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Promiskandal "Tiefpunkte öffentlich ausgeschlachtet" - Jan Ullrichs Brief an Boris Becker liest sich wie eine Vorsehung

"Auch in schweren Stunden hast du dich nicht unterkriegen lassen." Mit diesen Worten gratulierte Jan Ullrich Boris Becker im vergangen Jahr zum 50. Geburtstag. Der Brief liest sich heute wie eine Vorsehung seines eigenen Schicksals.

Er nennt ihn "meinen Freund" und schwärmt von seinen Qualitäten als Kämpfer: Im vergangenen Jahr gratulierte Jan Ullrich Boris Becker zu dessen 50. Geburtstag mit einem offenen Brief in der "Sport-Bild". Die Worte, die der ehemalige Radprofi damals für die Tennis-Legende fand, lesen sich heute wie eine Vorsehung seines eigenen Schicksals.

"Was mir auch imponiert: Du bist ein echter Kämpfer! Auch in schweren Stunden hast du dich nicht unterkriegen lassen. Immer wieder hast du dich aus dem Schlamassel geholt", schrieb Ullrich in dem Brief, der am 22. November 2017 veröffentlicht wurde - exakt am 50. Geburtstag von Boris Becker. Seine Kampfqualitäten machten Becker zum "Vorbild für viele Menschen". "Ich wünsche dir, dass du das jetzt angesichts der aktuellen Schlagzeilen wieder schaffst", schreib Ullrich an Becker, der damals mit seiner Privatinsolvenz Schlagzeilen machte.

Jan Ullrich und Boris Becker
Jan Ullrich (l.) und Boris Becker treffen sich am 11. September 1997 in München zum ersten Mal.
© Ursula Düren/ / Picture Alliance

Jan Ullrich: "Jeder Mensch hat seine persönlichen Tiefpunkte"

Dann holt Ullrich zur Medienschelte aus: "Wir Sportler sind es ja gewohnt, durch Höhen und Tiefen zu gehen. Niederlagen werfen uns nicht um. Jeder Mensch hat seine persönlichen Tiefpunkte, nur bei uns prominenten Sportlern werden diese öffentlich breit ausgeschlachtet", beklagte sich der heute 44-Jährige.

Angesichts der aktuellen Schlagzeilen um Ullrich und seine Eskapaden auf Mallorca lesen sich die Worte wie eine Vorsehung seiner eigenen Situation. Der ehemalige Tour-de-France-Sieger soll in der Nachbarvilla von Til Schweiger randaliert haben und Gäste des Schauspielers und Filmemachers bedroht haben. Schweiger machte daraufhin den angeblichen Drogen- und Alkoholmissbrauch Ullrichs öffentlich.

"Lieber Boris, ich rechne dir ganz hoch an, dass du zu mir gestanden hast in meiner schweren Zeit, die mit dem Ausschluss von der Tour de France 2006 begann", schrieb Ullrich. "Du und auch Franz Beckenbauer, ihr habt euch öffentlich an meine Seite gestellt, was mir sehr viel bedeutet und auch enorm geholfen hat", bedankte sich der ehemalige Radprofi.

Ullrich an Boris Becker: "Du warst mir sofort sympathisch"

Becker und Ullrich lernten sich 1997, kurz nach Ullrichs Tour-de-France-Sieg, bei einem Sponsorentermin kennen. "Du warst mir auf Anhieb sympathisch, weil du Sportler durch und durch warst", erinnerte sich Ullrich. Daraus entwickelte sich eine lose Freundschaft. "Lieber Boris, ich wünsche dir für die Zukunft Gesundheit, Glück und den Kampfgeist, der dich immer ausgezeichnet hat", schrieb Ullrich damals. Wünsche, die er jetzt selbst gut gebrauchen kann.

mai

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