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Jugendkultur: Heilige sind die Vorbilder bei Italiens Jugend

Italienische Jugendliche suchen nach Vorbildern - und viele von ihnen werden bei den Heiligen der katholischen Kirche fündig.

Im allgemein wahrgenommenen Werteverfall suchen italienische Jugendliche nach Vorbildern - und viele von ihnen werden bei den Heiligen der katholischen Kirche fündig. "Die Jugendlichen lechzen förmlich nach Heiligen", sagt Franziskanermönch Enzo Fortunato in Assisi. Und er kann darauf verweisen, dass auch im 24. Jahr mehr als 1.600 junge Leute zwischen 17 und 30 Jahren an Allerheiligen zum Treffen "Giovani verso Assisi" in den Geburtsort der heiligen Klara und des heiligen Franziskus kamen.

Beicht-Events für die Jugend

"Am Freitag vor Allerheiligen haben wir den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, zu beichten", erzählt Fortunato, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Ordens. In der Basilika San Francesco, dort, wo die Gebeine des heiligen Franziskus ruhen, saßen die Mönche verteilt auf den Bänken, um den Beichtenden zuzuhören. "Die Jugendlichen wollen keine umständlichen Worte hören, sie wollen einen Ansprechpartner, der ihnen mit ihren Problemen helfen kann", erklärt Fortunato. "Sie wollen ein Gespräch mit jemandem, der im Heute lebt und nicht in der Vergangenheit."

So wird auch die Geschichte des heiligen Franziskus, der von 1181 bis 1226 in Assisi lebte, den Jugendlichen so vermittelt, als ob er einer der ihren sei: Ein ganz normaler junger Mann, der ein ganz normales Leben vor seiner Vision geführt hat. "Natürlich hat Franziskus vor rund 800 Jahren gelebt", erklärt Fortunato. "Aber sein Leben bis zu seinem 23. Lebensjahr war wie das eines Jugendlichen heute. Nichts hat sich seitdem verändert: Vergnügen, Kriege und die Liebe gibt es auch heute noch."

Ein "bisschen verliebt" in den heiligen Franziskus

Für die 23-jährige Letizia Bell waren Mönche "früher wie Menschen von einem anderen Stern". Sie war zum ersten Mal bei dem Treffen in Assisi. "Aber jetzt bin ich schwer begeistert von ihnen. Sie gehen auf einen zu, ohne jegliche Angst, zurückgewiesen zu werden." Mit einigen Brüdern habe sie Freundschaft geschlossen. Auf die Frage, wie wichtig für sie Heilige sind, schaut Letizia verständnislos. "Franziskus ist der Schutzheilige Italiens", antwortet sie. "Kein Heiliger ist mir so nah wie er. Ich bin sogar ein bisschen verliebt in ihn."

Bruder Enzo Fortunato hört dies nicht zum ersten Mal. "Die Jugendlichen suchen Vorbilder und Sicherheiten", erklärt er. "Franziskus war ein radikaler Heiliger, der zugleich tolerant und offenherzig war." Außerdem habe er das Christentum mit Freude gelebt. Dies sei wohl auch der Grund, warum der Franziskanerorden keine Nachwuchsprobleme habe.

Vorbilder, die Sicherheit und Werte vermitteln

Ähnlich wie die Franziskaner in Assisi wollen die Veranstalter des Weltjugendtags 2005 in Köln die Jugendlichen erreichen. "Wir erwarten über eine halbe Million Jugendlicher, die meisten von ihnen sind in der Kirche tätig", sagt Prälat Heiner Koch. Der Generalsekretär des Weltjugendtags will aber auch die anderen Jugendlichen erreichen. "Heutzutage brauchen die Jugendlichen ein Vorbild mit Ecken und Kanten, an dem sie sich reiben können."

Früher hätten sich viele nach ihren Eltern gerichtet. Doch heute bröckele die Familie auseinander. "Die Jugendlichen suchen neue Vorbilder, die Sicherheit und Werte vermitteln", erklärt Koch. "Wir, die Institution Kirche, können hier eine Aufgabe finden: Den Kindern Antworten auf ihre Fragen geben.