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Klima-"Echo": Jennifer Lopez soll Polo fahren

Bei der Echo-Verleihung am Sonntag sollen Stars statt in einer dicken Limousine im umweltfreundlicheren Polo vorgefahren werden. Doch die Rechnung scheinen die Veranstalter ohne Jennifer Lopez gemacht zu haben.

Von Jens Maier

Sie wird aussteigen, den wartenden Fans und Journalisten ein kurzes Lächeln oder gar ein Händewinken schenken und dann den langen Roten Teppich am Palais am Funkturm entlang schreiten. So sieht es zumindest das Protokoll vor, wenn Jennifer Lopez am Sonntagabend bei der Echo-Verleihung in Berlin erscheint. Doch vermutlich wird nicht alles so glatt ablaufen, wie die Veranstalter sich das vorstellen. Zumindest nicht mit Jennifer Lopez. Der Grund: Die Diva soll im Polo statt in der standesgemäßen Luxuslimousine vorgefahren werden.

Veranstalter und Hauptsponsor Volkswagen wollen in Berlin ein Zeichen für den Umweltschutz setzen. Statt der Luxuslimousine Phaeton werden 50 Polo BlueMotion für den Shuttle-Service im Rahmen der Echo-Verleihung eingesetzt. Volkswagen will damit für seinen schadstoffarmen Kleinwagen werben, der pro Kilometer nur 102 Gramm CO2 ausstößt. "Wir sind überzeugt davon, dass die nationalen und internationalen Gäste gerne die Gelegenheit nutzen, die Vorzüge des Polo BlueMotion - Dynamik, geringer Durchschnittsverbrauch und niedrige Emissionswerte - zu erleben", sagte Stephan Grühsem, Leiter Kommunikation der Volkswagen AG zu seinen Plänen.

Keinen Meter zu Fuß

Doch Stephan Grühsem scheint noch nie die Bekanntschaft von Jennifer Lopez gemacht zu haben. Die Schauspielerin ist für ihre Star-Allüren bekannt. Bei den Organisatoren von TV-Shows und großen Events gilt sie als Supergau, die Frau mit den Sonderwünschen. Ein paar Tage vor ihr kommt stets das gefürchtete Fax mit glasklaren Vorstellungen der Latina. So müssen Hotelzimmer und Garderoben stets ganz in weiß gehalten sein. Für ihren "Wetten, dass..?"-Auftritt im Jahr 2003 mussten extra die Maler anrücken. Grund: "Dadurch kann man gleich sehen, ob es im Zimmer schmutzig ist", wie sie damals erklärte.

Auch bei den Fortbewegungsmitteln hat J.Lo klare Vorstellungen: Als sie 2003 in London im Hotel Metropolitan abgestiegen war, weigerte sie sich 100 Meter zum Hotel Dorchester zu Fuß zu gehen, nahm lieber ihre Limousine in Anspruch. Rund 15 Minuten war der Konvoi im dichten Londoner Verkehr unterwegs. Zur Golden-Globe-Verleihung in Los Angeles fuhr sie in diesem Jahr im 250.000 Euro teuren Rolls Royce Phantom vor. Zur Berlinale in Berlin war es immerhin noch ein 140.000 Euro teurer VW Phaeton. Und auch bei der letzten Oscar-Verleihung, bei der viele Stars auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge umgestiegen waren, wollte Lopez auf ihren gewohnten Luxus nicht verzichten.

Wer Luxus will, muss sich selbst darum kümmern

"Jennifer Lopez' Hintern ist so breit, der braucht seine eigene Limousine", witzelte US-Komödiant Chris Rock bei den MTV-Awards 1999. In der Tat ist es eher unwahrscheinlich, dass Lopez für die 30-minütige Fahrt von der Stadtmitte zur Veranstaltung einen Polo benutzen wird. Ihre Plattenfirma Sony-BMG wollte am Freitag keine Stellungnahme abgeben. In dem viertürigen Kleinwagen, der beim Händler rund 16.000 Euro kostet, würden den US-Star jedenfalls engere Verhältnisse erwarten, als sie es gewohnt sein dürfte. Auf der Rückbank hätten Lopez' Beine nur 30 Zentimeter Platz nach vorne, ihr Hinterteil müsste statt auf Clubsesseln - wie in ihrem Rollce-Royce - mit einer schmalen Bank Vorlieb nehmen.

Einige Musikmanager sollen aus Angst vor der Reaktion ihrer Stars bereits begonnen haben, protzigere Ersatzfahrzeuge für ihre Künstler zu organisieren. Es stehe jedem frei, herzukommen wie er wolle, sagte Gerd Gebhardt, Executive Producer des Echo auf einer Pressekonferenz am Freitag dazu. Wer eine Luxuslimousine brauche, müsse sich aber selbst darum kümmern. BMW, Mercedes oder Audi werden Jennifer Lopez sicher gerne aushelfen.