Es war eine Serie mit Starbesetzung, geschrieben vom legendären Filmemacher Helmut Dietl: Gerade einmal sechs Folgen hatte die Persiflage „Kir Royal“, die die Münchner Klatschpresse aufs Korn nimmt. Und nur eine einzige Folge davon reichte aus, um Mario Adorf zu Kultstatus zu verhelfen. Genauer gesagt: ein etwa 90-sekündiger Monolog.
Als steinreicher Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher steht Adorf im Bademantel vor dem Hauptprotagonisten der Serie, dem Klatschreporter, Jakob „Baby“ Schimmerlos (gespielt von Franz Xaver Kroetz). Haffenloher will unbedingt in die Schlagzeilen, Schimmerlos eigentlich nicht über ihn schreiben. Was dann folgt, ist eine Szene, die in die deutsche Fernsehgeschichte eingeht. Mit breitem, rheinischem Dialekt setzt Haffenloher Schimmerlos unter Druck, versucht, ihn zu bestechen.
Mario Adorf in „Kir Royal“: Der legendäre Szene im Wortlaut:
„Schimmerlos! Ich mach’ dich nieder, Schimmerlos. Wenn du mich jetzt hier stehen lässt, wie 'en Deppen – dann mach’ ich dich nieder.“
„Was?“
„Ich ruinier’ dich. Ich mach’ dich fertig. Ich kleb’ dich zu von oben bis unten.“
„Ah, mit deinem Kleber.“
„Mit meinem Geld. Ich kauf’ dich einfach. Ich kauf’ dir ’ne Villa. Da stell’ ich dir noch ’en Ferrari davor. Deinem Weib schick ich jeden Tag ’ne Fünfkaräter. Ich schieb’ es dir hinten und vorne rein. Ich scheiß’ dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash. Im Koffer. Das schick’ste zurück. Einmal. Zweimal. Vielleicht sogar ’en drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr. Und irgendwann kommt dann mal der Punkt, da bist du so mürbe und so fertig und die Versuchung ist so groß – da nimmst ’es dir. Und dann hab’ ich dich. Da gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Ich mach’ mit dir, was ich will! Verstehste, Junge, ich bin dir einfach über. Gegen meine Kohle hast du doch gar keine Chance. Begreifst du das denn nicht, mein Junge? Mensch! Baby! Junge! Ich will doch nur dein Freund sein! Komm, und jetzt sag Heini zu mir!“
Mit der Rolle schaffte Adorf den Sprung vom typischen Leinwandbösewicht in das komödiantische Genre. Am 8. April 2026 starb der Schauspieler im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung.