Japanisches Kronprinzenpaar Zuflucht in den Niederlanden


Offiziell ist es für das japanische Kronprinzenpaar ein ganz normaler Urlaub. Naruhito und Masako sind seit Donnerstagabend in den Niederlanden zu Gast. Doch hinter dem Besuch steckt ein wahres kaiserliches Drama.
Von Albert Eikenaar

Ihr Besuch ist als private Familienvisite getarnt: Die japanische Prinzessin Masako Owada, 43, Ehefrau des japanischen Kronprinzen Naruhito, 45, ist am Donnerstagabend zusammen mit Mann und Tochter Aiko in den Niederlanden eingetroffen. Dort wohnt ihr Vater Hisashi Owada, den sie angeblich besucht. Er ist Richter beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Doch hinter ihrem Aufenthalt steckt mehr als ein Familienurlaub.

Masako ist krank, leidet stark unter Depressionen und soll sich als Gast der niederländischen Königin Beatrix von den Spannungen zu Hause erholen. Beatrix, die herzliche Beziehungen zum japanischen Hof pflegt, hat die japanische Prinzessin zu sich eingeladen. "Sie sucht medizinische Heilung", so gab man offiziell bekannt. Vierzehn Tage verbringt Masako mit ihrer kleinen Familie in einem Schlösschen in der Nähe von Apeldoorn, das Beatrix nur den intimsten Freunden zur Verfügung stellt. Noch nie hat sich ein Mitglied des japanischen Kaiserhauses außer Landes begeben, um sich in der Fremde kurieren zu lassen. Deswegen nennen Beobachter der japanischen Monarchie die Reise "besonders außerordentlich".

Prinzessin unter Druck

Die zur Wirtschaftlerin und Diplomatin an der Harvard University hoch gebildete Masako hat sich nie den konservativen Sitten des kaiserlichen Hofes beugen können. Sie gilt als moderne, emanzipierte Karrierefrau. Das archaische Protokoll belastet die zerbrechliche Masako sehr - vor allem, weil sie ihren Beruf nicht mehr ausüben darf und, so sagen anonyme Insider, unter dem Druck steht, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Mädchen haben laut Grundgesetz keinen Anspruch auf die Thronfolge. Das Paar ist inzwischen weit über vierzig, eine erneute Schwangerschaft immer unwahrscheinlicher. Weil sie keinen zukünftigen Kronprinzen in die Welt setzen wird, hat Masako im Haus des Kaisers Akihito versagt. Das schmerzt.

Und das ist der Grund, warum das Prinzenpaar fernab von den Problemen zu Hause Erholung sucht. In den einsamen Wäldern von Königin Beatrix können sie ungestört zwischen Wildschweinen und Edelhirschen ausspannen. Weit weg vom Stress am Hof, den strengen Gepflogenheiten, auf der Suche nach sich selbst. Zur psychologischen Betreuung stehen ihr Sachverständige zur Verfügung. In erster Instanz suche sie Ruhe, heißt es.

Flucht vor der Wirklichkeit?

Medien spekulieren inzwischen über "eine Flucht" der kaiserlichen Hoheiten. Sie hätten sich nach Holland zurückgezogen, während Bruder und Schwager Akishino und seine Gemahlin, Prinzessin Kiko, bald Nachwuchs, ein drittes Kind - nach zwei Mädchen - bekommen. Kiko liegt jetzt in einer privaten Entbindungsklinik in Tokyo. In Japan machen Gerüchte die Runde, dass sie einen Sohn zur Welt bringen werde. Damit würde die kaiserliche Dynastie über einen Umweg innerhalb der Familie doch den ersehnten männlichen Nachfolger begrüßen können.

Für Naruhito und seine geliebte Masako wäre die Geburt eines Prinzchens dagegen ein peinliches Ergebnis. Ganz Japan würde den neuen, kleinen kaiserlichen Erben feiern. So ein Fest nicht selbst miterleben zu müssen sei mit der Anlass gewesen, Beatrix’ Einladung anzunehmen. Ein Urlaub weit entfernt von der Macht des kaiserlichen Hofamtes, das alles minutiös bestimmt, lenkt und Regie führt. In der Ferne können Masako und Naruhito ihre penible Situation überdenken. Mancher Beobachter tippt sogar auf eine Scheidung. Damit stünde Naruhito nichts mehr im Wege, in einer Vernunftsehe mit einer jüngeren Frau einen „eigenen” Prinzen zu zeugen. Das sei das beste, um die Nachfolgeproblematik zu lösen.

Eine Trennung liegt, meinen andere, nicht auf der Hand. Der jetzige Thronprätendent hat seiner Gattin vor der Hochzeit feierlich versprochen: "Ich werde dich mein Leben lang mit allen Kräften schützen." Japan wartet mit Spannung die weiteren Ereignisse ab.


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