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Interview

Instagram-Zwillinge: Social-Media-Stars Lisa und Lena: "Leute, die uns doof finden, brauchen wir nicht in unserem Leben"

Sie haben mehr als 15 Millionen Follower: Die Zwillinge Lisa und Lena Mantler, 17, zählen zu den größten Internet-Stars Deutschlands. Im stern-Interview erzählen sie, warum sie gar keine Influencer sein wollen, wie sie mit fiesen Kommentaren umgehen und wieso sie sich sozial engagieren.

Interview: Miriam Khan

Mit Musikvideos sind sie groß geworden: Die Zwillinge Lisa (l.) und Lena Mantler

Mit Musikvideos sind sie groß geworden: Die Zwillinge Lisa (l.) und Lena Mantler

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Lisa, Lena, die meisten Menschen kennen euch aufgrund von Social Media. Aber jetzt habt ihr kürzlich Schluss gemacht mit TikTok, der Plattform, die euch einst groß gemacht hat. Warum?

Lisa: Am Ende haben wir einfach den Spaß verloren. Als dann noch die App verkauft wurde, haben wir gemerkt, dass es an der Zeit ist etwas anderes zu machen und sich weiterzuentwickeln.

Millionen Menschen folgen euch auf Instagram und Co. Man könnte sagen, ihr habt Vorbildcharakter, oder?

Lena: Wenn dir so viele junge Menschen in den sozialen Medien folgen, bekommst du automatisch eine große Verantwortung. Oft sagen uns Kinder: Ihr seid meine Vorbilder. Das ist natürlich eine große Ehre, aber auch eine Verantwortung, die man nicht unterschätzen sollte. Deshalb achten wir auch immer sehr darauf welche Inhalte wir, egal ob als Video, Bild oder Text, ins Netz stellen.

Wie bleibt man in dieser Scheinwelt, wo es nur um möglichst viele Likes geht, authentisch?

Lisa: Mir hilft meine Jugendgruppe, meine Kirche und meine Familie. Wenn ich da bin, tanke ich total auf. Und natürlich die Tatsache, dass wir zu zweit sind.

Lena: Genau. Die eine holt die andere schon wieder runter. Und ich bin dankbar, dass die Leute in unserem Umfeld ehrlich mit uns sind. Die sagen uns schon, wenn sie irgendetwas blöd fanden, was wir gemacht haben.

Ihr macht alles selbst?

Lisa: Ja, komplett. Wir lassen uns nicht vorschreiben, was wir machen und wie wir es machen. Das war uns schon immer wichtig. Das Gute ist: Wir sind zu zweit und können uns absprechen. Oft stimmen wir uns aber auch mit unserer Familie ab.

Lena: Wir wollen grundsätzlich nichts Negatives verbreiten. Wir wollen keinen Streit auf unseren Profilen. Klar passiert es, dass jemand einen doofen Kommentar hinterlässt. Und das passiert auch öffentlich. Aber wir lassen uns darauf nicht ein.

Habt ihr mal einen richtig üblen Shitstorm abbekommen?

Lena: Zum Glück nicht. Da sind wir echt dankbar. Aber vielleicht ist das auch so, weil wir nicht so polarisieren. Klar gibt es manchmal Gerüchte, die im Umlauf sind, aber auch darauf gehen wir nicht ein. Weil das allein ist ja das Ziel der Trolls und Hater. In der Regel ignorieren wir die einfach. 

Lisa: Aber trotzdem gibt es Hater, die gibt es immer. Egal ob du in der Öffentlichkeit bist oder nicht. Oft steckt einfach Neid dahinter. Wenn jemand dich nicht mag oder gemein zu dir ist, warum ist derjenige so? Meisten ist es Neid.

Und wie geht ihr damit um, wenn ihr Quatsch oder fiese Gerüchte über euch in der Presse lest?

Lena: Auch ignorieren.

Geht euch das nicht nahe? Werdet ihr nicht wütend?

Lena: Am Anfang ist uns das tatsächlich schwer gefallen, weil man noch nicht die Mechanismen verstanden hat, die dahinter stecken. Aber wir haben dazugelernt: Die Leute, die uns wirklich kennen, wissen, was wahr ist und was nicht. Und ich glaube, das zählt am meisten.

Könnt ihr da wirklich komplett drüberstehen?

Lisa: Es ist ein ständiger "struggle" (Kampf, Anm. d. Red.) und es kommt immer darauf an, worum es geht. In der Pubertät war ich noch oft verunsichert, wenn jemand geschrieben hat: "Du bist hässlich". Heute denke ich mir nur "Ok, man muss ja auch nicht jeden schön finden." Generell kann man sagen: Wenn es ums Aussehen geht, ist es mir egal. Wenn uns aber von Menschen, die wir überhaupt nicht kennen, vorgeworfen wird, wir wären arrogant oder abgehoben, geht mir das schon nah. Da frage ich mich dann schon manchmal: "Was hat man dir getan, dass du so über mich denkst" Aber ja… irgendwie muss ich damit umgehen.

