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KLEINKRIEG: Teure Glühbirne

500.000 Mark Strafe oder Haft drohen einem Polizisten für das Einschalten einer 40-Watt-Glühbirne im Hauseingang. Ein Nachbar hatte wegen Störung der Nachtruhe geklagt.

Wer hätte gedacht, dass Glühbirnen so teuer werden können. 500.000 Mark Ordnungsgeld muss ein Wiesbadener BKA-Beamter zahlen oder sogar ins Gefängnis gehen, wenn er noch einmal seinen Nachbarn nachts mit dem Schein seiner an der Haustür angebrachten 40-Watt-Birne belästigt. Der Nachbar - ein Amtsrichter - hatte sich von dem Schein der ganze elf Meter entfernten Glühbirne in seiner Nachtruhe gestört gefühlt und geklagt. Denn die Rollläden wollte der Rechtswahrer auch nicht herunterlassen, weil er sonst, so seine einleuchtende Begründung, nicht genug Luft bekomme.

BKA-Mann hat Angst vor Einbrechern

Dem folgte das Wiesbadener Landesgericht und gab dem Kollegen in zweiter Instanz Recht. Dabei hatte auch der beklagte Polizeibeamte triftige Gründe für den Verbleib seiner Birne ins Feld geführt. Mit der Flutlichtanlage wollte er Einbrecher abschrecken. Die hätten sich von so viel versammelter Ordnungsgewalt auf einem Fleck auch bestimmt nicht abschrecken lassen. In Zukunft wird sich der Mann vom BKA also andere Wege zum Schutz vor den nächtlichen Räubern suchen müssen.

Dunkles Fest

Der Vater des Polizisten – er hatte seinen Sohn vor Gericht vertreten – zeigte sich einsichtig ob des schweren Vergehens: »Wir wollen deswegen doch nicht ins Gefängnis«. Er verwies aber gleichzeitig auch auf die extremen Gefahren, die mit diesem Urteil verbunden sind. Schließlich könnte jetzt ein Prozesslawine losgetreten werden, bei denen sich Nachbarn gegenseitig die Lampen am Weihnachtsbaum verbieten. Das können ja finstere Weihnachtstage werden.

Philip Stirm

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