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Das Finale im RTL-Dschungel: "Es hat sich gelohnt, Känguru-Arsch zu essen"

Um 23 Uhr 38 war es vorbei. Die letzte Kakerlake war aus der Unterhose gefischt, der letzte Krokodilpenis zerkaut, der neue Dschungelkönig sitzt auf dem Thron. Und der deutsche Fernsehzuschauer zollt einem hysterischen Homosexuellen mehr Respekt als einer freundlichen Ex-Pornodarstellerin.

Von Sophie Albers

Ja, geben Sie es doch zu! Sie werden es vermissen, Ross Antony in kreischender Pein zu sehen, wie er mit Tränenbächen im blassen Gesicht sagt, "Ich hab wieder tierische Angst", oder mit aufgerissenen Augen seinen Teddybären zurück verlangt. Damit ist nun Schluss, wenn man von den Nachklecker-Shows, die das Ende des Dschungelscamps noch auspressen werden, einmal absieht: Der flennende, schreiende, dauerhyperventilierende Ex-Bro’Sis-Sänger und Musicaldarsteller hat die dritte Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" gewonnen. Und das ist gut so.

Am Ende waren die "Weisheit, die Hysterie und die Güte" übrig geblieben: Michaela Schaffrath, Antony und Bata Illic hatten sich am 16. Tag den letzten Prüfungen zu stellen. Selbstredend wurde der Kakerlakensarg noch mal rausgekramt. Diesmal musste "Schwester Michaela" hineinklettern, wurde mit 40.000 stinkenden Insekten überschüttet und erledigte den Job, wie man Jobs, die getan werden müssen, eben erledigt.

Du kleine Giftnudel

Illic wiederum scheiterte an zickigen Schlangen, die sich durch sein Gesäusel - "Ich tu euch nichts" - nicht davon abhalten ließen, trotzdem zuzubeißen, als er nach den Sternen fischte. Da verlor der ewig lächelnde Barde dann doch ein wenig die Contenance und ließ sich zu einem "du kleine Giftnudel " hinreißen. Das half ihm allerdings auch nicht, und so brachte er nur einen Stern ins Camp.

Größeren Unterhaltungswert hatte da schon das letzte Dschungelmenü des Herrn Antony, das aus lebenden Würmern, gekochtem Känguru-Anus sowie Krokodilpenis bestand. Probleme bereitete dem "Weinkönig" jedoch vor allem das Zerbeißen eines lebendigen Grashüpfers: "Der tut mir echt leid". Aber Dr. Bob hatte ihn eindringlich gewarnt: "Wenn es weiterlebt, wird es versuchen wieder hochzukommen."

So ging der dritte Platz an Illic, der zweite an Schaffrath und die Dschungelkrone an den furchtlosen Schreihals "Es hat sich gelohnt, Känguru-Arsch zu essen"-Antony. "Sind wir zu weich geworden?", fragt Moderatorin Sonja Zietlow angesichts der tuffigen Schale mit dem unerwartet knallharten Kern.

Quote trotz "Kuschel-Camp"

Doch was haben wir aus 16 Tagen Dschungel-Terror eigentlich gelernt? Abgesehen von der Flexibilität der Ekelgrenze oder der hartnäckig geleugneten Freude am Fremdschämen? Ex-Pornostars sind nicht unbedingt blond und blöd, Rapper offenbar schon. Homosexuelle sind härter als der Rest, und den Deutschen ist ein alter Schlagersänger, der mit Tieren spricht, lieber als ein sexy Tanzstar mit Bikiniqualitäten.

Vor allem aber – und das ist doch mal eine schöne Entwicklung: Das Publikum guckt auch hin, wenn Menschen sich nicht ununterbrochen beleidigen und erniedrigen. Trotz "Kuschel-Camp" – "Es ist egal, wer gewinnt", so die einhellige Meinung - war die Quote konstant und gut. Damit ist die Herrschaft des Zynismus offensichtlich auch am Boden der Fernsehunterhaltung beendet. Oder wie Illic so schön sagte: "Ich wollte, dass sich alle mit Respekt behandeln." Jetzt muss nur noch jemand "Deutschland sucht den Superstar " Bescheid sagen.

Das Ende vom Lied sang die Band Madsen: "Vielleicht ist das der Anfang/ Vielleicht ist das das Ende/ Doch es gibt nichts Schlimmeres, als allein zu sein." Keine Angst, das nächste Dschungelcamp kommt bestimmt. Und natürlich gehen wir alle niemals zu McDonald’s.

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