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Lindsay Lohan vor Gericht: "Icecold Fox" kennt keine Gnade

Sie kam in 2000-Dollar-Schuhen, gab sich ansonsten aber ungewohnt dezent. Keine Spur von "F**k You" auf den Fingernägeln. Doch die Zurückhaltung half Schauspielerin Lindsay Lohan nicht, der Richter machte kurzen Prozess. Der nächste Akt im Drogen-Drama spielt im Frauenknast.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die Sonne scheint in Los Angeles. Es ist Freitagmorgen, 9.19 Uhr Ortszeit. Zwei schwarze Escalade SUVs rollen vor das Gerichtsgebäude in Beverly Hills. Wie bei einem Roter-Teppich-Event stehen hunderte von Reportern aus der ganzen Welt Spalier. Noch einmal kurz durchatmen, dann endlich: Die Tür öfffnet sich, Lindsay Lohan tritt auf den Gehsteig. Showtime! Blitzlichtgewitter, das Rattern der Rotorblätter der Hubschrauber über den Köpfen. Lohan stolziert Richtung Gerichtseingang. Ein Catwalk, den sie nur zu gut kennt.

Schwarzer Blazer, schwarze Bluse, cremefarbener Designer-Rock: Ungewöhnlich dezent tritt "Drogen-Lindsay", wie sie dieser Tage hämisch gerufen wird, an diesem Freitag auf. Nur die übergroße Sonnenbrille und die hochhackigen Schuhe mit knallroten Sohlen von Christian Louboutin (2000 Dollar das Paar!) deuten an, dass hier ein Hollywood-Starlet einmarschiert.

Ein Fan hebt ein Schild: "Don't mess with the Lohan" ­(Nehmt es nicht mit Lohan auf). Die Hauptdarstellerin ignoriert es. Vier Bodyguards ebnen ihr den Weg durch die Security. Arme hoch, rein in den Gerichtssaal. Richter Elden Fox wartet schon. Die Anhörung findet diesmal ohne Kameras statt. Der Richter will es so. Im Saal zeigt sich Lohan devot. Sie sitzt neben ihrer Anwältin und Mama Dina Lohan. Die Fingernägel gepflegt, kein "F**k You" drauflackiert, wie beim letzten Mal.

Die schnelle Wende

Lohan in ihrer besten Hollywood-Rolle. Sie weiß, sie hat den Bogen übespannt. Die jüngsten positiven Drogentests ­ im Blut waren Spuren von Kokain und Adderall (ein Amphetamin) gefunden worden ­könnte sie direkt wieder ins Frauengefängnis von Lynwood schicken. Aber die Schauspielerin wirkt ungewöhnlich gelassen. Ihre Anwälte haben ihr gesagt, dass es sich um ein Vergehen handelt, das in der Regel nicht mit Gefängnis bestraft wird.

Aber dann kommt es ganz schnell ganz anders. Richter Fox setzt die nächste Anhörung für den 22. Oktober an. Lohan-Anwältin will ihn um eine Woche nach hinten verschieben. Fox kontert: "Ich würde Ihnen wirklich raten, den Termin am 22.Oktober so stehen zu lassen." ­ Grund für sein Beharren: Er weiß, dass er "LiLo" gleich ins Gefängnis zurückschicken wird. Und er weiss, dass sie höchstwahrscheinlich bis zur nächsten Anhörung einsitzen muss. Weitere Argumte der Verteidigung lässt "Icecold Fox" nicht zu. Er hebt die Hand. "Wir werden eine weitere Anhörung für den 22.Oktober ansetzen. Bis dahin bleibt Frau Lohan in Verwahrung." Ende, Aus, Vorbei.

Lindsay Lohan unter Schock. Ein kurzer fragender Blick zur Anwältin. Dann kommt auch schon der Justizbeamte. Wenn ein Richter ein Urteil spricht, dann geht alles ganz schnell in den USA. Lohan verschränkt die Arme hinter dem Rücken, die Handschellen klicken. Keine Tränen diesmal, nur blankes Entsetzen und der Hauch einer Anerkennung im Gesicht. "LiLo" resigniert. Leise verschwindet der gefallene Star durch die Hintertür. Ohne zu Murren, ohne Emotionen. Ein letzter Blick zur Mama. Die beisst die Lippen zusammen. Lindsay Lohan wird in einen Polizeitransporter verfrachtet und sofort ins Frauengefängnis nach Lynwood gebracht.

Schlussakt mit Vater

Der letzte Akt in dem Drama spielt sich vor dem Gericht ab. Vater Michael Lohan gibt seine übliche Pressekonferenz. "Ich bin total geschockt", so Vater Lohan. "Die zerstören das Leben meiner Tochter. Ich wäre liebend gerne für sie ins Gefängnis gegangen", ruft er in die Mikrofone und zerrt einen ominösen "Geistlichen", der sich als "Reverend" ausgibt, vor die Mikrofone. "Lindsay muss Gott finden. Und sie muss Michael zurücklassen in ihr Leben", sagt der.

Aber die Journalisten bauen schon ihre Mikrofone ab. So richtig ernst nehmen sie diese Inszenierung nicht mehr. Und die nächste Story spielt sich ohnehin ganz woanders ab: im Frauengefängnis in Lynwood.

  • Frank Siering