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Der 11. Tag im RTL-Dschungel: Sei lieb zu Tieren!

Bata "Assisi" Illic ging auf musikalischen Kuschelkurs mit Ungeziefer, Michaela gestand Darmprobleme und Björn-Hergen litt Höllenqualen: Der Robustheit unser C-Promis wurde diesmal einiges abverlangt. Ach ja: Rechnen können sie gar nicht.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Nichts gegen das Engagement von Flockes Tierpflegern. Doch seit Tag elf im Dschungelcamp ist klar, in wessen sanfte Hände das Eisbärchen eigentlich gehört: in die von Bata Illic. Der Urwald-Oldie ist, und daran gibt es nun keinen Zweifel, die Reinkarnation des Heiligen Franz von Assisi. Mal ehrlich: hat man im TV je einen Menschen beherzter und liebevoller mit Ratten, Spinnen und anderem Grusel-Getier umgehen sehen? Mag "Mister Unbeholfen" früher noch jeder Dame hinterher gesungen haben "Ich möcht der Knopf an deiner Bluse sein", so erhebt er heute seine Schlagersänger-Stimme für die possierlichen Ekel-Viecher, siehe aktuelle Dschungelprüfung. Um Sterne und damit Alles-außer-Bohnen-und-Reis-Essen für seine Mitinsassen zu organisieren, wurde Bata in eine stockdunkle Höhle verfrachtet. Dort musste er sich ausschließlich auf seinen Tastsinn verlassen, um an die Sterne zu kommen, die zwischen allerlei Igittigitt-Wesen drapiert waren.

So unerschrocken ist noch niemand in eine Dschungelprüfung marschiert, dazu ein Schlagerlied auf den Lippen. Äußerst riskant, denn woher wusste er überhaupt, ob es unter den Tierchen nicht auch Hardrock- oder Britney-Spears- Fans gab? Um auf Nummer sicher zu gehen, startete Bata ein verbales Weichspülprogramm. "Ich wünsche euch alles Gute, meine Freunde", sprach er die Krabbler an. Und: "Schätzchen, ich tu dir nix. Ich will niemanden verletzen hier." Dieses Du-an-Du mit Ratten mag unsereins befremden, aber auch beeindrucken. Doch bei aller Liebe, genutzt hat es nichts. Vor lauter Rücksicht auf seine vierbeinigen Kameraden, heimste der Finanzbeamten-Sohn nicht die erforderlichen Sterne ein.

Dass die Dschungel-Kollegen deshalb nicht komplett ausrasteten und Bata mit wildem Geheul an einen Marterpfahl banden, war das nächste Wunder. Denn inzwischen fürchtet sich jeder, aber auch wirklich jeder vor dem Ausbruch einer Bohnen-Phobie. Tagein, tagaus Bohnen und Reis, Reis und Bohnen, das hebt nicht gerade die Stimmung. Aber der Kampf um den heißbegehrten Titel als Dschungelkönig lässt auch das tapfer ertragen. Mehr noch. Wie zu erfahren war, auch wenn wir nicht danach gefragt haben und es eigentlich lieber nicht wissen wollen: die VIP-Camper leiden unter Darmproblemen. Die Folge: Dauerbetrieb auf der Dschungeltoilette. Und ehrliche Worte von Lager-Mama Michaela: "Auf der Toilette ist es eine Qual."

Michaela und ihr XXL-Toilettenproblem

Na, endlich, und das erleichtert ungemein, wird etwas dafür getan, um an dem Mythos Star zu kratzen. Und, mag diese TV-Sequenz auch ein Griff ins Klo sein, so sorgt er doch dafür, dass wir uns nicht mehr so alleine fühlen mit unseren alltäglichen Ängsten und Sorgen. Vielleicht ist das ehrliche Bekenntnis einer Ex-Pornoqueen zu XXL-Toilettenproblemen auch der Beginn einer kleinen Revolution. Wenn die Michaela aus dem Dschungel schon so offen spricht, ist es dann nicht an der Zeit, seinen Kollegen endlich das langjährige Blasenproblem anzuvertrauen? Oder soll man nicht auch gleich über seine Potenzprobleme auspacken? Endlich: Deutschland spricht sich aus.

