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Männersuche: Drei Millionen für den Richtigen

Vor vier Jahren sorgte Janet Jacksons entblößte Brust für einen Skandal beim Super Bowl, dieses Mal dreht sich alles um Amy Borkowsky. Die New Yorkerin will via TV-Werbung während des Football-Finales einen Lebensgefährten finden. Einziger Haken: 30 Sekunden Werbung kosten drei Millionen Dollar.

Von Frank Siering, Los Angeles

Viele junge Frauen suchen ihren Mr. Right im Tennisclub, beim Tanz in der Disco, via Internet-Flirt oder einfach nur auf Partys. Nicht so Amy Borkowsky. Sie glaubt, eine viel bessere Idee zu haben, um endlich den Mann fürs Leben zu finden. Die 42-jährige New Yorkerin will via Fernseh-Werbung ihren Lebenspartner ausfindig machen. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Reklame. Borkowsky möchte einen 30-Sekunden-Spot während des Super Bowl, dem Endspiel in der amerikanischen National Football League (NFL), schalten. Das Sportspektakel, bei dem in der Regel 85 Prozent aller US-Haushalte einschalten, davon mehr als 60 Millionen Männer im Alter von 18 bis 50, findet am 1. Februar in Tampa, Florida, statt und gilt als das teuerste Werbeumfeld im amerikanischen Fernsehen. Ein Werbespot von 30 Sekunden kostet in der Regel drei Millionen Dollar.

Düsteres Single-Leben in New York

Die ehemalige Werbefachfrau Borkowsky wohnt in Manhattan, in der mondänen Upper East Side von New York. "In Manhattan", sagt sie, "leben nach Angaben der letzten Volkszählung 100.000 mehr Single-Frauen als Männer." Mit der Serie "Sex and the City", in der Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker und ihre Freundinnen ständig neue Männerbekanntschaften machen, hat das echte New Yorker Leben nicht viel zu tun, sagt Borkowsky. "Die Realität für alleinstehende Frauen sieht wesentlich düsterer aus", weiß die 42-Jährige.

Nun ist die Frau, die mittlerweile auch ihre eigene Website gelauncht hat (SuperBowlSingleGirl.com), keine Spinnerin oder jemand mit irrsinnigen Vorstellungen von einem Lebenspartner. "Ich bin ziemlich normal, habe einen guten Job und einen gesunden Kopf auf den Schultern", so Borkowsky. Die Idee mit dem Werbespot während des Super Bowl kam ihr, nachdem sie sich die demografischen Fakten angesehen hatte. "Wenn nicht hier, wo dann?", war die logische Frage, die sich Borkowsky stellte, bevor sie mit den Spendenaufrufen begann. Die New Yorkerin legt Wert darauf, mit einem Schlag relativ viele Männer kennenzulernen, damit die Auswahl am Ende so groß wie möglich ist. Bei 60 Millionen Männern, die während des Super Bowl vor dem Fernseher sitzen, scheinen diese Voraussetzung tatsächlich gegeben. Aber die Kritiker stehen schon Schlange. Kurz nachdem Borkowsky ihre Website gestartet hatte, stürzten sich diverse Blogger auf die Heiratswütige. "Sie hätte ihre Site lieber "IHaveADumbIdeaAndNeedAttention.com" ("Ich habe eine dämliche Idee und brauche Aufmerksamkeit") nennen sollen", schrieb Debbie Schussel. Andere Blogger folgten. Amy Borkowsky hatte so praktisch über Nacht einen viralen Werbesturm im Internet ausgelöst. Das amerikanische Frühstücksfernsehen lud sie ein, Tyra Banks setzte sie sogar in ihre Talk-Show. "Mein Ziel war es, mich wie ein Produkt auf dem Markt zu platzieren. Das ist mir gelungen", so Borkowsky.

Was ihr bisher nicht gelungen ist, ist das Einsammeln von drei Millionen Dollar. Und die Zeit drängt. Noch sind knapp zehn Werbeslots für den Super Bowl verfügbar, "aber dieses Sportereignis ist das meistgeschaute Event des Jahres. Die Slots werden nicht mehr lange zur Verfügung stehen", sag NBC-Sprecher Brian Walker. Knapp 3000 Dollar hat Amy Borkowsky bisher offiziell gesammelt. Dabei hat die 42-Jährige die Spendenaufrufe auf ihrer Website sogar in verschiedene Kategorien eingeteilt. Vom "Nickel-Level" (Spende von 20 Dollar) bis hin zum "Palladium Level" (10.000 Dollar). Für eine solche Summe würde der edle Spender, so er denn nicht sogar selbst als Ehemann in Frage kommt, zumindest eine Einladung zu Borkowskys Hochzeit bekommen.

Den ersten Heiratsantrag gab es bereits

Doch selbst wenn Borkowsky das restliche Geld bis Ende Januar zusammenbekommt und einen lustigen Werbefilm basteln lässt, so ist noch nicht garantiert, dass der Spot auch gesendet wird. "Wir nehmen uns das Recht vor, die Spots vorher abzunehmen", sagt Ausrichter NBC. Aber NBC-Sprecher Walker fügt hinzu: "Wenn Mrs. Borkowsky es tatsächlich schaffen sollte, diese Werbung auf die Beine zu stellen, dann sind wir bereit, sie wohlwollend in Betracht zu ziehen." Eine Alternative hat sich die Frau aus Manhattan auch schon ausgedacht. "Vielleicht ist ja einer der NBC-Werbepartner bereit, mich in einem ihrer Spots auftreten zu lassen, damit ich meinen Ehemann finden kann", so Borkowsky. Aus NBC-Kreisen ist zu hören, dass dieses Angebot tatsächlich Chancen hat, realisiert zu werden. Denn Amy Borkowsky hat vielleicht noch keine drei Millionen Dollar einsammeln können, aber durch ihre offensive Taktik ist sie zum Gesprächsthema in den Medien geworden. Ein Millionär aus Baltimore hat Borkowsky jetzt sogar einen Heiratsantrag gemacht, den die 42-Jährige bisher allerdings nicht angenommen hat. "Ich möchte erst gucken, was sonst noch so im Angebot ist", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

  • Frank Siering