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Nachwuchs für das Königshaus: Briten jubeln - und sorgen sich um Kate

Die Ankündigung kam in einem ungewöhnlich frühen Stadium: Prinz William und Kate erwarten ein Baby. Offenbar ließ sich die Schwangerschaft nicht mehr geheim halten - wegen unangenehmer Komplikationen.

Gut 19 Monate haben Großbritannien und alle Royal-Fans auf die Nachricht warten müssen: Catherine, Herzogin von Cambridge und Ehefrau von Prinz William, ist schwanger. Überraschenderweise hieß es in der Mitteilung des St. James-Palastes am Montagnachmittag, die Schwangerschaft sei noch "in einem sehr frühen Stadium" - zu dem eine Ankündigung über erwarteten Nachwuchs selbst im privaten Umfeld einfacher Bürger eher unüblich ist. Das Paar selbst soll erst kurz vorher über die Schwangerschaft Gewissheit erlangt haben.

Offensichtlich zeichnete sich aber ab, dass sich die Neuigkeit nicht lange würde geheim halten lassen können. Kates Schwangerschaft scheint in ihrer frühen Phase etwas kompliziert zu sein. Die Herzogin musste am Montagnachmittag wegen schwangerschaftsbedingter Beschwerden ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der St. James-Palast beschrieb diese als "sehr heftige morgendliche Übelkeit". In der Klinik King Edward VII. im Zentrum Londons muss Kate nach Angaben des Palasts nun einige Tage bleiben, nach ihrer Entlassung werde sie zudem "eine Zeit der Ruhe" brauchen.

Die 30-Jährige leidet offenbar unter der sogenannten Hyperemesis gravidarum. Diese schwere Form der Übelkeit tritt vor allem im frühen Stadium der Schwangerschaft auf. Frauen müssen sich dann oft übergeben. Folge können Flüssigkeitsmangel und Gewichtsverlust sein. Auch niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, eine erhöhte Herzfrequenz, Lethargie und Verwirrungszustände können vorkommen. Bei betroffenen Frauen kommt es häufiger zu Frühgeburten, die Babys haben oft ein niedriges Geburtsgewicht.

"Ehemann glücklich machen und Thronfolger produzieren"

Doch in Großbritannien herrschen neben der Sorge wegen Kates Klinikaufenthalt vor allem Freude und Erleichterung über den royalen Nachwuchs: "Wenn Kate nicht in den nächsten neun Monaten schwanger wird, bricht sie mit 200 Jahren königlicher Tradition", hatte noch kurz nach der Hochzeit am 29. April 2011 Andrew Morton, Autor eines Buches über die Frischvermählten, gewarnt. Kates Ehemann William - nach seinem Vater Prinz Charles der Zweite in der britischen Thronfolge - kam im Jahr 1982 elf Monate nach der Hochzeit seiner Eltern zur Welt. Die spätere Königin Elizabeth II. war etwa ein Jahr verheiratet, als sie im Jahr 1948 ihren Thronfolger Charles gebar. Bei Kate dürfte es im Sommer, mehr als zwei Jahre nach der Hochzeit, so weit sein.

Die von Morton genannte Frist ist also längst überschritten, die Freude im britischen Königshaus dennoch groß. "Die Königin, der Herzog von Edinburgh, der Prinz von Wales, die Herzogin von Cornwall, Prinz Harry und die Mitglieder beider Familien sind über die Neuigkeit erfreut", hieß es in der Mitteilung des Palasts zu den Glückwünschen von Elizabeth II., ihrem Ehemann Prinz Philipp, ihrem Sohn Charles, dessen Ehefrau Camilla und Williams Bruder Harry. Premierminister David Cameron sagte über William und Kate: "Sie werden wundervolle Eltern sein."

Der US-Präsident gratuliert - und die Wetten laufen

Einige Monate vor der Hochzeit hatte William gesagt, er und Kate wollten "auf jeden Fall eine Familie gründen". Im September sagte William dann, dass er sich zwei Kinder mit seiner Frau wünsche. Über Kate wurde indes gemunkelt, sie habe es mit dem Nachwuchs nicht besonders eilig. Doch schon früh mahnte der Monarchiehistoriker Hugo Vickers: "Wenn ich es mal deutlich sagen darf: Catherines Pflicht ist es, ihren Ehemann glücklich zu machen und einen Thronfolger zu produzieren."

Und da es nun so weit sein soll, überschlugen sich die Gratualanten - so als sei das Kind bereits geboren. Sogar US-Präsident Barack Obama gratulierte, wie ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington mitteilte. Auch andere Prominente aus Politik, Sport und Gesellschaft gratulierten. Im sozialen Netzwerk Facebook hagelte es Zehntausende "Gefällt mir"-Klicks. Boris Becker tat über Instagram seine Meinung kund - beide Daumen hoch für das Paar. Die Nachricht war im Nu Thema für die englischen Buchmacher. Die spielbegeisterten Briten wetteten auf den Namen des neuen Royals. 9:1- Favoriten waren zunächst John und der Mädchenname Frances.

"Daddy's little co-pilot"

Noch in der vergangenen Woche war die Nachwuchsfrage Thema bei einem Besuch Kates und Williams in Cambridge. Dort schenkte die 27-jährige Samantha Hill dem Paar einen Strampelanzug, versehen mit der Stickerei "Daddy's little co-pilot" - eine Anspielung auf Williams Beruf als Hubschrauberpilot bei der Royal Airforce. "Ich habe das in Vorausschau auf sein Baby getan", sagte Hill, deren eigene Tochter Beth gerade wenige Wochen alt ist. Der Strampler war weder rosa noch blau, sondern weiß.

Kate hatte im vergangenen Jahr bei ihrer Hochzeit mit William unter größtem öffentlichen Druck gestanden, die Feierlichkeiten unter den Augen von Millionen Menschen weltweit aber ohne Pannen gemeistert. Sie wurde unter dem bürgerlichen Namen Middleton geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Kunstgeschichte an der schottischen Universität St. Andrews, wo sie William kennenlernte, zunächst als Einkäuferin für Accessoires bei einer Modekette in London und später im Partyartikelversand ihrer Eltern.

Eine Last aus früheren Zeiten bleibt Kate, die wie William 30 Jahre alt ist, immerhin erspart: Die Frage, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, muss ihr mit Blick auf die Thronfolge keine Sorgen mehr bereiten. Im vergangenen Jahr segneten die Commonwealth-Staaten eine Neuregelung ab, die männliche und weibliche Erstgeborene gleichstellt. Zuvor waren Prinzessinnen nur zum Zuge gekommen, wenn sie keine Brüder hatten - so auch Queen Elizabeth II., inzwischen seit mehr als 60 Jahren Staatsoberhaupt.

mad/Danny Kemp/AFP/DPA / DPA