Wie machst du das?

Lisa: Mir hilft mein Glaube. Meine Familie. Und ich habe das mit der Zeit einfach gelernt. Die Leute, die mich doof finden, die brauche ich nicht in meinem Leben. Auch wenn das manchmal verletzend ist, weil ich die Leute mochte. Das ist dann schade. Aber es ist mein Leben und ich möchte es nicht danach leben, was andere von mir denken.

Welche Schlagzeile würdet ihr gerne mal über euch lesen?

Lena: Lisa und Lena sind sich immer treu geblieben und haben viele andere motiviert. Sowas würde ich gerne lesen. Unsere Message halt.

Und die Message ist?

Lena: Be yourself. Gerade in unserem Alter hadern viele mit sich selbst. Fragen sich: Wer bin ich eigentlich? Da wollen wir dann sagen: Ganz egal, wer du bist, sei du selbst! Du bist nicht allein damit.

Social Media: Mit diesen Tricks wirst du zum erfolgreichen Influencer

Werdet ihr manchmal abgestempelt als Instagram-Girls, die sonst nichts machen und können?

Lisa: Klar, das kommt vor. Dabei ist ja gar nicht unser Ziel, Instagram zum Hauptberuf zu machen. Wir machen es, weil es uns Spaß macht. Wir haben aber großen Respekt vor Influencern, die das hauptberuflich machen. Viele von denen sind super kreativ und lassen sich jeden Tag tolle Postings einfallen.

Lena: Das ist Entertainment. Youtuber, das sind oft Leute, die sind Schauspieler, Cutter, Regisseure, Entertainer, Moderatoren in einem. Ich finde es schade, dass das nicht mehr geschätzt wird.

Das heißt, ihr habt andere Berufswünsche?

Lisa: Ja. Wir wollen schauspielern und moderieren. Social Media wollen wir nutzen, um auf Sachen aufmerksam zu machen, die uns am Herzen liegen.

Ja, ihr engagiert euch sozial, zum Beispiel bei "High Five". Warum?

Lena: Wir wollen den Kids zeigen: Wir skaten selbst. Und auch wir sind Anfänger und nehmen genau wie die Kids hier am Kurs teil. Und es ist vollkommen okay, wenn du mal auf die Schnauze fällst. Du musst nur wieder aufstehen. 

Wann habt ihr mit dem Skateboarden angefangen?

Lena: Vor einem Jahr, aber dadurch, dass wir so viel reisen, ist das schwierig. Wir kommen nicht regelmäßig genug zum Üben. Manchmal hab ich das Gefühl, wir fangen immer wieder von Neuem an. Aber immer, wenn wir die Zeit irgendwo finden, nehmen wir unser Skateboard mit und skaten einfach los. Deswegen freuen wir uns, das Projekt hier mitzumachen.

Was ist das Besondere am Skateboarden?

Lena: Es ist einfach ein chilliger Sport. Eine coole Community. Man hilft sich gegenseitig. Wenn einer hinfällt, kommt ein anderer und sagt: "Komm, steh auf, mach weiter."

Profi-Skateboarder, wäre das auch ein Job für euch?

Lisa: Nee, das ist ein Hobby.

Lena: Man darf da nicht verkrampft rangehen. Klar ist es cool, ein paar Tricks zu können, aber da darf man sich nicht reinsteigern, sonst stellt man sich selber ein Bein.

Lisa: Aber den Ollie richtig hinzubekommen ist schon auf meiner Liste.

Lena (l.) und Lisa Mantler mit Skatboard-Legende Tony Hawk, der sich ebenfalls für "Lareus Sport for Good" engagiert

Lena (l.) und Lisa mit Skateboard-Legende Tony Hawk, der sich ebenfalls für "Lareus Sport for Good" engagiert

Getty Images

Was gibt euch der Sport?

Lisa: Durch Sport lernst du Gemeinschaft.

Lena: Gerade als Teenager bist du oft verunsichert. Wie beim Skateboarden. Du traust dich vielleicht nicht, den Drop-In zu machen. Oder du bist kurz davor, aufzugeben. Und dann kommt ein anderer Skater, motiviert dich und hilft dir. Im Sport bist du fast nie allein.

Lisa: Und der Stolz! Wenn du es dann geschafft hast, bist du so stolz.

Lena: Und Geduld. Geduld mit dir selbst. Das lernt man auch.