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Kolumne

Lilli Hollunder: Sind wir nicht alle ein bisschen Markenflittchen?

Und noch ein Werbe-Link: Spielerfrau Lilli Hollunder könnte problemlos als Influencerin Geld verdienen. Über den Spagat zwischen Markenbotschaften und spannenden Blog-Inhalten.

Von Lilli Hollunder

Lilli Hollunder

Man sieht den Hund vor lauter Werbung kaum: Lilli Hollunder könnte auf Instagram fast alles vermarkten

Es begann alles so vielversprechend. Hübsche junge Frauen stellten uns auf ihren Blogs und -Seiten ihren ganz persönlichen Geschmack vor. Man bekam Tipps, von welcher Marke der Anhänger stammte, Geheimtipps, wo das coole T-Shirt zu finden war, geheimere Geheimtipps, ob Karo-Muster kommenden Winter an den Körper oder in die Tonne gehörte.

Es wurde mehr gezeigt als nur Klamotte. Denn jedes äußere Erscheinungsbild spiegelt eine Persönlichkeit wieder. Wenn aber mit steigender Followerzahl die Firmen kommen und mit ein paar hübschen Scheinen wedeln, wird aus der Präsentation des eigenen Geschmacks mal ganz schnell eine ewige Werbesendung. Wie soll man bei der Flut an Kooperationen, die ein Blogger mit sich bringt, dann noch unterscheiden: Mag er das wirklich? Oder wird er einfach nur gut bezahlt?

Lilli Hollunder bekommt Angebote für Influencer-Postings

Ich habe vor kurzem die 7000er Marke auf Instagram geknackt. Als so genannter Mikro-Influencer bekomme auch ich jetzt hin und wieder mal Angebote. Und ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass es verlockend ist, mal eben schnell ein wenig Geld zu verdienen, indem man ein, zwei Fotos postet. Ich verstehe, dass es schwer ist, nicht zum Markenflittchen zu werden. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Mich jedenfalls langweilen die vielen erfolgreichen Blogger. Von Individualität kann da keine Rede mehr sein. Sie tragen alle dieselben Klamotten. Neben ihrem Kaffee-Art-Cappuccino findet sich immer wie zufällig eine teure Handtasche. Heute laufen sie für die edelsten Designer über den Laufsteg und morgen werben sie für Gesundheitsschuhe. Ist das noch glaubwürdig? Ich kann weder erkennen, wofür sie wirklich stehen, noch denke ich, dass dieses Modell auf lange Sicht Erfolg hat.

Es ist eine Herausforderung, sich treu zu bleiben

Die Kunst ist es, sich treu zu bleiben und nicht mal eben kurz Fan von einem Pullover zu sein, den ich im wahren Leben noch nicht mal meiner Oma schenken würde. Daher verspreche ich hiermit feierlich, meine geliebten Millionen Follower, die ihr mich liebt und bewundert und am liebsten die Luft atmen würdet, die ich atme, dass ich Lilli Adler-Hollunder, geboren im schönen Leverkusen im herrlichen Monat Mai, in dem die Knospen mein Herz zum Leuchten bringen, meinen exzellenten ganz eigenen Geschmack auf ewig zu lieben und zu achten und euch nur Dinge ans Herz zu legen, die mir wirklich, wirklich gut gefallen und/oder ich so außerordentlich gut bezahlt werde, dass ich nicht nein sagen kann. Schenkelklopfer, kleiner Scherz… Im Ernst, sich in dieser ganzen noch so jungen Social-Media-Welt treu zu bleiben, ist eine riesen Herausforderung. Aber ich bin mir sicher, dass es der Trend von morgen ist!


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