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Kritik an Kevin Spacey: "Nicht sein Outing sollte das Thema sein, sondern der angebliche Missbrauch eines 14-Jährigen"

Schauspieler Kevin Spacey soll vor 30 Jahren einen jungen Schauspieler sexuell belästigt haben, kann sich angeblich aber nicht daran erinnern. Stattdessen nutzt er das Bekenntnis des Opfers, um auf sich selbst aufmerksam zu machen und sich als schwul zu outen.

Kevin Spacey

Schauspieler Kevin Spacey: Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung häufen sich

US-Schauspieler Kevin Spacey hat Übergriffsvorwürfe eines jüngeren Kollegen zum Anlass genommen, sich als schwul zu outen. "Ich habe mein ganzes Leben Männer geliebt und romantische Begegnungen mit ihnen gehabt, und jetzt entscheide ich mich dafür, als schwuler Mann zu leben", schrieb der 58-Jährige in der Nacht zu Montag auf Twitter. Der Oscarpreisträger hatte in einem Interview im Jahr 2000 noch bestritten, schwul zu sein.

Spaceys sexuelle Orientierung war seit Jahren in Hollywood ein offenes Geheimnis. Dass er sich jetzt outete, interpretierten einige Kommentatoren als taktischen Versuch, von dem Vorwurf des sexuellen Fehlverhaltens gegenüber einem Jugendlichen abzulenken. "Es interessiert mich nicht, ob Kevin Spacey schwul ist. Es interessiert mich eher, warum wir sexuelle Orientierung mit der Belästigung eines Minderjährigen zusammenführen. Bleibt beim Thema", schrieb etwa die Autorin und Aktivistin Ashlee Marie Preston auf Twitter.

"Es fühlt sich ein bisschen eklig an, dass du eine Geschichte, die sich um das/die Opfer drehen sollte, zu einer Geschichte über dich selbst machst", schrieb der für die Demokraten kandidierende Jungpolitiker Jordan Thompson, der zugleich die Vermutung anklingen ließ, dass es weitere Opfer Spaceys geben könne.

Nicht Kevin Spaceys Outing, sondern der angebliche Missbrauch müsse die Schlagzeile sein

US-Autor Ben Shapiro kommentierte: "'Sicherlich mag ich versucht haben, einen 14-jährigen Jungen zu vergewaltigen, als ich 26 war, doch ich bin schwul' - das ist eine ziemlich fiese Verteidigung." Die Schlagzeile müsste nicht lauten, dass Spacey sich als schwul geoutet, sondern dass er quasi zugegeben habe, einen 14-Jährigen sexuell belästigt zu haben, so Shapiro weiter.

Die Schauspielerin Wanda Sykes twitterte an Spaceys Adresse: "Nein, Nein, Nein, Nein, Nein! Du kannst Dich nicht hinter dem Regenbogen verstecken!"

Ihre Kollegin Rose McGowan mahnte via Twitter, man sollte sich nicht auf Kevin Spacey, sondern auf sein Opfer, den damals minderjährigen Schauspieler Anthony Rapp konzentrieren.

Rapp hatte der Online-Seite "Buzzfeed News" von einer Party im Jahr 1986 berichtet, zu der Spacey ihn als damals 14-Jährigen in seine New Yorker Wohnung eingeladen hatte. Demnach schaute Rapp gerade in Spaceys Schlafzimmer Fernsehen, als der offenbar betrunkene Schauspieler ins Zimmer kam, ihn ins Bett hob und sich auf ihn legte.

Kevin Spacey kann sich an den Vorfall angeblich nicht erinnern

"Er hat versucht, mich zu verführen", sagte Rapp. Er habe sich dann befreit und später die Wohnung verlassen. Spacey - damals Mitte 20 - und Rapp kannten sich von gemeinsamen Aufführungen auf dem New Yorker Broadway.

Dem Interview zufolge hat Rapp den Vorfall über Jahrzehnte mit zunehmend ungutem Gefühl mit sich herumgeschleppt und nie wieder mit Spacey darüber gesprochen. Im Zuge der Weinstein-Enthüllungen fühle er sich nun verpflichtet, seine Stimme zu erheben, sagte der 46-Jährige dem Magazin.

Anthony Rapp

Schauspieler Anthony Rapp soll 1986 von Kevin Spacey sexuell belästigt worden sein

"Ich bin mehr als bestürzt, seine Geschichte zu hören", antwortete Spacey auf Twitter. Er könne sich an den Vorfall "ehrlich nicht erinnern". Aber: "Wenn ich mich damals so verhalten habe, wie er es beschreibt, dann schulde ich ihm die aufrichtigste Entschuldigung für etwas, das zutiefst unangemessenes betrunkenes Verhalten gewesen wäre."

Zu den wenigen positiven Kommentatoren auf Spaceys Aussagen gehörte Kim Richards, Chef des Film- und Musikstudios Allied Artists. "Wenn es stimmt, dann handelt es sich um eine Affekthandlung unter Alkoholeinfluss und nicht um eine kriminelle Absicht. Sie sind gut und anständig und verdienen Vergebung", twitterte Richards.

jum/DPA/AFP
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