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Mangelnde Deutschkenntnisse: Kann Sylvie Meis RTL wegen Diskriminierung verklagen?

Sylvie Meis wird künftig nicht mehr die RTL-Show "Let's Dance" moderieren. Der Sender beendete die Zusammenarbeit. Laut Meis wegen ihres schlechten Deutschs. Kann sie nun RTL wegen Diskriminierung verklagen?

Sylvie Meis

Sylvie Meis wird künftig nicht mehr die RTL-Show "Let's Dance" moderieren.

Es wird wohl auf eine schmutzige Scheidung hinauslaufen: Sieben Jahre lang moderierte Sylvie Meis für RTL die Tanzshow "Let's Dance". Doch in der kommenden, fürs Frühjahr 2018 geplanten Staffel soll eine andere durch die Sendung führen: Die frühere Ehefrau von Fußballstar Rafael van der Vaart wird durch die deutlich jüngere Victoria Swarovski ersetzt. Meis ist bereits 39, ihre Nachfolgerin 24. 

Das Alter soll aber nicht der Grund für die Trennung sein. Laut Sylvie Meis lief die Kündigung folgendermaßen ab: "Vor einigen Wochen teilte RTL mir mit, mein Deutsch sei nicht gut genug, um ein weiteres Mal durch die Show zu führen." Laut dem Management der Niederländerin wurde die Aussage sogar an Eidesstatt bestätigt. Die Moderatorin fährt hier offenbar schwere Geschütze auf. Gut möglich, dass sie sich für eine gerichtliche Auseinandersetzung rüstet.

Doch ist das überhaupt realistisch? In Deutschland gilt seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das "Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft" beseitigen soll, wie es im Gesetzestext heißt. Sollte Sylvie Meis RTL wegen dieses Entlassungsgrunds verklagen - hätte Sie dann eine Chance?

Sylvie Meis hat kein "Gewohnheitsrecht"

"Die Entscheidung, sie wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht weiter zu beschäftigen, stellt lediglich eine mittelbare Benachteiligung dar", sagt der Rechtsanwalt Jochen Wurster. Es sei Meis jedoch nicht verwehrt, Deutsch zu lernen, insofern stellten ihre Deutschkenntnisse keine Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft dar, wie dies beispielsweise der Fall wäre bei der Anforderung "Deutsche oder Muttersprachler gesucht".

Eine mittelbare Benachteiligung sei erlaubt, wenn es einen sachlichen Grund gibt. Der liegt hier vor. Denn trotz der langen Fernsehtradition mit Rudi Carrell und anderen Niederländern könne ein Fernsehsender das Ziel haben, nur Personen vor die Kamera zu stellen, die in der Lage sind, fernsehreif zu reden. Dass RTL das in der Vergangenheit anders gesehen hat, gebe Meis kein "Gewohnheitsrecht", so Wurster.

Noch aus einem anderen Grund ist es extrem unwahrscheinlich, dass RTL rechtlich belangt würde: Noch ist gar nicht klar, ob Meis' mangelnde Deutschkenntnisse der Kündigungsgrund sind. Denn der Privatsender bestreitet das heftig. "Wir brauchen ehrlicherweise keine sieben Jahre, um festzustellen, dass die Co-Moderatorin einer Show mit Wurzeln in Holland entsprechenden Akzent hat", sagte ein Sendersprecher dem stern. Darüber hinaus sei keine Sendung so bunt wie "Lets Dance", wo mit Motsi Mabuse und Jorge González Promis unterschiedlichster Herkunft in der Jury sitzen. "Eine Reduzierung der vermeintlichen Begründung auf den Akzent läuft somit ins Leere." Zudem habe RTL Sylvie Meis gar nicht kündigen können, da sie keine Mitarbeiterin des Senders sei. "Wir haben vielmehr von Jahr zu Jahr über die Zusammenarbeit gesprochen, so auch jetzt."