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Monica Lewinsky über Cyber-Mobbing: "Ich wurde als Hure abgestempelt"

Durch ihre Affäre mit Bill Clinton stand Monica Lewinsky lange am öffentlichen Pranger. Inzwischen hat sie die Kraft gefunden, über die Vergangenheit zu sprechen - und will anderen nun Mut machen.

Monica Lewinsky während ihrer Rede bei der TED 2015

Monica Lewinsky während ihrer Rede bei der TED 2015

Vor 17 Jahren wurde Monica Lewinsky unfreiwillig zur berühmtesten Praktikantin der Welt, als sie eine Affäre mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton hatte. Lewinsky sagt, sie leidet bis heute darunter. Mittlerweile bezeichnet sie sich selbst als Opfer von Cyber-Mobbing und will dagegen kämpfen, dass anderen Ahnliches widerfährt. "Die öffentliche Erniedrigung muss ein Ende haben", sagte die 41-Jährige auf der diesjährigen Ted-Konferenz in Vancouver. "Wir müssen uns wieder auf Mitgefühl und Empathie besinnen." Lewinskys Rede wurde am Donnerstag mit Standing Ovations gefeiert.

Nachdem Monica Lewinsky lange über ihre Vergangenheit geschwiegen hatte, geht sie nun offen damit um. "Mit 22 Jahren habe ich mich in meinen Chef verliebt", begann sie ihren Auftritt. Heute bereut sie das zutiefst, bezeichnet es als Fehler. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht daran erinnert werde. "Aber wer hat mit 22 keine Fehler begangen?"

"Ruf und Ehre verloren"

Im Jahr 1998, als die Affäre ans Licht kam, wurde Lewinsky über Nacht ins mediale Rampenlicht gezogen. "Die Aufmerksamkeit und Verurteilung, die ich persönlich erfuhr, waren beispiellos", sagte Lewinsky in Vancouver. "Ich wurde als Schlampe, Flittchen, Hure abgestempelt." Es sei für andere leicht gewesen, zu vergessen, dass sie auch eine Seele habe. "Ich habe meinen Ruf und meine Ehre verloren, mein Selbstwertgefühl."

Lange hat es gedauert, bis Monica Lewinsky über ihre Erfahrungen sprechen konnte. Im vergangenen Jahr äußerte sie sich erstmals in einem langen Artikel in der Zeitschrift "Vanity Fair". Außerdem hielt sie eine Gastrede bei der renommierten "Under 30"-Konferenz des Wirtschaftsmagazins "Forbes". Seit Oktober ist Lewinsky außerdem auf Twitter vertreten ist und zählt dort schon fast 80.000 Follower.

Mut für Mobbing-Opfer

Lewinsky hatte nach dem Skandal eine schwere Zeit. Ihre Versuche, als Designerin oder Werbegesicht zu arbeiten, scheiterten - zu groß war der Image-Schaden, ausgelöst durch die öffentlich gemachte Affäre. Auch nach einem Psychologie-Studium in London konnte Lewinsky keinen Arbeitgeber finden, der bereit war, sie trotz ihres Namens einzustellen. Zeitweise hatte sie Selbstmord-Gedanken.

Nun will sie mit ihrer Geschichte anderen Mobbing-Opfern Mut machen. "Jeden Tag werden im Internet vor allem junge Menschen so erniedrigt und gedemütigt, dass sie sich nicht vorstellen können, weiterzuleben", so Lewinsky. Diesen Leuten gab sie folgendes mit: "Ihr könnt es überleben. Ich weiß es ist schwer, aber ihr könnt darauf bestehen, eurer Geschichte ein anderes Ende zu geben."

kis