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Miss Universe: Lange Beine polieren Thailands Image auf

Fünf Monate nach dem Tsunami versucht Thailand sein Image als Urlaubsziel wieder kräftig aufzupolieren - mit langen Beinen und knackigen Pos: der Wahl zur Miss Universe.

Endlose Beine, schöner Busen und betörender Blick - es besteht kein Zweifel, dass auch in diesem Jahr die schönste Frau des Universums alle diese Attribute haben wird. Um Schönheit geht es dabei aber nur vordergründig: Für die 81 Frauen ebenso wie für die Veranstalter geht es um viel Geld. Ein knappes halbes Jahr nach dem Tsunami setzt vor allem Gastgeber Thailand große Hoffnungen in das Finale am Dienstag, weil bis zu 800 Millionen Menschen weltweit an den Bildschirmen sehen sollen, dass das Land trotz der Katastrophe mit Tausenden von Toten nun Touristen wieder mit offenen Armen empfängt. Zur Unterstützung Thailands ließen sich die schönsten Frauen aus aller Welt im Vorfeld des Wettbewerbs einspannen: Medienwirksam besuchten sie Krankenhäuser, ließen sich das neu eingerichtete Tsunami-Frühwarnsystem erklären und übergaben Spenden. Die türkischstämmige Miss Deutschland Asli Bayram zeigte sich bei einem Besuch auf der schwer betroffenen Ferieninsel Phuket bewegt darüber, dass die Menschen trotz der Schicksalsschläge ihr Lachen nicht verloren hätten.

Lateinamerikanerinnen haben Favoritenrolle

Je näher der eigentliche Wettbewerb rückt, desto mehr konzentrieren sich die Frauen aber wieder auf ihren Auftritt. Vor allem für die Lateinamerikanerinnen ist die Wahl zur Miss Universum viel mehr als ein reiner Wettbewerb - die Tradition der Miss-Wahlen schraubt die Ansprüche in die Höhe: Seit der ersten Wahl zur Miss Universum 1952 gewannen Frauen aus Lateinamerika und der Karibik 19 Mal. Dieses Jahr könnten sie - wenn die Wettprofis Recht behalten - zum 20. Mal den Titel holen und damit die Australierin Jennifer Hawkins ablösen. Als Favoritinnen werden Miss Venezuela, Monica Spear, und Miss Puerto Rico, Cynthia Olavarria, gehandelt.

Für Olavarria ist der Wettbewerb nach eigenen Angaben "sooo wichtig, denn es geht um Nationalstolz". Um ihre Nation nicht zu enttäuschen und die mit Diamanten besetzte Sieger-Tiara zum fünften Mal ins eigene Land zu holen, scheute die 23-Jährige keine Mühen: Sie nahm Stunden, um laufen zu lernen wie ein Model, englisch zu sprechen wie ein Profi und Interviews zu geben wie ein Politiker. Das alles ist allerdings nichts gegen die Vorbereitungen in Venezuela. "So wie andere ihre guten Leute im Fußball oder Baseball trainieren, tun wir das" für Wettbewerbe, sagt die 20-jährige Spear.

Moslems protestieren gegen Wettbewerb

Auf so große Unterstützung wie die Lateinamerikanerinnen kann die schönste Frau Indonesiens bei dem Wettbewerb des US-Fernsehsenders NBC und des Immobilien-Tycoons Donald Trump nicht zählen. "Verkauft keine indonesischen Schenkel", wetterten radikale Moslems bei Demonstrationen in der Hauptstadt Jakarta im Vorfeld der Wahl. Die 25-jährige Artika Sari Devi, die selbst praktizierende Moslemin ist, findet dennoch, dass der richtige Augenblick für eine indonesische Teilnehmerin gekommen sei - vor knapp zehn Jahren hatte der damalige Machthaber Suharto Indonesierinnen die Teilnahme verboten. Um ihren Kritikern wenigstens ein bisschen entgegen zu kommen, trug sie bei Filmaufnahmen im Vorfeld einen einteiligen Badeanzug und präsentierte sich damit deutlich weniger sexy als ihre Konkurrentinnen.

Mit Thailand haben die Schönheiten aus aller Welt einen Gastgeber gefunden, der viel Erfahrung mit Schönheitswettbewerben hat - wenngleich zum Teil auch sehr ungewöhnlichen. Bei der Wahl zur "Miss Tiffany" wird der schönste Transsexuelle gekürt, auch "Miss alte Jungfer" für über 28-Jährige und "Miss Jumbo Queen" sind sehr beliebt. Bei letzterem Wettbewerb wurde kürzlich die 25-jährige Politikstudentin Thanchanok Mekkeaw dafür ausgezeichnet, dass sie mit 182 Kilo die schwerste Bewerberin war.

Michael Mathes und Griffin Shea, AFP / AFP