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Interview

Meghan Markle und Prinz Harry: "Ich habe mehr Glamour erwartet": Frooncks Fazit zur Royal Wedding

Es war das royale Event des Jahres: In Windsor haben sich Meghan Markle und Prinz Harry das Jawort gegeben. Im Interview mit dem stern verrät Hochzeitsplaner Froonck, was ihn begeisterte und was ihn enttäuschte. 

Froonck

Wedding Planner Froonck war vom Hochzeitskleid etwas enttäuscht. 

Froonck, wie fanden Sie die Hochzeit?

Ich bin ein bisschen zweigeteilt. Ich habe etwas mehr Glamour erwartet, mehr ganz großes, königliches Spektakel. Ein paar Bereiche haben mich etwas enttäuscht. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Integration von Meghan Markles afro-amerikanischen Wurzeln. Der Priester, der schwarze Cellist, der Gospelchor – das waren alles Schlüsselmomente, die eine große soziale und politische Wirkung hatten. Aber es war eben eher eine private Hochzeit, keine Staatsangelegenheit. Mir haben die Mitglieder der anderen Königshäuser gefehlt – da hat man gemerkt, dass nicht der direkte Thronfolger heiratet.

Sie sprechen Reverend Michael Curry an. Ein paar Royals wirkten während seiner Predigt etwas irritiert. Wie haben Sie ihn erlebt?

Man hat einfach gesehen, dass er dieses Expressive, dieses Kraftvolle eines amerikanischen Bischofs verinnerlicht hat. Und das steht konträr zu unseren europäischen Priestern und Pastoren. Wir haben eine andere Historie. Da treffen Welten aufeinander. Die Blicke schwankten von etwas befremdlich bis hin zu amüsiert. Ich fand seine Rede aber gerade gut, weil es das Ganze etwas aufgelockert hat. Seine Predigt hatte eine sehr, sehr starke Botschaft, das war wirklich bemerkenswert. Reverend Michael Curry hat wohl mehr Menschen erreichen können als der Papst bei seiner Oster-Ansprache. Und das Brautpaar wusste, dass mehrere Millionen Menschen zuschauen. Liebe und Frieden, das war die Message und das fand ich wichtig.

Wusste die Queen denn nicht, dass die Predigt wohl etwas anders werden würde als sie es gewohnt ist?

Die Queen war ein bisschen verdattert. Aber natürlich wusste sie das, sie kennt mit Sicherheit alle Programmpunkte des Tages. Aber vielleicht hat sie sich die Predigt im Vorfeld nicht so lebendig vorgestellt. Die amerikanischen Priester sprechen sehr spontan, leidenschaftlich, sind sehr direkt und nehmen kein Blatt vor den Mund.

Bischof Michael Curry steht bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle auf der Kanzel und predigt

Meghan Markles Hochzeitskleid war von Givenchy – das hatten die wenigsten vermutet. Wie kam es bei Ihnen an, was war Ihr erster Eindruck?

Ich war sehr überrascht. Ich hätte Meghan ein bisschen mehr Mut zugetraut, ein bisschen mehr Sexappeal, aber dabei natürlich immer noch subtil. Es ist schließlich eine royale Hochzeit in Anwesenheit der Queen. Trotzdem: Das Kleid war mir viel zu schlicht, viel zu zurückhaltend, viel zu brav. Und das Weiß war mir etwas zu knallig. Mir hat ein wenig der Glamour und das Besondere gefehlt. Für mich steht sie in einer Reihe mit Prinzessin Victoria von Schweden und Charlène von Monaco – wobei deren Roben noch spektakulärer waren. Der Moment, als sie aus dem Auto gestiegen ist, hatte für mich wenig Wow-Faktor. Mir tat leid, dass sie ganz alleine war, ohne eine "Maid of Honor".

Warum, glauben Sie, hat sie so ein schlichtes Kleid gewählt?

Sie hat bewusst auf Zurückhaltung gesetzt. Sie ist geschieden, älter als Harry, Hollywood-Schauspielerin. All das passt eigentlich nicht zum Königshaus. Und um ein Zeichen zu setzen, hat sie wenig auf Extravaganz gesetzt. Das war die Symbolik hinter dem subtilen Auftreten. Sie will sich nicht unterwerfen, denn sie ist eine starke Frau. Aber sie will sich in das Königshaus integrieren.

Wie hätte ihr Markle-Traumkleid ausgesehen?

Ich hätte am Kleid mit Spitze gearbeitet, gezielt ein paar Transparenzen eingebaut. Ein bisschen mehr Glanz hätte es haben können. So wäre es glamouröser gewesen. Der Brautstrauß sah aus, als wäre er mal eben von der Wiese gepflückt worden. Aber auch das war bewusst so gewählt. Es sollte natürlich und authentisch wirken. Haare und Make-up fand ich ebenfalls sehr schlicht. Die Haare saßen am Scheitel nicht ganz perfekt.

Meghan Markle Prinz Harry

Hochzeitsexperte Froonck fand Meghan Markles Givenchy-Kleid etwas zu schlicht. 

AFP

Wie haben Sie Harry erlebt? Er wirkte ja sehr nervös.

Das habe ich ihm schon angesehen als er aus dem Auto gestiegen ist. Er ist ein bisschen gegangen wie auf rohen Eiern, wirkte sehr konzentriert. Sobald er in der Kirche saß, ging es für ihn ein bisschen besser. Er und Meghan haben sich an den Händen gehalten, das fand ich sehr intim und schön. Als sie neben ihm stand, wirkte er sehr viel entspannter. Sie sind ein Paar auf Augenhöhe.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Zum einen war das ihr Einzug, der Moment, wo sie alleine in die Kapelle gegangen ist. Das ist ein starkes, selbstbewusstes und zeitgemäßes Statement gewesen von einer emanzipierten Frau. So hat sie der Welt gezeigt: Ich kann für mich alleine stehen. Dass Prinz Charles sie das letzte Stück geführt hat, fand ich etwas befremdlich. Ich hätte es schöner gefunden, wenn die Mutter sie begleitet hätte. Das zweite Highlight war für mich die Predigt von Reverend Curry. Und das dritte war der Gospelchor. „Stand by me“ von Ben E. King ist ein Klassiker des schwarzen Blues, eine grandiose A Capella Performance. Im Chor waren nur schwarze Sänger, das war wieder eine starke Nachricht.  

Wenn Sie die Hochzeit mit drei Schlagwörtern beschreiben würden - welche wären das?

Understatement, Fröhlichkeit und zeitgemäß.

Stern-Redakteurin Sarah Stendel fragt vor Schloss Windsor die Briten, was sie von der geschiedenen Amerikanerin Meghan Markle als Prinzessin halten