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Kunstprofessor Immendorff: Koks da, Professur weg

Nachdem er bei einer Sex- und Drogen-Party in einer Hotelsuite ertappt wurde, drohen dem Maler Jörg Immendorff nun nicht nur Ärger mit der Ehefrau, sondern auch ein Jahr Gefängnis und der Verlust seiner Professur.

Dem Maler Jörg Immendorff (58) drohen nach einer Sex- und Drogen-Party eine Haftstrafe und der Verlust seines Lehrstuhls an der Düsseldorfer Kunstakademie. Polizisten hatten den Künstler am Samstag mit sieben Prostituierten und elf Gramm Kokain in der Luxus-Suite eines Düsseldorfer Hotels überrascht. Weitere zehn Gramm waren bei der Durchsuchung der Wohnung Immendorffs entdeckt worden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Düsseldorf. Immendorff zählt zu den international bekanntesten deutschen Künstlern.

"Nicht geringe Menge" Kokain

Er müsse nun mit einer Anklage wegen Besitzes einer "nicht geringen Menge" Kokain rechnen, sagte Staatsanwalt Johannes Mocken. Darauf steht eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft. Ab dieser Grenze würde Immendorff laut Beamtengesetz seinen Status als Landesbeamter und damit seinen Lehrstuhl an der Kunstakademie verlieren. "Eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft ist sehr wahrscheinlich", sagte der Staatsanwalt am Dienstag. Aller Voraussicht werde diese Strafe bei Immendorff zur Bewährung ausgesetzt, da er geständig sei und eine günstige Sozialprognose habe, sagte Mocken weiter. Die Ausssetzung zur Bewährung hätte allerdings keinen Einfluss auf die beamtenrechtlichen Konsequenzen.

Der Maler, der als 'Junger Wilder' im Kunstbetrieb Furore machte, wolle keine Stellungnahme abgeben, teilte sein Büro mit. Auch das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium wollte sich zu den beruflichen Konsequenzen für Immendorff nicht äußern. Man warte auf die offizielle Mitteilung der Staatsanwaltschaft, sagte ein Sprecher.

"Die Party hatte bereits begonnen"

Sechs Polizisten und drei Staatsanwälte betraten am Samstagnachmittag die Suite des Steigenberger Parkhotels. Sie erlebten den Kunstprofessor in Aktion mit sieben Prostituierten, neben sich ein Silbertablett, darauf bereits mehrere Linien Kokain "gebrauchsfertig" zurecht geschoben. "Die Party hatte bereits begonnen, der Professor war über unser Erscheinen sehr überrascht", beschrieb ein Ermittler das Szenario. Das Wirkstoffgutachten des Landeskriminalamtes liegt inzwischen vor. Danach überschreitet der Wirkstoffgehalt von 6,5 Gramm der sichergestellten insgesamt 21 Gramm Kokain die Grenze einer geringen Menge, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Rauschgift minderer Qualität

Bei den sichergestellten Drogen hat es sich laut Staatsanwaltschaft um Rauschgift minderer Qualität. "Wir sind ziemlich überrascht, dass Herr Immendorff so schlechtes Kokain gekauft hat, obwohl er doch 1.250 Euro für zehn Gramm bezahlt haben will", sagte Mocken. Bei Kokain sei ein Wirkstoffgehalt von 65 Prozent üblich. Das bei Immendorff gefundene Kokain habe gerade mal einen Wirkstoffgehalt von 30 Prozent gehabt.

Hotelfeiern seit mehr als zwei Jahren

Insgesamt elf Prostituierte hatte der weltberühmte Maler in das noble Ambiente gebeten, zwei Frauen trafen noch ein, als die Ermittler das Treiben bereits beendet hatten. Der Verdacht, das darunter auch minderjährige Mädchen sein könnten, bestätigte sich nicht. Seit mehr als zwei Jahren feiere er in dem Hotel Partys, erklärte der geständige Immendorff den Beamten. Die Feiern hätten meist am Nachmittag begonnen und in der Nacht geendet.

Allein das Treffen am vergangenen Samstag sollte den Professor insgesamt eine fünfstellige Summe für "mehrstündige sexuelle Dienste" kosten, errechneten die Ermittler. "Wir hatten mit Herrn Professor Immendorff nie ein Problem", sagte der Hoteldirektor Roland Ross auf Anfrage. Er habe erst von der Polizei erfahren, dass dies nicht die erste Drogenparty Immendorffs gewesen sein soll.

"Das gibt häuslichen Ärger"

Die 30 Jahre jüngere Frau des Künstlers, eine ehemalige Studentin des Professors, weilte unterdessen mitsamt zweijährigem Töchterchen Ida im Urlaub in Bulgarien. "Das gibt häuslichen Ärger", vermutete ein ehemaliger Assistent des Professors.

Die Razzia ging auf eine anonyme Informantin zurück, die offenbar selbst einmal früher an einer Party des Professors teilgenommen hatte und im Frühjahr einen Brief an die Staatsanwaltschaft schrieb. In dieser Zeit war der Künstler im russischen St. Petersburg, um gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine eigene Skulptur als Geschenk zu übergeben - ausgerechnet eine überdimensionale Nase. Durch seine eigene Nase, so der auskunftsfreudige Kunstprofessor in seiner Vernehmung, schnupfe er seit Anfang der 90er Jahre Kokain.