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20 Jahre später: Monica Lewinsky über Clinton-Affäre: "Ich war öffentlich allein"

Eine Affäre mit dem damaligen US-Präsidenten Clinton macht Monica Lewinsky über Nacht berühmt. Zwanzig Jahre später zieht die heute 44-Jährige Bilanz. Über Machtmissbrauch, Cybermobbing und warum die #MeToo-Bewegung so wichtig ist.

Monica Lewinsky 2017

Monica Lewinsky über Bill Clinton: "Er war 27 Jahre älter als ich und hatte genug Lebenserfahrung, um es besser zu wissen."

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Als Monica Lewinsky den damaligen US-Präsidenten traf, war sie gerade mal 22 Jahre alt. Eine Praktikantin im Weißen Haus. Bill Clinton war damals 49 Jahre und wie sie sagt der "mächtigste Mann auf dem Planten". Zwanzig Jahre nach dem Skandal, der ihn beinahe das Amt gekostet hätte und sie für den Rest ihres Lebens gebrandmarkt hat, erzählt die heute 44-Jährige in der Zeitschrift "Vanity Fair", was sie heute über die Affäre denkt.

"Wenn ich eines gelernt habe seitdem, dann, dass du nicht einfach weglaufen kannst von dem, wer du bist oder wie du durch deine Erfahrungen geformt worden bist. Stattdessen musst du die Vergangenheit in die Gegenwart integrieren", schreibt Lewinsky, bei der nach eigenen Angaben vor einigen Jahren eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden war. Lang, beschwerlich, schmerzhaft und teuer sei ihre Trauma-Expedition gewesen. "Und es ist noch nicht vorbei."

Monica Lewinsky : "Er war mein Chef"

Seit zwei Jahrzehnten arbeite sie an ihrer Heilung. Auch wenn der Sex damals in ihren Augen einvernehmlich war, so begänne sie gerade erst zu verstehen, dass das Wort Einvernehmlichkeit in diesem Zusammenhang wohl strittig sein könne.

"Er war mein Chef. Er war der mächtigste Mann auf dem Planten. Er war 27 Jahre älter als ich und hatte genug Lebenserfahrung, um es besser zu wissen. Er war zu der Zeit der Höhepunkt seiner Karriere, während ich in meinem ersten Job nach dem College nachging. (Notiz an die Trolle, sowohl demokratische als auch republikanische: nichts davon entschuldigt mich für meine Verantwortung für das, was passiert ist. Ich bereue es jeden Tag.)"

Jeder konnte etwas über ihr Sexualleben erfahren

Als die Affäre damals öffentlich untersucht wurde, konnte plötzliche jeder "Erwachsene mit einem Modem sofort eine Kopie lesen und etwas über meine privaten Gespräche, meine persönlichen Gedanken (von meinem Heimcomputer) und, noch schlimmer, mein Sexualleben erfahren." Alles, was damals geschah, passierte vor den Augen der Weltöffentlichkeit.


"Wir sahen einen belagerten Präsidenten und die umkämpften und oft desillusionierten Mitglieder seiner Regierung, die ihn beschützten. Wir sahen zu, wie eine First Lady und eine First Daughter mit Biss und Haltung durch das Jahr zogen. Wir haben beobachtet, wie ein Sonderermittler an den Pranger gestellt wurde (obwohl einige dachten, er hätte es verdient). Wir haben eine amerikanische Familie - meine Familie - beobachtet, als eine Mutter dazu gezwungen wurde, gegen ihr Kind auszusagen, und ein Vater dazu gezwungen wurde, seine Tochter für einen Fingerabdruck in das Bundesgebäude zu bringen. Wir beobachteten, wie eine junge, unbekannte Frau, die wegen einer von der Justiz angeordneten Quarantäne nicht in der Lage war, sich selbst zu äußern, seziert wurde."

"Es tut mir leid, dass du so allein warst", habe ihr neulich eine Anhängerin der #MeToo-Bewegung geschrieben. Diese Worte hätten sie zu Tränen gerührt. Hätte es die Bewegung damals schon gegeben, hätte sie sich vermutlich nicht so allein gelassen gefühlt, schreibt sie.  Zwar hätte sie 1998 viele Unterstützungsschreiben erhalten und sie habe Freunde und Familie gehabt, die ihr beigestanden hätten. "Aber im Großen und Ganzen war ich damit allein. So sehr allein. Öffentlich allein." 


Einer der inspirierendsten Aspekte der #MeToo-Bewegung sei "diese schiere Anzahl an Frauen, die sich gegenseitig unterstützt haben." Dieser kollektive Anstieg habe eine Resonanz geschaffen für die Erzählungen dieser Frauen. Wenn das Internet für sie ein Schwarzes Biest gewesen sei, so sei sein Stiefkind, Social Media, für Millionen Frauen ein Retter gewesen. "Ungeachtet aller Cybermobbing, Online-Belästigung, Doxing und Schlampen-Beschämung", fügt sie hinzu.

Affäre stellt einen "eklatanten Machtmissbrauch" dar

Heutzutage könne man im Internet Unterstützungsnetzwerke gründen und in ehemals geschlossene Machtkreise vorstoßen. Etwas, was ihr damals nicht zur Verfügung gestanden hätte. "Macht blieb in diesem Fall in den Händen des Präsidenten und seiner Schergen, des Kongresses, der Staatsanwälte und der Presse."

Obwohl einige Leute glauben, dass Lewinskys Erfahrungen keinen Platz in der #MeToo-Bewegung hätten, so würden sie jetzt erkennen, "dass es einen eklatanten Machtmissbrauch darstellte." Bis heute habe sie keine Antwort auf die Frage, was zu den nachfolgenden Untersuchungen geführt hätte. "Ich packe aus und bereite auf, was passiert ist. Immer und immer und immer wieder."  

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jek