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Die Klatschpresse in Amerika führt sie seit Monaten vor. Jetzt wollen Dina Lohan, Mutter von Skandalnudel Lindsay Lohan, und Denise Richards, Ex-Bondgirl und Ex-Frau von Charlie Sheen, den Spieß umdrehen, "endlich die Wahrheit ausplaudern". Und wie geht das heutzutage besser als mit einer eigenen Reality-Show im Fernsehen. Auf dem Sender "E!", produziert von American Idol-Gastgeber Ryan Seacrest, flimmern dieser Tage die Shows "Denise Richards: It's complicated" und "Living Lohan" über den Bildschirm.

Ob es nun die Sucht nach noch mehr Publicity ist, oder - wie bei Denise Richards naheliegend - der letzte Versuch, eine dahinsiechende Karriere doch noch einmal wiederzubeleben, bleibt zunächst unbeantwortet. Aber fest steht, da sind sich die Kritiker von der "L.A. Times" bis hin zur "USA Today" einig, dass der Launch dieser Shows eigentlich nur das bestätigt, was die von den Protagonisten so gescholtenenals auch Mrs. Richards haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Wie ein unsichtbarer Geist wabert das Image von Skandal-Tochter Lindsay ständig in der Show um Dina Lohan. Lindsay selbst taucht nicht auf in der Sendung, aber die Mutter nutzt jede sich nur bietende Möglichkeit, um die Medien für das negative Image ihrer Tochter verantwortlich zu machen. "Die schreiben alle Mist", ruft Lohan in die Kamera, während sie krampfhaft versucht, über diese Show die Karriere ihrer jüngsten Tochter Ali in Bewegung zu bringen.

Dina Lohan findet nichts aufregender, als am Morgen sofort im Internet nach neuen Lindsay-Schlagzeilen zu suchen. Und zum Kiosk zu hetzen, um die Regenbogenpresse nach jedem Lindsay-Detail auszuschlachten. Die Kameras sind immer dabei. Als stiller Zeuge einer Wahrnehmungslücke, die wohl selbst durch stundenlange Therapie nicht mehr zu füllen ist.

Sie will Lindsay beschützen mit dieser Show, endlich klarstellen, dass die von Alkoholprobleme gebeutelte junge Schauspielerin ein normales Leben führt. Im selben Atemzug allerdings rümpft die als öffentlichkeitssüchtig verschrieene Mama die Nase: Warum Lindsay als das berühmteste Familienmitglied nicht in einer Reality-Show um die Lohans auftauche, wird sie gefragt. "Ich sehe das nicht so, dass Lindsay die einzige berühmte Person in unserer Familie ist." "Hinter dieser Aussage", so schreibt der Kritiker der "L.A .Times", "steckt soviel Ignoranz, dass es schon fast wehtun würde, weiterzufragen."

Nicht viel besser geht es bei "It's complicated" zu. Denise Richards, so sagt sie selbst, hat sich auf dieses Reality-Abenteuer nur eingelassen, weil "ich endlich einmal meine Seite der Geschichte erzählen will". Mit "der Geschichte" meint sie die schmutzige Scheidung von Charlie Sheen, die Schlagzeilen, in denen sie als Betrügerin und Ausspannerin darsgestellt wurde.

Wir erinnern uns: Denise Richards war einst mit Schauspielerin Heather Locklear bestens befreundet. Deren damaliger Ehemann, "Bon Jovi"-Gitarrist Richie Sambora, verguckte sich allerdings in Richards. Das bedeutete das Aus der Ehe zwischen Locklear und Sambora - und das Ende der Freundschaft zwischen Locklear und Richards.

Nun also darf der Zuschauer beobachten, dass Denise doch eigentlich "eine ganz normale alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist". An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Charlie Sheen, Vater von Richards Töchtern, via Klage versucht hatte, seine Kinder vor den TV-Kameras zu schützen - ohne Erfolg.

In ihrer Reality-Show spielt Richards mit ihren Kindern und den Hausschweinen, erzählt den Zuschauern, dass sie Männer mit großen Penissen mag und wieder bereit sei für einen neuen Mann. "Ich möchte, dass die Leute sehen, wer ich wirklich bin und nicht die Person, über die sie in den Magazinen lesen", führt sie als Erklärung für ihre Serie an. Dass Produzent Ryan Seacrest, der mit Richards auch privat gut befreundet ist, der C-Schauspielerin für diese Show ein sattes Salär zahlt, bleibt ebenso unerwähnt wie die wahre Motivation dieser Sendung. Die liefert Ted Harbert, Präsident von "E!": "Du musst heute im Reality-Geschaeft mit einem lauten Knall an den Start gehen, sonst bemerkt dich kaum noch einer", sagt er. Und meint damit natürlich, dass eine Skandal-Trennung, die in den Medien rauf- und runterdiskutiert wurde, auch den Einschaltquoten hilft. Lohan und Richards werden mittlerweile als die neuen "Tabloid Queens", also als die "Regenbogen-Königinnen" bezeichnet. Eigentlich nicht das, was sie mit dem Start ihrer Reality-Shows beabsichtigt hatten. Aber die Publicity, die ist zumindest da. Und irgendwie scheint das wohl die Wahrheit zu sein, die wirklich haften bleibt.