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Jackson-Prozess: Zeuge Leno macht Witze

Im Missbrauchsprozess bekam Michael Jackson prominente Unterstützung von Jay Leno. Kurz danach zog der Talkmaster in seiner Show vom Leder - der Zeugenstand sei eine "Schweinerei" gewesen.

US-Talkmaster Jay Leno hat es sich nicht nehmen lassen, sich in seiner Fernsehshow über seine Zeugenaussage im Prozess gegen Popstar Michael Jackson lustig zu machen. "Okay, das Unangenehmste an der Aussage war, dass ich nach dem Affen dran war", sagte er bei der Aufzeichnung seiner Show in Anspielung auf den Schimpansen, den Jackson lange als Haustier hielt. "Der Zeugenstand war eine Schweinerei." Außerdem habe es einen "peinlichen Moment" gegeben, als er den des Kindesmissbrauchs angeklagten Jackson identifizieren sollte. "Als ich in den Zeugenstand trat, sollte ich auf den Angeklagten zeigen - und ich zeigte auf LaToya" - eine Schwester Jacksons. Auch die Gelegenheit für andere Jackson-Klischees ließ er nicht vorbeigehen: "Er (Jackson) will nach Afrika verschwinden. Afrika. Er hat eine bessere Chance, in Schweden unterzutauchen."

Jay Leno entlastet Jackson

Der Talkmaster Jay Leno war zuvor als Entlastungszeuge vor Gericht erschienen. Er habe vor fünf Jahren mehrere Anrufe von dem damals krebskranken Jungen erhalten, sagte der Fernsehstar. Leno war bei seiner Ankunft vor dem Gerichtsgebäude von zahlreichen Fans mit Jubelrufen begrüßt worden. Die Anrufe hätten ihn misstrauisch gemacht. Der damals zehnjährige Krebspatient habe sich wie ein Erwachsener angehört, der vorgefertigte Sätze abliest. Er habe die Anrufe des Jungen ein Mal erwidert, dann aber auf Anraten einer Bekannten den Kontakt abgebrochen, sagte der Gastgeber der "Tonight Show".

Leno bekräftigte aber, dass der Junge ihn nicht um Geld gebeten habe. "Keiner hat nach Geld gefragt, noch habe ich etwas gegeben", wurde der Moderator von der "Los Angeles Times" zitiert.

Mit Lenos Aussage wollte die Verteidigung ihren Vorwurf untermauern, dass der Junge und seine Mutter die Großzügigkeit von prominenten Leuten ausnutzen und sich bereichern wollten. Das angebliche Missbrauchopfer hatte bei seiner Aussage vor wenigen Wochen abgestritten, Leno jemals angerufen zu haben.

Jackson selbst wird nicht aussagen

Michael Jacksons Verteidiger wollen den amerikanischen Komödianten Chris Tucker als ihren letzten Zeugen aufrufen. Dies gab Jackson-Anwalt Thomas Mesereau nach Angaben des Senders MSNBC in Santa Maria (Kalifornien) bekannt. Mit der Befragung Tuckers, die am Dienstag begonnen hatte, könnte die Verteidigung bereits am Mittwoch ihre Zeugenbefragung in dem Missbrauchprozess abschließen.

Damit steht nun auch fest, dass Jackson nicht persönlich in den Zeugenstand treten wird. Zu Anfang des Prozesses hatte Mesereau die Vermutung nahe gelegt, der 46 Jahre alte Musiker werde womöglich selbst in den Zeugenstand treten. Angeklagte sind nicht verpflichtet, vor Gericht auszusagen. Juristen hatten auch nicht mit einer Aussage Jacksons gerechnet. Dann nämlich hätte er von den Anklägern ins Kreuzverhör genommen werden können.

Urteil im Juni?

Nach dem frühen Abschluss der Zeugenvernahme könnte bereits im Juni ein Urteil gefällt werden. Dabei drohen Jackson nach wie vor über 20 Jahre Haft. Der 46 Jahre alte Sänger ist wegen sexuellen Missbrauchs im Frühjahr 2003 angeklagt. Jackson wird auch vorgeworfen, die Familie des Jungen gegen deren Willen auf seiner Neverland-Ranch festgehalten zu haben. Zudem soll er sie unter Druck gesetzt haben, sich in einem Video positiv über ihn zu äußern.

DPA/ Reuters / DPA / Reuters