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Nina Ruge: "Da bin ich am richtigen Platz"

Im Juni wird Nina Ruge die 2000. Ausgabe von "Leute heute" moderieren. stern.de sprach mit ihr über ihr Markenzeichen "alles wird gut" und über die Grenzen dessen, was im Fernsehen gezeigt werden darf.

Von Anja Schulte-Lutz

Nina Ruge informiert seit 1997 im ZDF über Entertainment, Society und Lifestyle oder, wie die 49-Jährige sagt, über "People-News, Promi-Nachrichten". Damit ist sie dem Boulevard-Magazin "Leute heute" seit acht Jahren treu - so lange wie noch keiner anderen Sendung.

Diese Beständigkeit entspricht allerdings nur bedingt ihrer Lebenseinstellung. "Ich habe immer die Chancen ergriffen, die sich mir geboten haben", sagt Ruge. Das hat sie im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Betätigungsfelder geführt. Ursprünglich war sie Deutsch- und Biologie-Lehrerin, arbeitete aber nebenbei als freie Journalistin. Nach Zwischenstationen als Skriptgirl und Regieassistentin bei Spielfilmproduktionen wechselte sie zum hauptberuflichen Journalismus. Vor ihrem Wechsel zu "Leute heute" moderierte sie neben verschiedenen Talkshows unter anderem die Nachrichten im "Heute Journal" und war Moderatorin von "Heute Nacht".

Private Gründe für den Wechsel

Auf die Frage, wie sie vom Nachrichten- zum Boulevardjournalismus gekommen ist, antwortet sie, dass sie die Arbeit an einem neuen Programmformat gereizt habe, als der damalige Intendant des ZDF, Dieter Stolte, sie darauf ansprach. Als eigentlichen Auslöser nennt sie allerdings private Gründe: "Ich war zehn Jahre lang jeden Abend auf Sendung gewesen." "Die Kombination, etwas Neues zu starten und privat wieder leben zu können", sei eine Motivation gewesen.

Mit dem Wechsel vom Nachrichten- zum People-Journalismus hat sich die Möglichkeit geboten, etwas mehr Persönlichkeit in die Arbeit einfließen zu lassen. Dabei sei das Markenzeichen "alles wird gut" entstanden, mit dem Ruge am Ende ihrer Sendung das Publikum verabschiedet. "Ich hab' mir einfach gesagt, ich darf am Ende eines Softnews-Magazins ein bisschen persönlicher werden als am Ende einer harten Nachrichtensendung", sagt sie. Mit "alles wird gut" möchte sie ein Stück Hoffnung transportieren, ein Stück ihrer Lebensphilosophie: "Nämlich, dass alles seinen Sinn hat, was mir auf der Lebensbühne serviert wird ... Sozusagen als tägliche Aufgabe, persönlich - vor allem in der Überwindung von Krisen - zu wachsen."

"Warum sagen Sie's nicht mehr?"

Vom Erfolg der drei Wörter, die sich wie eine "Tätowierung" an ihr Image geheftet hätten, ist Ruge selbst überrascht. Wenn sie die Verabschiedung mit "alles wird gut" beispielsweise wegen des Todes des Papstes weglasse, meldeten sich sofort Zuschauer, die fragten "'Warum sagen Sie's nicht mehr? Gerade in solchen Zeiten brauchen wir doch diese drei Worte' - 'ermuntern Sie uns doch'", erzählt die Journalistin.

Dass sie damit auch Angriffspunkte bietet, stört Nina Ruge nicht - so lange die Kritik im Rahmen bleibt. Parodiert zu werden, gehöre dazu. "Ich denk' sowieso, wer sich nicht ganz stromlinienförmig in diesem Business verhält, in diesem Medienzirkus, der wird immer angegriffen", sagt sie. Schmerzhaft sei es für Ruge allerdings, "in eine Schublade geworfen zu werden mit krassem Yellow-Boulevard und unreflektierten und unrecherchierten Billig-Journaillen". Dass man sich noch nicht mal die Mühe mache, zwischen 'seriösem' und 'Schmuddel'-Boulevard zu differenzieren, das hätte ihr beim Wechsel in dieses Genre zu schaffen gemacht.

Sex-Geständnisse sind tabu

Ruge selbst sagt von sich, dass sie bei ihrer Berichterstattung klare Grenzen zieht. Auf die amerikanische Koma-Patientin Terri Schiavo angesprochen, antwortet sie: "Wir stellen Leiden grundsätzlich nicht öffentlich aus." So habe "Leute heute" keine Beiträge über die Koma-Patientin gesendet. Und die Papst-Berichterstattung habe sich nach seinem Ableben auf Beileidsbekundungen beschränkt, von Prominenten der verschiedensten Couleur, von der spanischen Königin bis hin zu Thomas Gottschalk - das zu einem Nachruf zusammen gebunden." Auch Sex-Geständnisse von Prominenten oder Halbprominenten sind tabu. Generell gibt es für Ruge "eine ganz klare Maßgabe, und die heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Hinsichtlich der persönlichen Anteilnahme an Freud und Leid von Prominenten vermutet Ruge, dass es ihr "nicht anders geht als vielen Fernsehkonsumenten". Sie interviewe zwar Personen des öffentlichen Lebens, sei aber nur mit sehr wenigen befreundet. "Von daher wahre ich eine gewisse natürliche Distanz." Natürlich gebe es Schicksale, die sie und ihre Redaktions-Kollegen besonders aufmerksam verfolgten. Dazu gehöre zum Beispiel Harald Juhnke während seiner letzten Jahre, sein letzter Alkoholabsturz, sein Siechtum im Pflegeheim. Oder die einsame Regentschaft von Fürst Rainier von Monaco nach dem Tod seiner Frau Gracia Patricia, seine letzten Wochen in Abhängigkeit von der Apparatemedizin, der lange Abschied von seinen Kindern. "Das sind Momente, die so gut wie jeden berühren“, sagt Ruge.

Neue Herausforderungen

Nach mittlerweile acht Jahren "Leute heute" könnte man auf die Idee kommen, dass Nina Ruge genug von Promi-Berichten hat. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. "Solange eine Entwicklung und neue Herausforderungen innerhalb dieses Formates möglich sind, werde ich mit Sicherheit sagen: Da bin ich am richtigen Platz", sagt die Journalistin. Vor zwei Jahren erst hatte die "Leute heute"-Redaktion die umfangreichere Samstags-Ausgabe gestartet, ein 25-Minuten-Format vor den "Heute"-Nachrichten. Ab Juni wird Ruge nebenbei - im Wechsel mit Ranga Yogeshwar - mit dem neuen Gesprächsformat "Wissenschaftsforum Petersberg" auf Phoenix zu sehen sein. Da ist dann wohl für ausreichend Herausforderung gesorgt.

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