibtisch. Jeder in Deutschland, den ich getroffen habe, jeder, ohne Ausnahme, hat mir gesagt: Warum hat RTL das gemacht?

DSDS-Jury
Erst DSDS-Gewinner, nun selbst in der Jury: Pietro Lombardi weiß, wie es geht. Privat ist er gerade zum zweiten Mal Papa geworden.
© action press

Das ist schnell erzählt. RTL wollte familienfreundlicher werden, moderner, deshalb hat man Sie durch den braven Florian Silbereisen ersetzt. Wie lief der Rauswurf ab?

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