Ach, übrigens, mit der Tristesse in Sachen Ernährung hätte es temporär vorbei sein können. Eine superbe Sahnetorte wäre ihr Preis gewesen, hätte das Promi-Rudel das große Einmaleins mindestens so gut beherrscht wie Yoga-Expertin Babs Herzsprung das Känguruhoden-Mampfen. Lager-Memme Ross wurde dazu auserkoren, Rechenaufgaben abzulesen, in sein Hirn zu hämmern und dann ruckzuck zurück zum Lager zu eilen und an die anderen Hirne weiterzugeben. Blöd nur, dass ihm beispielsweise das deutsche Wort für Wurzel nicht einfiel. Noch blöder, dass die anderen nicht wussten, was er bitteschön meint - obwohl er das Zeichen für Wurzel mehrmals in die Luft malte. Wurzel hin oder her, die Dschungelkameraden rechneten nicht schnell genug und die Sahnetorte, die bereits verführerisch hinter Glas präsentiert wurde, plumpste in eine Horde Kakerlaken.

Business as usual: Enttäuschungen

Wieder eine Enttäuschung mehr, die es zu verkraften galt. Doch so langsam wird klar, warum man ausgerechnet C- und D-Promis ins Dschungelcamp holt. Sind nicht gerade sie es, die sich ein dickes Fell angeeignet haben? Wer, wenn nicht sie, wissen, wie weh es tut, wenn die Lobhudelei des Publikums ausbleibt? Wenn die Fotografen am roten Teppich nicht mehr hysterisch auf den Auslöser drücken? Da hilft nichts, da muss man durch - um am Ende zu sehen: hey, es bringt mich nicht um, ich lebe noch. Das Ergebnis ist eine Robustheit, die man der Garde verwöhnter A-Prominenz kaum zutraut. Wie, bitteschön, soll eine Diva damit klarkommen, dass sie plötzlich auf Pritschen nächtigen muss und nicht in der Suite eines Luxushotels? Könnte jemand, wie die viel umjubelte Veronica Ferres, die Tour de Force im Urwald mehr als eine Stunde aushalten? Es darf bezweifelt werden.

Mit weiteren Enttäuschungen ist übrigens zu rechnen. Mag sein, dass es sogar gebrochene Herzen gibt. Denn: zwischen Michaela und Eike scheint sich was anzubahnen. Oder anders: Michaela scheint sich in Eike verguckt zu haben (pardon, viel Auswahl hat sie ja sonst gerade nicht). Zumindest, sie will ihm gefallen und schiebt den Pony aus der Stirn und ein Spängelchen ins Haar, weil Eike, der selbst ernannte Beauty-Experte, kommentiert: "Das gefällt mir viel besser." Die Autorin verzichtet an dieser Stelle lieber auf einen Kommentar über weibliche Gefallsucht. Und drückt stattdessen fest die Daumen, dass der Wildnis-Volunteer in naher Zukunft Heidi Klum als Absolutherrscherin über Models in spe ablöst.

Mitleid mit Björn-Hergen

Björn-Hergen Schimpf , der sich bei der letzten Dschungelprüfung eine Rippenverletzung zugezogen und seitdem bei jeder Bewegung Schmerzen hat und nahe dran war zu rufen: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus", hat diese Entscheidung dann doch den Zuschauern überlassen: "Bitte wählt mich raus." Und tatsächlich, auf die Empathie der Zuschauer ist Verlass: Björn-Hergen reiht sich nun in die täglich länger werdende Liste der Ex-Camper ein. Ihm ist nur zu wünschen, dass er an seinem ersten Tag in Freiheit besser aussieht als die biedere Oberlehrerin Julia Biedermann. Keine Ahnung, wie sie es hinkriegt, aber: als Julia frisch frisiert und geschminkt beim Talk mit Dirk Bach und Sonja Zietlow saß, sah sie auch nicht anders aus als während ihres 10-tägigen Dschungelaufenthalts - ganz schön bieder, Mann.

  • Sylvie-Sophie Schindler