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"Tatort"-Kritik: Der Hecht im Haifischbecken

Ein toter Umweltaktivist, der aus dem Bodensee gefischt wird, politische Intrigen und Brandstiftung im Naturschutzgebiet: "Der Kormorankrieg" ist ein geradliniger Krimi mit viel Regionalkolorit der sonst eher konfusen Konstanzer Kommissarin Klara Blum.

Von Kathrin Buchner

Obwohl "Der Kormorankrieg" nah am Wasser gebaut ist - so unsentimental und konventionell-klassisch war der "Tatort" mit dem ungleichen Gespann Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) schon lange nicht mehr: Es gibt eine Leiche, einen Haufen Verdächtiger, die alle einen guten Grund hätten, das Opfer aus dem Weg zu räumen, und eine spannende Geschichte.

Der ermordete Robin Hood vom Bodensee

Conrad Kettler (Christian Körner) ist Umweltaktivist und kämpft für die Erhaltung der Natur. Mit seiner Leidenschaft angelt er sich die Herzen der Frauen. Er hat eine uneheliche Tochter mit einer Kollegin und eine verheiratete Geliebte, die bereit wäre, ihr gutbürgerliches Leben aufzugeben, um mit Kettler bis ans Ende der Welt zu gehen.

Doch der Robin Hood vom Bodensee brennt allein für Vögel und Fische. Dafür liefert sich der Hecht im Haifischbecken erbitterten Streit mit den Berufsfischern der Region. Die sehen vor allem den Kormoran als einen Rivalen der immer knapper werdenden Felchen im See - und zünden die Nistplätze der Vögel an. Eines Tages hat dann einer dieser Fischer eine besonders fette Beute im Netz, nämlich den toten Umweltaktivisten - mit Wunden am Kopf, befruchteten Felchen-Eiern in der Lunge und dem Wissen um einen vermeintlichen Umweltskandal im Gehirn.

Dümpelt im Seichten dahin

Die beiden Drehbuchautoren Matthias Dinter und Xao Seffecheque garnieren ihre Geschichte mit saftigen Details: Da werden in bester Mafia-Manier tote Kormorane an die Tür des verwüsteten Naturschutzbund-Büros genagelt, da explodieren die Feuer in den Booten der Fischer, da gibt es zum Showdown eine Verfolgungsjagd im dichten Bodensee-Schilf.

Lange Zeit fischt das Ermittler-Duo im Trüben angesichts der vielen Verdächtigen. Selten hat man solch akribische Recherchearbeit im "Tatort" gesehen: Da werden alle Anfahrtswege zum Schauplatz des Mordes über Land und über Wasser getestet und Zeiten gestoppt, da werden auffrisierte Motoren zerlegt, alte Akten längst verjährter Unfälle ausgekramt und Seilschaften auseinander gewickelt.

Das alles sorgt für ein hohes Tempo, viel Action und kurzweilige Unterhaltung. Doch dümpelt die Geschichte im seichten Wasser dahin. Mit ein wenig mehr Fokussierung wäre ein erstklassiger Polit-Thriller daraus geworden, kein Eifersuchts-Drama. Wenn Regisseur Jürgen Bretzinger, der für die Grünen im Stadtrat von Ravensburg sitzt, der Figur des machtgeilen Politikers Günter Balried (Stephan Schad) noch ein wenig "Butter bei de Fische" gegeben hätte. Illegale Verklappung von Düngungsmittel im Bodensee und Brandstiftung, um Bauland zu bekommen, sind doch allemal brisantere Themen, als der Racheakt eines gehörnten Ehemannes.