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Madeleine von Schweden heiratet: Die Prinzessin und der Banker

Sie hatte schon einmal Pech in der Liebe. Ganz Schweden hofft, dass Madeleine mit Chris O'Neill mehr Glück hat. Doch ist der Sunnyboy gut genug für die schöne Prinzessin? Viele zweifeln.

Von Jens Maier

Sie kann wieder strahlen. Zärtlich kuschelt sie sich an ihren neuen Traumprinzen. Die beiden scherzen und lachen. Sie schaut lächelnd zu ihm auf, er legt fürsorglich seine Hand um ihre Taille. Das offizielle Verlobungsfoto soll keine Zweifel lassen: Es ist Liebe. Drei Jahre nach der schmerzlichen Trennung von ihrem ehemaligen Verlobten Jonas Bergström hat die Prinzessin offenbar ihr Glück gefunden. Im Sturm eroberte der Banker Chris O'Neill ihr Herz. Mit den Schweden hat er weit weniger Glück.

Am Samstag heiratet die jüngste Tochter von König Carl Gustaf und Königin Silvia den britisch-amerikanischen Geschäftsmann Christopher O'Neill, genannt Chris. Wie bereits ihr Vater und ihre Schwester, Kronprinzessin Victoria, ehelicht die 30-Jährige einen Bürgerlichen. Der 1974 in London geborene O'Neill ist der Sohn eines amerikanischen Investmentbankers († 2004) und einer Österreicherin. Blaues Blut besitzt er nicht, aber jede Menge Geld.

Sunnyboy und windiger Geschäftsmann

Mit 14 Jahren schicken ihn seine Eltern auf das Elite-Internat Rosenberg im schweizerischen St. Gallen. 75.000 Franken im Jahr kostet das Schulgeld dort. Bei guten Leistungen dürfen Schüler dafür mit dem hauseigenen Bentley fahren. Für den jungen O'Neill offenbar Ansporn genug, fleißig zu sein - und der Beginn einer steilen Karriere. Nach dem Studium in New York und Boston ist er für renommierte Finanzunternehmern tätig und wird Partner beim Hedgefonds "Noster Capital". O'Neill ist ehrgeizig, erfolgreich und gutaussehend - ein Mann zum Heiraten. Trotzdem sind viele Schweden entsetzt über Madeleines Männerwahl.

Er sei ein verwöhnter Emporkömmling, der sein Geld mit Heuschrecken verdiene, so lautet der Vorwurf im sozial eingestellten Skandinavien. Als bekannt wird, dass sein Fonds auf den Cayman-Inseln angemeldet ist, um Steuern zu sparen, löst das einen Sturm der Entrüstung aus. Boulevardblätter kramen in der Vergangenheit O'Neills und werden fündig. Beweisfotos sollen seinen zügellosen Lebenswandel dokumentieren: Partys, Drinks, Frauen. Und so einer will unsere Prinzessin heiraten? Unmöglich, befindet die schwedische Öffentlichkeit.

Charmeoffensive soll Zweifler besänftigen

"Ich liebe ihn so sehr", sagt Prinzessin Madeleine wie zum Trotz. Sie lernt O'Neill über gemeinsame Freunde in New York kennen. Dorthin flüchtet die Prinzessin, nachdem sie 2009 von ihrem damaligen Verlobten Jonas Bergström betrogen worden war und das schwedische Königshaus die Verlobung löste. Madeleine leidet unter der Trennung, die von Boulevardmedien ausgeschlachtet wird. Für sie ist O'Neill der tapfere Ritter, der sie aus einem tiefen Tal der Tränen befreit. "Wir sind beide extrem glücklich und entzückt", sagt Madeleine, die mit ihrem Angetrauten in New York leben möchte.

Zu Hause soll eine neue Charmeoffensive das schwedische Volk doch noch von den Qualitäten O'Neills überzeugen. Er hat seinen Ausstieg aus dem umstrittenen Hedgefonds verkündet, verzichtet freiwillig auf den Titel "Prinz Chris" und die damit verbundene Apanage aus dem schwedischen Steuersäckel und er lächelt endlich. Der Mann, der in der Öffentlichkeit stets etwas steif und bedrückt ausschaut, wirkt wie ausgewechselt. Als am vergangenen Donnerstag die Schweden ihren Nationalfeiertag begehen, wagt er es sogar, bei einer Kutschfahrt zu winken - und erntet prompt Beifall.

O'Neill wird endlich warm mit den Schweden. Er und Madeleine werden niemals das Traumpaar sein, das Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Prinz Daniel sind - ihnen flogen die Herzen vom ersten Moment an zu, so rührend war ihre Liebesgeschichte, so ergreifend seine Tränen vor dem Traualtar.

Wenn Chris O'Neill am Samstag in der Königlichen Kapelle von Stockholm ja sagt, wird er nicht weinen. Aber Madeleine vielleicht. Sie hat einen Mann gefunden, mit dem sie ein eigenständiges Leben fernab des höfischen Protokolls in Schweden führen kann. Kein rührendes Happe End im Schloss, aber ein Triumph der Liebe.