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Jenny Elvers-Elbertzhagen: "Ich wollte mich zu Tode trinken"

Vormittags Sekt, nachmittags Wein, abends Wodka - so sah jahrelang die Tagesdosis von Jenny Elvers-Elbertzhagen aus. In einem Interview spricht die 40-Jährige jetzt erstmals über ihre Alkoholsucht.

Von Julia Kepenek

Ihr Absturz dauert fünf Minuten. Fünf Minuten, in denen sich Jenny Elvers-Elbertzhagen vor der ganzen Republik entblößt. Sie lallt, kichert, wankt. Der Auftritt der 40-Jährigen in der NDR-Sendung "Das!" im vergangenen September sorgt bundesweit für Entsetzen und offenbart, was die Schauspielerin selbst lange nicht wahrhaben wollte: Sie ist Alkoholikerin. Kein Partygirl, das hier und da am Schampus nippt, den Gin auch mal ohne Tonic trinkt. Nein, eine schwere Alkoholikerin. Auf dem besten Wege, sich wortwörtlich totzusaufen, wie Elvers-Elbertzhagen jetzt in einem Interview mit der Zeitschrift "Gala" verriet.

Ersmals spricht die 40-Jährige offen über ihre Sucht und die Zeit in der Entzugsklinik. Zwei Tage nach ihrem erschreckenden Fernsehauftritt, zog Elvers-Elbertzhagen die Reißleine und begab sich in die "My Way Betty Ford Klinik" in Bad Brückenau. Sechs Wochen ließ sie sich dort behandeln, bis heute kämpft sie gegen einen Rückfall. "Ich träume mit einem schlechten Gewissen davon, dass ich etwas getrunken habe", sagt Elvers-Elbertzhagen.

Jahrelang gelang es ihr, die Sucht vor ihrem Ehemann und Manager Goetz Elbertzhagen zu verbergen. Sie trank heimlich und hortete die Alkoholflaschen "im Schlafzimmer, Ankleidezimmer, Kellerschrank". Es sei ein Hilferuf gewesen, so die 40-Jährige. "Ich wollte entdeckt werden." Als Goetz Elbertzhagen schließlich reagiert, ist es schon fast zu spät. Bei ihrer Einlieferung in die Entzugsklinik geben ihr die Ärzte noch sechs bis acht Wochen zu leben.

Alkohol, Tabletten, Depressionen

Kein Wunder, bei der Tagesdosis, die Elvers-Elbertzhagen konsumierte: "Vormittags eine Flasche Sekt, nachmittags eine Flasche Wein und abends eine Flasche Wodka. Oder eine Flasche Whisky oder eine Flasche Gin." Hinzu kamen Tabletten gegen ihre Schlaflosigkeit und Depressionen. Eine gefährliche Kombination, die sie in die Abhängigkeit stürzte. "Ich nehme jeden Tag Schlaftabletten. Auch jetzt noch. Ich konnte immer weniger schlafen. Und es wurden immer mehr Tabletten. Und immer andere Sorten. Mal habe ich mit dem einen Präparat experimentiert, mal mit einem anderen. Wenn das nicht mehr gewirkt hat, dann hat es eben in der Kombination mit Alkohol gewirkt. Dieses Traurigsein und dieses Weinen, das kann man alles so schön mit Tablettchen und Tropfen unterdrücken", sagt Elvers-Elbertzhagen.

Jetzt versucht sie, mit aller Kraft trocken zu werden. Auch aus Liebe zu ihrem Sohn Paul. Der Elfjährige habe besonders unter der Sucht seiner Mutter gelitten, so die 40-Jährige. Auch wenn sie nie vor seinen Augen Alkohol konsumierte, so habe er doch gemerkt, dass mit seiner Mutter etwas nicht simmt. "Er hat mich nie betrunken gesehen, außer im Fernsehen", sagt Elvers-Elbertzhagen. Vielleicht brauchte es den peinlichen TV-Auftritt, die öffentliche Demütigung, damit Jenny Elvers-Elbertzhagen erkennen konnte: Es muss sich etwas ändern. So kann es nicht weitergehen. Den Anfang hat sie mit dem Entzug gemacht. Ihr Weg zurück in einen normalen Alltag, ohne Alkohol und Tabletten, wird jedoch länger dauern als ihr Absturz.