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Stilkritik: Eine mit Nerz besetzte Badelatsche von Dolce & Gabbana für 500 Euro - wer trägt sowas?

Dolce & Gabbana vor Gericht: Das italienische Modelabel gewann den Plagiatsstreit mit Puma um eine mit Nerzfell besetzte Badelatsche. Das Luxusobjekt darf weiter verkauft werden – für 500 Euro! Doch wer verdammt trägt sowas?

Badeschlappen von Puma (links) und Dolce & Gabbana

Haste Fell am Bein, haste Fell am Bein! Die Badeschlappen von Puma (links) und Dolce & Gabbana

DPA

"Ich scheiß dich zu mit meinem Geld." Dieser Satz stammt aus der legendären Helmut-Dietl-Serie "Kir Royal". Mario Adorf sagt ihn als Millionen schwerer Kleberfabrikant Heinrich Hafferloh zum Boulevard-Reporter Baby Schimmerlos, gespielt von Fanz Xaver Groetz. Im mit Monogramm bestickten Bademantel steht Hafferloh am Pool, einen dicken Brillantring am Finger und den Champagner griffbereit (hier gibt's das Video). Adorf verkörpert den Inbegriff der Dekadenz. Einen unsympathischen, schmierigen Geschäftsmann, der jegliche Skrupel vermissen lässt. Ekelhaft.

Was trägt so einer an den Füßen? Hätte sie es damals schon gegeben, vielleicht die mit Nerzfell besetzte Badelatsche von Dolce & Gabbana. Sie haben richtig gehört. Das italienische Designerlabel pfeift auf jede politcal correctness und stellt nicht nur wärmende Jacken aus Pelz her, sondern klebt neuerdings auch Pelz auf Sandalen. Und zwar echtes Nerzfell. Ganz schön dekadent.

Puma verliert Rechtsstreit gegen Dolce & Gabbana

Beinahe wäre es zum Verkaufsstopp der dekadenten Badeschlappe gekommen. In einem Rechtsstreit hatte der deutsche Sportartikelhersteller Puma den Italienern vorgeworfen, das Produkt abgekupfert zu haben. Zusammen mit Popstar Rihanna hatte Puma vor zwei Jahren eine Sandale mit Kunstfell in bunten Pastelltönen herausgebracht. Auf ihr Produkt waren die Herzogenauracher offenbar so stolz, dass sie Dolce & Gabbana verklagten, als das Designerlabel eine ähnliche Badeschlappe herausbrachte.

Dass der eigene mit Kunstfell besetzte Schuh zum Preis von zirka 50 Euro ein Massenprodukt, und der andere mit Nerz versehene zum Preis von 500 Euro ein absolutes Luxusobjekt ist, hatte Puma offenbar übersehen. Ein Gericht in München wies die Klage am Donnerstag ab. Dolce & Gabbana darf die Edellatsche weiter verkaufen. Doch an wen eigentlich?

Richter: "beide Schuhe nicht zu gebrauchen"

"In ihrer eigentlichen Funktion als sogenannte Badelatschen sind beide Schuhe nicht zu gebrauchen", stellte Richter Gunnar Cassardt fest. Wobei das echte Nerzfell zumindest nicht anfangen würde zu müffeln, falls es in der Dusche doch mal nass werden würde. Beide Schuhwerke sind reine Showobjekte. Weil's schön macht. Das völlig sinnfreie Produkt (oder was soll da gewärmt werden?) dient nur dazu, das Selbstbewusstsein seines Trägers aufzuladen. Ego-Shooter für die Füße.

Im Falle der 500 Euro teuren Dolce & Gabbana Latschen können scheint der Bedarf begrenzt zu sein. Das Gericht in München merkte an, dass im vergangenen Jahr deutschlandweit ohnehin nur drei der sündhaft teuren Modelle verkauft wurden. Das Lustige: Zwei davon an Puma-Testkäufer. Irgendwo in Deutschland sitzt also nun vermutlich ein Kleberfabrikant und freut sich wie Bolle, dass er der einzige ist, der echten Nerz an den Füßen hat. Für Geld kann man sich eben alles kaufen – nur keinen Geschmack.