Japanische Ängste Britneys Babybauch darf U-Bahn fahren


Eine Weltmetropole muss sich weltoffen zeigen. Das scheinen auch die Betreiber der Tokioter U-Bahn gedacht zu haben. Nach einigen moralischen Bedenken darf die nackte und vor allem schwangere Britney Spears nun doch die Katakomben der japanischen Metro zieren.

Britney Spears darf nun doch nackt in Tokios U-Bahn-Stationen für die Zeitschrift "Harper's Bazaar“ werben. Das hat der Betreiber der U-Bahn am Montag beschlossen. "Die ursprüngliche Entscheidung war keine gute“, nahm ein Bahn-Vertreter das Zensurgebot zurück, auf das sich die Betreiber und der Herausgeber des Magazins am Mittwoch vergangener Woche verständigt hatten.

Das umstrittene Plakat zeigt die nackte US-Sängerin mit über den Brüsten verschränkten Armen und überkreuzten Beinen. Ursprünglich sollte der Schriftzug "Wir entschuldigen uns dafür, einen Teil des schönen Bildes einer künftigen Mutter zu verhüllen“ vom Ellbogen abwärts die Fahrgäste vor "zu stimulierenden“ Details bewahren.

Altmodische Japaner

"Das ist altmodisch, dass die Metro Leute so gedacht haben“, meinte der 19-Jährige Student Tomoki Ishikawa in der U-Bahnstation Omotesando in einem angesagten Teil von Tokio. Das Aktfoto des ehemaligen Teenie-Idols sei doch ein "starkes Bild einer arbeitenden Frau“. "Gut für das Problem der niedrigen Geburtenrate“, sagte Takuro Shimizu dazu. Der 78-Jährige reiste extra aus einem Vorort Tokios an, um Fotos von dem Britney-Poster zu machen. "Für mich ist das nicht so aufregend, ich bin alt.“ Japan plagen ähnliche Nachwuchssorgen wie Deutschland: Im vergangenen Jahr lag die Geburtenrate in Japan mit 1,25 Kindern auf zwei Personen niedriger als je zuvor.

Die 83-jährige Tsuyako Egashira dagegen betrachtete das Poster mit Sorge. "Die Welt wird immer absurder. Warum muss eine schwangere Frau ihren Bauch zeigen? Sie sollte sich um ihn kümmern.“ Im August war Britneys Babybauch bereits als Titelbild der US-Ausgabe von "Harper's Bazaar“ zu sehen. Im Oktober soll Spears die japanische Ausgabe schmücken. "Wir sind froh, dass unsere Position akzeptiert wurde“, kommentierte "Harper's Bazaar“ den Gesinnungswandel der U-Bahn-Vertreter.

Reuters Reuters

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