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Lindsay Lohan vor Gericht: Marilyn aus der "Rocky Horror Picture Show"

Der Auftritt von Lindsay Lohan sorgt in den USA für Gesprächsstoff. Das luftige Marilyn-Monroe-Kleidchen und die unglückliche Rouge-Attacke auf ihren eingefallenen Wangen schienen nicht unbedingt der passende Look für eine reuige Sünderin.

Von Frank Siering, Los Angeles

Und wieder einmal klickten die Handschellen im Gerichtssaal. Lindsay Lohan kennt das Prozedere mittlerweile nur zu gut. Doch Hollywood bewegte gestern, als die 25-Jährige wieder einmal wegen diverser Verstöße gegen ihre unzähligen Bewährungsauflagen vor Gericht erscheinen musste, eigentlich nur zwei Themen wirklich: Was sollte der Marilyn-Monroe-Look, mit dem grauenhaften Make-up im Gesicht? Und muss La Lohan jetzt tatsächlich als Auflage des Gerichts Leichen waschen?

Kurz bevor Richterin Stephanie Sautner die Bewährung von Hollywoods Bad Girl aufhob und der Skandalnudel, die in einem völlig unpassenden, luftigen Kleidchen vor Gericht erschienen war, ordentlich die Leviten las, forderte sie eine Therapie, einen Besserungskurs für straffällige Ladendiebe und 480 Stunden Sozialdienst in einem Frauen- und in einem Leichenschauhaus.

Nach Informationen des Los Angeles County Sheriff's Department wird Lohan allerdings nicht direkt mit Leichen oder Leichenteilen in Kontakt kommen. Ed Winter ist Sprecher des Sheriff Departments. Er sagte: "Frau Lohan wird höchstwahrscheinlich nur den Müll ausleeren, den Teppich saugen und die Toiletten säubern." Ob sich das gefallene Filmsternchen tatsächlich auf diese Aufgaben einlassen wird, blieb gestern noch ungeklärt.

Mit Putzmob und Gummihandschuhen

Genauso wie die Antwort auf die Frage, wer Lohan für den gestrigen Gerichtstermin geschminkt hatte. Diverse Unterhaltungssendungen in Amerika sowie unzählige Webseiten konzentrierten sich fast ausschließlich auf den "Rocky Horror Picture Show"-Look von Lohan und kümmerten sich kaum um die eigentliche Anhörung.

Die endete zwar mit dem Klicken von Handschellen im Saal, aber dann doch auch irgendwie wieder wie ein Hollywoodfilm. Noch im Hinterzimmer des Gerichtsaals hinterlegte Lohan 100.000 Dollar Kaution und ließ sich als freie Bürgerin in einer großen schwarzen Limousine zurück nach Venice Beach kutschieren.

Ihren neuen Job als Putze im Leichenschauhaus muss Lohan am heutigen Donnerstag antreten. Gummihandschuhe und Putzmob werden von der Institution gestellt. Kaugummi und Kameras sind im Leichenschauhaus nicht erlaubt. Bis zum 2. November, dann ist die nächste Anhörung anberaumt, darf sich Lohan nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Sollte sie doch bei einer kriminellen Handlung ertappt werden, wandert sie automatisch ins Gefängnis.

Ausgezeichnetes psychologisches Gutachten

Im Leichenschauhaus muss Lohan eine achtstündige Schicht schieben. Normalerweise beginnt der Arbeitsalltag für die Angestellten hier um acht Uhr morgens und endet gegen 16 Uhr. Die Mittagspause ist 30 Minuten lang.

Lindsay Lohan hatte im Mai den Diebstahl einer Halskette gestanden. Damit hatte sie gegen frühere Bewährungsauflagen verstoßen. Sie stand mehrere Wochen unter Hausarrest. Unlängst wurde Lohan vom Job in einer Notunterkunft für Frauen in Los Angeles gefeuert, weil sie gleich neun vereinbarte Arbeitstage einfach ingoniert hatte.

Interessant ist auch, dass Lohan trotz öffentlicher Fehltritte und ganz offensichtlicher privater Probleme gestern vor Gericht ein ausgezeichnetes psychologisches Gutachten ausgestellt wurde. Von einer Psychologin, die sich angeblich in den letzten Monaten jeden Dienstag mit der 25-Jährigen persönlich zu einer Sitzung getroffen haben soll.

Besinnung im Leichschauhaus

"Komisch nur, dass Frau Lohan in der Zeit vom 9. September bis zum 5. Oktober in Europa unterwegs war", zweifelte Richterin Sautner den Wahrheitsgehalt des Berichts an. "Wie konnte sie denn da zu persönlichen Sitzungen mit einer Therapeutin in Los Angeles erscheinen? Ist sie da mal eben schnell über den Ozean gebeamt worden?", fügte Sautner ironisch und sichtlich genervt hinzu.

Lindsay Lohan blickte wie immer geschockt und von allen völlig missverstanden in die Runde. Vielleicht bringt sie die Beschaulichkeit des Leichenschauhauses jetzt endlich auf den Boden der Realität zurück?