Japanische Thronfolge Kikos Bauch ist Japans Hoffnung


Seit 40 Jahren wurde in der ältesten Monarchie der Welt kein Junge mehr geboren und doch fordert das Gesetz einen männlichen Thronfolger. Nun blickt ganz Japan auf Prinzessin Kiko, die Anfang September ihr drittes Kind zur Welt bringt.

Die Spannung in Japan wächst. In stiller Erwartung fiebert das Land der Geburt von Prinzessin Kikos drittem Kind entgegen. Am 6. September wird es voraussichtlich soweit sein. Sollte es ein Junge werden, wäre die Thronfolgekrise im Kaiserhaus beendet. Das Kind wäre die Nummer drei in der Erblinie hinter seinem Vater Prinz Akishino. Erster Anwärter auf den Thron ist Kronprinz Naruhito. Mancher hofft, dass dann auch der seit Jahren auf Kronprinzessin Masako lastende Druck weichen wird, selbst einen Thronfolger zu gebären. Doch neben Sympathie sieht sich die einst vitale und selbstbewusste Karriere-Diplomatin inzwischen auch Kritik ausgesetzt.

Zu viel Urlaub?

Während ihre Schwägerin, Prinzessin Kiko, im nahe der Deutschen Botschaft gelegenen Krankenhaus Aiiku in Tokio auf ihre Niederkunft wartet, macht Kronprinzessin Masako in den fernen Niederlanden Urlaub. Der Urlaub solle helfen, sich von ihrer stressbedingten Erkrankung zu erholen, hieß es. Niederländische Medien sprechen gar von einer Flucht. Doch Medien in ihrer japanischen Heimat lassen nicht locker. Unverblümt wird die Kronprinzessin zu Hause dafür kritisiert, zu viel Urlaub zu machen, statt ihren offiziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Der Frauenzeitschrift "Shukan Josei" zufolge soll auch mancher im Umfeld des Kaiserpaares gegen die Reise in die Niederlande gewesen sein. Demnach ist es das erste Mal, dass eine kaiserliche Familie zur privaten Erholung ins Ausland reiste. Dies sei der starke Wunsch von Kronprinz Naruhito gewesen, heißt es. Schließlich ließ der Hof die beiden mit ihrer vierjährigen Tochter Aiko ziehen. Doch damit die Reise als ein Teil ihrer Behandlung verstanden werde, befinde sich unter den lediglich elf Begleitern der Kronprinzenfamilie Masakos Chefarzt, wie die Zeitschrift "Shukan Josei" festhielt.

Karrierefrau gegen Traditionalistin

"Die japanischen Bürger werden nicht von der Notwendigkeit überzeugt sein, eine Ausnahme zu machen und zur Erholung ins Ausland zu reisen, wenn Kronprinzessin Masako nicht nach der Reise zu ihren öffentlichen Pflichten zurückkehrt", stichelte ein Schulfreund von Kaiser Akihito in der Zeitschrift "Shukan Asahi". Die Kronprinzessin wird in der Öffentlichkeit gern mit ihrer Schwägerin Prinzessin Kiko verglichen. Masako, so heißt es in der Zeitschrift "Aera", sei eine Karrierfrau, die sich auch nach ihrer Heirat an die Gesellschaft draußen klammere, während Prinzessin Kiko der Tradition entspreche und als eine gute Mutter und Ehefrau der Familie die Priorität gebe.

Nachdem bekannt wurde, dass Prinzessin Kiko schwanger ist, sei Kronprinzessin Masako auffallend häufig privat ausgegangen, schreibt "Shukan Josei", sei es in den Zoo, ins Disneyland oder zur Aufnahmezeremonie im Kindergarten ihrer Tochter Aiko. Es gebe jedoch Vermutungen, dass Masako dies auch aus Rücksichtnahme für ihre Schwägerin getan habe, um die Aufmerksamkeit der Medien von ihr abzulenken. Im näheren Umfeld soll man sich sogar Sorgen machen, ob sie sich dabei nicht überanstrengt hat. Seit Juni habe man die Kronprinzessin wieder kaum mehr gesehen, und man höre auch, dass es ihr gar nicht so gut gehe, schreibt die Frauenzeitschrift weiter.

Nur Männer auf den Kaiserthron

Andere jedoch wollen Masako nicht aus der Pflicht entlassen. Selbst wenn Prinzessin Kiko (39) einen Jungen zur Welt bringen sollte, werde von Kronprinzessin Masako (42) weiter erwartet, dass sie ebenfalls noch einen Jungen bekommt, um die übliche Thronfolge zu gewährleisten, zitieren Medien einen Kritiker. Seit 40 Jahren wurde in die Familie der ältesten Monarchie der Welt kein Junge mehr geboren. Kronprinz Naruhito hat mit seiner Frau Masako nur Töchterchen Aiko. Nach den geltenden Gesetzen haben aber nur männliche Mitglieder der Kaiserfamilie Anspruch auf den Thron.

Die japanische Regierung hatte bereits erste Schritte für eine Änderung des Thronfolgegesetzes aus dem Jahre 1947 unternommen. Die Pläne wurden jedoch vorerst gestoppt, als im Februar Kikos Schwangerschaft bekannt wurde. Nun gibt es aber Stimmen, die behaupten, dass angeblich Kronprinzessin Masako selbst sich gerne noch ein zweites Kind wünscht, bevor sie 45 wird. Es bleibt spannend.

Lars Nicolaysen/DPA DPA

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