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Lierhaus bei der "Goldenen Kamera": "Ich kann es kaum fassen: Da bin ich"

Nach ihrer verunglückten Operation war sie zwei Jahre nicht zu sehen. Am Samstagabend sprach Monica Lierhaus bei der "Goldenen Kamera" - ein bewegender, hoch emotionaler Moment.

Es war ein großer, bewegender, auch erschütternder Moment: Monica Lierhaus ist wieder da. Bei der Goldenen Kamera am Samstagabend trat die 40-Jährige überraschend und erstmals seit zwei Jahren wieder im Fernsehen auf. Sechs Millionen Fernsehzuschauer sahen eine Frau, die noch von der medizinischen Rehabilitation gezeichnet ist.

Für ihr Comeback hatte sich Monica Lierhaus die große Bühne ausgesucht. Am Ende der Verleihung der "Goldenen Kamera" hielt Günter Netzer sichtlich aufgeregt eine Laudatio auf sie und schloss mit den Worten: "Willkommen zurück, Monica Lierhaus!"

"Da bin ich"

In einem hell- und dunkelblau schimmernden Kleid, mit langen Ohrringen und einer eleganten Hochsteckfrisur betrat Lierhaus die Bühne. Sie hatte sichtlich Mühe beim Gehen. "Es ist tatsächlich lange her, dass ich auf einer Bühne stand, unter diesen Voraussetzungen ohnehin schon mal gar gar nicht", sagte Lierhaus. "Und jetzt kann ich es kaum fassen. Da bin ich!"

Lierhaus dankte ihrer Familie und ihrer Krankenschwester sowie der ARD, die immer zu ihr gehalten habe. Netzer hatte sie zuvor ein "Kronjuwel der ARD" genannt und Lierhaus' Geschichte einen "Schicksalsschlag, der ganz Deutschland erschüttert hat".

Heiratsantrag an Lebensgefährten

Lierhaus sagte in ihrer Rede, dass sie sehr hart arbeite, um irgendwann wieder vor der Kamera stehen zu können. "Ab heute möchte ich wieder an meiner Zukunft arbeiten, mich engagieren und mir neue Aufgaben suchen."

Nach der Rede, es war bereits nach 23 Uhr, holte sie ihren Freund zu sich ans Rednerpult. "Kannst du dir nicht denken, was jetzt kommt?", fragte sie ihn. Hellgardt war überrascht, sagte "nein" - und wurde dann wie die Zuschauer im Saal und an den Fernsehern von einem sehr bewegenden Moment überwältigt. "Ich würde vor dir auf die Knie gehen, wenn ich könnte. Aber das geht im Moment nicht so. Ich möchte dich fragen, ob du mich heiraten möchtest." Rolf Hellgardt sagt, ohne zu zögern "Ja". Und fiel anschließend vor ihr auf die Knie.

Schnelle Rückkehr war geplant

Anfang 2009 hatte Lierhaus nur eine kurze Auszeit für eine Operation geplant. Ein Aneurysma im Gehirn sollte geschlossen werden. Vereinfacht ausgedrückt ist das eine stark erweiterte Arterie, die drohte zu platzen. Der Eingriff ist alles andere als eine Routine-Operation. Aber Lierhaus wollte das Risiko eingehen und ließ sich im Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg operieren.

Zum Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga wollte sie wenige Wochen nach der Operation wieder für das ARD-Publikum da sein. Doch daraus wurde nichts, weil bei der OP Komplikationen auftraten. Lierhaus erlitt eine Hirnblutung, die zwar gestoppt werden konnte, aber die Moderatorin wurde in ein künstliches Koma versetzt - vier Monate lang. Dabei verlor sie nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern musste auch das Sprechen wieder lernen.

Reha am Bodensee

Einen Großteil ihrer Reha verbrachte sie in einer Klinik am Bodensee. Unterstützt von ihrem Freund Rolf Hellgardt, früher Kabel1-Programmdirektor und inzwischen selbstständig, ihren Eltern, ihrer Schwester Eva, ihren Freunden und ihrer Dalmatinerhündin Lucy erlernte sie dort wieder Bewegungen. Zunächst war sie noch auf den Rollstuhl angewiesen, lernte dann wieder gehen, fuhr Monate später mit einem Liegefahrrad. Sie musste viel trainieren und hat manche Übungen regelrecht gehasst. "Aber es gab ja keine Alternative", sagte Lierhaus jetzt zur "Bild am Sonntag".

Öffentlich will sich Monica Lierhaus nicht zu ihrer Krankheit und zu ihrem Gesundheitszustand äußern. In der vergangenen Woche traf sie sich mit Reportern der Bild am Sonntag, die wie auch die "Goldene Kamera"-Ausrichterin "Hörzu" im Springer Verlag erscheint. Ein, zwei Fotos, ein paar kurze Zitate – ein ausführliches Interview möchte sie nicht geben. ARD-Programmdirektor Volker Herres ließ am Samstagabend ausrichten: "Wir freuen uns sehr, dass es Monica Lierhaus mittlerweile wieder gut genug geht, um im Fernsehen auftreten zu können." Weiteres zu diesem Thema soll es am kommenden Dienstag um 14.30 Uhr bei einer Pressekonferenz in Köln geben, im Anschluss an die Sitzung der ARD-Intendanten.

Interviews mit Jogi Löw

Die charmante Lierhaus mit den rötlichen Haaren sorgte ab Januar 2004 in der Welt der Fachsimpler und Stammtisch-Philosophen für Aufsehen. Mit ihrer ruhigen Art war sie eine wohltuende Abwechslung. Sie war stets bestens auf Gesprächspartner aus der Welt des Fußballs, des Radsports (Tour de France) oder Skisports vorbereitet.

Vor allem Interviews mit Bundestrainer Joachim Löw machten sie einem Millionen-Publikum bekannt. Während der Fußball-WM 2006 war sie eines der Gesichter des deutschen "Sommermärchens". Für die ARD berichtete sie auch von den Olympischen Spielen oder noch Anfang 2009 von der Vier-Schanzen-Tournee.

Die Hamburgerin studierte in ihrer Heimatstadt Anglistik und Germanistik. Ihre Fernsehkarriere begann sie beim Privatsender Sat.1, wo sie in den 90er Jahren das Boulevardmagazin "Blitz" oder Nachrichtensendungen und ab 1999 zwei Jahre lang die Fußballsendung "ran" moderierte. Außerdem war sie für den Bezahlsender Premiere tätig.

Keinen Oscar, aber eine Kamera

Beim ZDF machte sie einst einen Abstecher in die Unterhaltung und präsentierte zusammen mit Joachim Bublath "Die große Knoff-hoff-Show" und mit Bodo Hauser die Krimishow "Ein mörderisches Spiel".

Im Jahr 2007 wagte Lierhaus einen schauspielerischen Ausflug in zwei Folgen der ARD-Serie Sturm der Liebe. "Einen Oscar werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr bekommen", sagte sie damals. Jetzt hat sie einen Ehrenpreis bei der Goldenen Kamera bekommen - der galt ihrer Tapferkeit und Zuversicht.

swd/mit DPA