HOME

Hollywood: Freundschaft im Haifischbecken

Im Showgeschäft sind gute Freunde unter Kollegen selten. Dass das Haifischbecken dennoch Platz dafür bietet, könnten Angelina Jolie und Gwen Stefani beweisen.

Von Svenja Friedrich

Das Showgeschäft ist ein richtig gruseliger Ort. Viele Stars führen offene Fehden und tragen private Details anderer in die Öffentlichkeit. Freundschaften sind in diesem Haifischbecken nur schwer möglich, denn es gilt: Jeder frisst hier jeden. Die Freundschaft der Schauspielerinnen Heather Locklear und Denise Richards zerbrach mit einem schmutzigen Streit, nachdem Richards Locklears Ehemann, den Bon Jovi-Gitarristen Richie Sambora, küsste. Und die Eintracht zwischen Paris Hilton und Nicole Ritchie verwandelte sich in Zwietracht, nachdem Ritchie bei einem Videoabend mit Freunden den Homeporno "One Night in Paris" einlegte. Paris soll wütend den Raum verlassen haben.

Freund oder Feind?

Es ist kein Geheimnis, dass viele Stars Freundschaften aufbauen, um sie für Karriere und Image zu nutzen. Gegen das so genannte "Netzwerkeln" ist nichts einzuwenden. Jeder Büroangestellte weiß die Vorteile von Kontakten zu schätzen, die einem den beruflichen Werdegang vereinfachen. Allerdings arbeiten viele Stars nach dem Motto: "Wenn du nicht mein Freund bist, bist du mein Feind". Unzählige Klatschblätter berichten fast täglich von Streitereien, boshaften Bemerkungen und offenen Fehden.

"Viele Freundschaften im Showgeschäft werden nur vorgetäuscht. Sie werden geschlossen, um Feindschaften zu vermeiden oder um die Beziehung für berufliche Fortkommen zu benutzen", sagt Dr. Matthias Probandt, Diplompsychologe aus Oldenburg. Nach Ansicht des Experten werden im Showbusiness tatsächlich eher selten echte freundschaftliche Beziehungen geknüpft. "Statt echter Freundschaft steht bei Stars eher die Verwertbarkeit von Freundschaften für die Karriere im Vordergrund", fügt Dr. Probandt hinzu. Paris Hilton und Nicole Ritchie sind so ein Fall: Erst eskalierte die Fehde zwischen beiden, anschließend rauften sie sich wieder zusammen, um gemeinsam eine neue Staffel von "The Simple Life" zu drehen.

In der obersten Star-Liga angekommen

Angelina Jolie und Gwen Stefani grenzen sich jedoch von den übrigen Stars des Showbusiness ab. Beide Superstars sind zwar ständig in den Medien präsent, preisen ihre Freundschaften aber nicht in aller Öffentlichkeit. Dass es auch ganz anders sein kann, erlebte man am Bündnis von Madonna und Britney Spears. Das mütterlich-freundschaftliche Verhältnis mit Kabbala-Bändchen kühlte merklich ab, nachdem die gemeinsame Single auf dem Markt war. Jolie-Stefani müssen nicht die Prominenz des anderen nutzen, um selbst in den Medien zu bleiben. Im Gegenteil: Angelina Jolie und Gwen Stefani gehören bereits zur Liga der Top-Stars.

Aber verhindert dies die herzlose Verwertung von Freundschaften? Nicht wirklich, denn auch als Superstar muss man sich vor Feinden schützen. Niemand kann und will in der Schlangengrube des Showgeschäfts alleine stark sein. Das wäre auf Dauer zermürbend und schlecht für die Karriere. Um sich vor falschen Freunden zu schützen, lassen sich Stars sogar raffinierte Prüfungen einfallen. So testet Paris Hilton ihre Freunde, indem sie ihnen erfundene Details aus ihrem Privatleben erzählt. Wenn diese Geschichten dann in der Presse auftauchen, beendet Hilton die Freundschaft.

Aber auch in ihrer Prominenz grenzen sich Jolie und Stefani deutlich vom Hollywoodtrubel ab. Beide schockierten die Öffentlichkeit bereits mit außergewöhnlichen, teils bizarren Ideen. Angelina Jolie hängte sich einen Anhänger mit Bluttropfen ihres damaligen Mannes Billy Bob Thornton um den Hals, verzierte ihren Körper mit zahlreichen Tattoos und erregte öffentliches Aufsehen durch die Geburt ihres Kindes in Namibia. Gwen Stefani tobte in ihren Anfangsjahren als blauhaarige Punksängerin durch die Musikszene; zu ihrem ersten Soloalbum ging sie wochenlang nur in Begleitung von vier jungen Japanerinnen auf die Straße. Kritik an ihrem Stil lassen beide an sich abprallen, Bestätigung suchen sie nicht bei den Fans sondern bei ihren Familien. Ihre engsten Vertrauten sind Personen aus ihrem Verwandtenkreis.

"Echte" Freundschaft ohne Neid und Missgunst

"Besonders im Showbusiness findet man kaum beziehungsfähige Menschen, sondern viele narzisstische Persönlichkeiten", erklärt Diplompsychologe Dr. Probandt. Das sind Personen, die andere Menschen einerseits vernachlässigen und dennoch Bestätigung bei ihnen suchen. Wie in einer Sucht findet die Suche nach Glück und Liebe kein Ende. Angelina Jolie und Gwen Stefani hingegen haben es geschafft: Familie und Freundschaft sind unter einem Hut; aus dieser Kombination beziehen sie Bestätigung und Rückhalt.

Das schaffen nur wenige andere Stars: Nicole Kidman und Naomi Watts verbindet eine jahrelange Freundschaft und die Herkunft aus Australien. Gwyneth Paltrow und Madonna pflegen ihr Bündnis bei gemeinsamen Yoga-Stunden. Und wie wichtig wahre Freundschaft ist, durfte Jennifer Aniston nach ihrer Trennung von Brad Pitt erfahren. Ihre beste Freundin Courtney Cox Arquette bot ihr Zuflucht und Unterschlupf in den schweren Zeiten.