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Grandseigneur des deutschen Films - Mario Adorf ist tot

Mario Adorf ist tot. (Archivbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Er bleibt als Jahrhundertschauspieler in Erinnerung: Mario Adorf. Im Alter von 95 Jahren ist er jetzt in Paris gestorben. Ein Nachruf.

Bösewichte und Patriarchen spielte Mario Adorf oft und gern: Die einen lieben ihn für seinen Auftritt als protziger Fabrikant in der Kultserie "Kir Royal", andere kennen ihn als den Schurken Santer aus den Karl-May-Filmen. Mario Adorf hat schier unzählige Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Am Mittwoch ist die Schauspiellegende im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben, wie sein Management und seine Filmagentur der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.

Mario Adorf zählt zu den ganz Großen der Filmbranche. Er hat die Glanzzeiten des Kinos miterlebt, den Glamour genossen und ist bei allem Ruhm ein feiner, höflicher Mensch geblieben. Ein Gentleman, der das Leben genoss und die Menschen unterhielt. Vergangenen Herbst feierte der Schauspieler seinen 95. Geburtstag ohne Aufsehen "mit einem Abendessen mit wenigen Freundinnen und Freunden", wie er kurz zuvor der Deutschen Presse-Agentur verriet.

Dass er als Schauspieler Karriere machen würde, hatte sich in seiner Jugend noch nicht abgezeichnet. Der gebürtige Schweizer Adorf wuchs in dem Eifelstädtchen Mayen in Rheinland-Pfalz auf. Während andere am Schultheater spielten, gab er den Klassenclown. Nach dem Abitur zog es ihn dann aber zur Schauspielerei. Er studierte an der Otto-Falckenberg-Schule in München

Berühmte Rollen

Sein Durchbruch vor der Kamera gelang ihm 1957 als Frauenmörder in Robert Siodmaks Krimi "Nachts, wenn der Teufel kam". Er spielte im oscarprämierten Film "Die Blechtrommel" (1979), in "Der große Bellheim" (1993) und in Helmut Dietls "Rossini" (1997). Legendär ist Adorfs Auftritt als fieser, rheinischer Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie "Kir Royal" 1986 mit dem berühmten Zitat: "Isch scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld!"

Eine der Rollen, auf die er nach eigenen Worten am häufigsten angesprochen wurde, ist eine, die er eigentlich gar nicht spielen wollte: die des Santer, der Schurke, der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss. In einem dpa-Interview im Herbst 2023 erinnerte sich Adorf amüsiert an die Zeit damals. Empörte Fans hätten ihn beschimpft. Sätze wie "Ich hasse Sie, weil Sie Nscho-tschi erschossen haben" habe er oft zu hören bekommen. Dabei habe er das Rollenangebot absagen wollen. Der Santer sei einfach nur böse, das habe ihn nicht interessiert. Dann habe er sich überreden lassen und die Rolle gespielt.

Demut und Bodenständigkeit

Seine Filmlaufbahn habe sich einfach gefügt. "Ich hatte Glück", sagte Adorf. "Meine Karriere war in dem Sinne bequem. Es war kein Kampf um Anerkennung." Daher habe er keinen großen Ehrgeiz entwickelt. Er habe nie etwas angestrebt, auch nicht den Oscar. Er sei immer mit dem zufrieden gewesen, was er habe machen dürfen. "Mit einer gewissen Demut und einer Bodenständigkeit, so würde ich das beschreiben."

Dass er einst eine Rolle in Billy Wilders "Eins, zwei, drei" absagte, bezeichnete er als Fehler. Damals sei er sogar ein wenig stolz darauf gewesen. Aber: "Das war natürlich eine Dummheit, das muss ich zugeben."

Für sein künstlerisches Schaffen ist Adorf vielfach ausgezeichnet worden: Adolf-Grimme-Preis, Bundesverdienstkreuz, Goldene Kamera, Bambi, Deutschen Fernsehpreis für das Lebenswerk.

Weltläufig bis ins hohe Alter

Lange lebte Adorf in Italien, die wohl schönste Zeit seines Lebens, wie er erzählte. "Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen." Dann sei er nach Deutschland zurückgekehrt, auch wegen der Politik des damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Als politisch interessierter Mensch sorgte er sich um den Zustand der Welt. "Es gibt so viele Dinge, die ich für unmöglich gehalten hätte, auch durch meine Erfahrung im Krieg." Im und nach dem Krieg habe er Todesangst und Hunger erlebt. "In der Nachkriegszeit habe ich jahrelang richtig gehungert. Und ich sage immer, ich wünsche es keinem. Weder, dass er Todesangst erleiden muss, noch dass er Hunger hat." Dass Rechtspopulisten wieder erstarken, das sei ihm "unbegreiflich". Und weiter: "Die Demokratie, die uns so lange Frieden gebracht hat, auf einmal leichtfertig aufs Spiel zu setzen - warum?".

Privat hatte Adorf sein Glück an der Seite seiner zweiten Frau Monique gefunden. Zuvor war er mit Lis Verhoeven verheiratet. Aus der Beziehung stammt Tochter Stella. Adorfs Wahlheimat war München. Viel Zeit verbrachte er in Paris sowie in Cannes, der Heimatstadt seiner Frau. Bis ins hohe Alter war er weltläufig geblieben. 

Jetzt starb der Schauspieler nach kurzer Krankheit, wie es in einer Mitteilung hieß. Seinem langjährigen Manager Michael Stark gab Adorf mit auf den Weg, dass er seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue dankt.

dpa

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