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Jenny ist "Germany's Next Topmodel": Nachwuchs im Hause Klum

Jetzt ist er wieder vorbei, der strategische Werbefeldzug der Heidi Klum. Am Ende gewann die mit den längsten Beinen: die 17-jährige Jennifer Hof. Die eigentliche Gewinnerin von "Germany's Next Topmodel" ist jedoch eine andere.

Von Katharina Miklis

15 Wochen lang durfte Model-Ausbilderin Klum, die mittlerweile von der sympathischen Frohnatur aus Bergisch-Gladbach zur nervigen Litfaßsäule verkommen ist, Werbung für sich machen und ihren Marktwert steigern. "Germany's Next Topmodel" war - wie auch die große Finalshow am Donnerstagabend - eine einzige Dauerwerbesendung für das Imperium Klum. Lediglich der ungewollt komische Werbespot der Kosmetiklinie "Maybelline" ließ in einer Werbeunterbrechung hoffen: "Garantiert klumpfrei" wurde dort für die neue Wimperntusche geworben. Klum-frei - hört sich gut an.

Am Ende flossen Tränen. Mal wieder. Die 17-jährige Jennifer Hof ist "Germany's Next Topmodel". Jenny setzte sich im Schlussdurchgang nicht nur gegen "Rehauge" Christina, 21, durch, die in Internetforen lange Zeit als heimliche Siegerin gehandelt wurde, sondern auch gegen die zweitplatzierte 24-jährige Janina aus Hamburg. Doch eigentlich müsste es heißen: "Germany's Next Flopmodel". Denn bisher sind die Gewinnerinnen der Model-Castingshow nicht gerade im "Top"-Bereich angekommen. Das ist offensichtlich das Prinzip hinter "Germany's Next Topmodel": Es kann nur eine geben. Eine Gewinnerin. Und das ist nicht Christina, nicht Janina. Aber auch nicht Jennifer.

Es ist Heidi. Heidi Klum. Getarnt als gönnerhafte Förderin und Patronin des ungelernten Modelnachwuchses schlich sie sich in den letzten Wochen mit der dritten Staffel von "Germany's Next Topmodel" in unsere Wohnzimmer. Der Vorwand: die Suche nach Deutschlands neuem Topmodel. Das Mittel: vorgeführte Fleischbeschau. Das Ziel: der Ausbau des Klum-Imperiums.

Vom Schweinedarm in die C&A-Klamotte

Beim Finale kam es zum großen Wiedersehen mit den "Mädchen", die in den letzten Folgen nach und nach aussortiert wurden: Heulsuse Gisele, Proll-Braut Gina-Lisa - wieder mit Extensions in den Haaren - und wie sie alle heißen. Sie sind schnell vergessen. Und das, obwohl sie viel dafür getan haben, weit zu kommen. Sie haben sich mit stinkenden Fischresten und Schweinedärmen eingekleidet. Haben sich mit Affen zu ebensolchen gemacht. Und wofür das alles? Für die große Model-Karriere? Die großen Jobs und Laufstege dieser Welt? Von wegen. Klar, Gewinnerin Jennifer wird jetzt das Gesicht von C&A. Aber ganz ehrlich: Das ist nicht Chanel, nicht Chloé und auch nicht Christian Dior. Es ist C&A! Weniger Glamour geht nicht.

Heidi findet das gut so, scheint es. Auch die Gewinnerinnen der ersten beiden Staffeln haben es bisher international nicht weit gebracht. Keine echte Konkurrenz für Heidi. Lena Gerke und Barbara Meier - Namen, die auf ewig mit der Castingshow verbunden werden. Von wegen Gucci oder Prada. Hier und da sieht man sie mal auf dem roten Teppich einer Filmpremiere, bei Uri Geller in der Show oder in der ProSieben-Starforce. Es scheint, als wäre es nicht wirklich Heidis Anliegen, ein Model zu finden, das ihr ebenbürtig ist. Sie lässt sich nicht gerne die Show stehlen. Böse Zungen behaupten, dass deswegen auch Jurymitglied Bruce Darnell - trotz seines großen Erfolges - nach der zweiten Staffel das Feld räumen musste. Er war hinter Heidis Rücken "aus Versehen" zum heimlichen Star der Castingshow avanciert. Seit dieser Staffel ist er nicht mehr dabei.

Heidi hat die Hebel in der Hand. Und das, obwohl sie in der Show selbst so gut wie gar nicht mehr zu sehen ist. Die letzten Folgen kamen nahezu ohne sie aus. Nur bei den Entscheidungsshows trat die "Model-Domina" vor die Kamera. "Du hast dich nicht weiterentwickelt", "Ich habe leider kein Foto für dich", sagte sie dann mit der Emotionslosigkeit eines Schweinedarms. Nein, ein Moderationstalent ist sie wirklich nicht. Aber sie weiß, was sie tut. Ein Profi in Sachen Selbst-PR.

Die eigentliche Gewinnerin heißt Klum

So galt die komplette dritte "Topmodel"-Staffel einer Werbeshow nach klumschem Geschmack. Ob Fast Food, Autos oder Haarspray - alles, wofür Heidi wirbt, bekam auch in der Show wochenlang genügend Aufmerksamkeit. Teilweise wurden die Werbepartner, wie im Fall "McDonalds", direkt an die Modelzöglinge weitergereicht. Für die Auftraggeber ist "Germany's Next Topmodel" ein gefundenes Fressen. Die Castingshow ist die erfolgreichste aller drei Staffeln. Im Schnitt verfolgten 22,8 Prozent der Traum-Zielgruppe (die 14- bis 49-Jährigen) die Sendung. In der Zielgruppe 14 bis 29 lag der durchschnittliche Marktanteil sogar bei 36,4 Prozent.

Auch in der Finalshow boten sechs lange Werbepausen genügend Platz, um Heidis Werbepartner unterzubringen. Und nicht nur die. Wenn die Heidi schon mal zur besten Sendezeit eine Show moderiert, dann darf auch Ehemann Seal darin vorkommen. Zwei Mal durfte er singen. So schief, dass einem die Ohren bluteten. Aber Heidi ist Geschäftsfrau genug, um zu wissen, dass der unglaubliche Erfolg ihrer Show auch ein bisschen auf ihren "Schatzi" abfärbt. Ihr Geschäftssinn hat sie immerhin inzwischen zum zweiterfolgreichsten Model der Welt gemacht - nach Gisele Bündchen. Laut US-Magazin "Forbes" hat Heidi im vergangenen Jahr 14 Millionen Dollar eingenommen. Und das vor allem durch Werbe-Auftritte und eben auch "Germany's Next Topmodel".

Für Gewinnerin Jennifer, die nach der Verkündung des Ergebnisses unter Konfettiregen ihrer Mutter in die Arme fiel, heißt es jetzt kämpfen. Schon manches Castingprodukt ist hier zu Lande unterm Gurkenlaster statt bei Gucci gelandet. Die Quizfrage, die die Zuschauer während der Finalsendung penetrierte, hatte demnach etwas Tragikomisches: "Was bekommt die Siegerin von 'Germany's Next Topmodel'? a) einen Bausparvertrag oder b) einen Modelvertrag." Vielleicht wäre Jennifer auf Dauer mit Antwort a besser geholfen.