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"Wetten, dass…?": Gottschalk geht ins Wasser

Neben den üblichen Verdächtigen aus In- und Ausland bekamen die Zuschauer diesmal ein besonderes Schmakerl serviert: Gastgeber Gottschalk zwängte sich in Borats giftgrünen Anzug und ging baden.

Von Jörg Isert

In seinem Job darf man sich für keinen Blödsinn zu schade sein. Das Gute an Thomas Gottschalk ist, dass er diesen Satz nicht nur immer wieder zum Besten gibt - sondern, dass er sich auch an sein Mantra hält. Bei der jüngsten "Wetten, dass..."-Sendung bedeutete das, dass sich Gottschalk in einen giftgrünen Badenanzug, Model "Borat", zwängte. So wenig bekleidet ging Deutschlands Lieblings-Entertainer in kühlen Bodensee, um seine Wettschuld vom letzten Mal einzulösen.

Gut zu sehen: Auch im fortgeschrittenen Alter von 56 Jahren ist Gottschalk - der jüngst bekannt hatte, sein Kampfgewicht reduziert zu haben - bestens im Form. An seinem Alabasterkörper war kein Gramm Fett zu viel, der freigelegte Hintern schien weitgehend stramm zu sein. Offenbar lohnt es sich, mit Fitness-Papst Arnold Schwarzenegger befreundet zu sein - und regelmäßig Nordic Walking zu betreiben.

Ansonsten war die gestrige Show aus Friedrichshafen business as usual. Abgesehen von dem singenden Kurzzeit-Gast Beyonce fehlten die ganz großen Namen. Ersatzweise holte Gottschalk, gekleidet in ein Fantasy-Outfit à la "Rock me Amadeus", weitgehend weibliche deutsche Promis zu sich auf die Wettcouch. Der angenehm gelassenen Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler mit Gottschalk-Frisur, folgten Nina Ruge und Yvonne Catterfeld. Ruge - mittlerweile ein ZDF-Urgestein und entsprechend ausgeleuchtet - ist offensichtlich der Meinung, dass ihre CDs, Bücher und "Süßwaren mit ethischem Hintergrund" von enormer gesellschaftlichen Relevanz sind. Als sie kurz nach ihrem Satz "Celebrate your Life" begann, über gute Sinnsprüche zu schwadronieren, holte Gottschalk sie leise spöttelnd wieder in Friedrichhafens Messehalle zurück: Seine Sinnsprüche zumindest seien "geronnener Schmarrn". Mit allzu abgehobenen B-Promis kann der angenehm auf dem Boden gebliebene Moderator weniger anfangen denn je.

Singen für die Wohltätigkeit

Ähnlich war es bei Bill Kaulitz. Der androgyne "Tokio Hotel"-Sänger fiel vor allem dadurch auf, dass er einen "Glücksbringer" dabei hatte, der sich als Aufnahmegerät entpuppte. "Darauf nehme ich meine Ideen auf." Vorspielen wollte er sie dann lieber doch nicht - er wird gewusst haben, warum.

Altrocker Peter Maffay schließlich nuschelte zunächst auf der Couch vor sich hin, bevor er mit einer internationalen Truppe das Lied "Children of the World" zum Besten gab. Prinzipiell sind Charity-Songs ja eine gute Idee. Dass die Worte allerdings immer noch dieselben sind wie vor zwanzig Jahren, zeugt von einer gewissen Einfallslosigkeit. Statt "Hand in Hand we Stand" und "We are the World" heißt es nun eben "One world, one song" oder "singing hand in hand". Unangenehm berührte zudem, dass die 14 Künstler um Maffay auch weniger schöne Text-Versatzstücke wie "dying children" und "nothing seems to change" fröhlich grinsend intonierten.

Wetteinsätze sind wieder härter geworden

Wetttechnisch scheinen dem ZDF momentan vernünftige Vorschläge zu fehlen. Der netten, aber offensichtlich bestens vorbereiteten Eingangswette - ein Student drehte unter Wasser einhändig und ohne Luft zu holen einen Kubik-Würfel gerade - folgte nach einer weiteren Stunt-Nummer ein Rohrkrepierer. Zunächst fuhr ein Österreicher auf zwei Autorädern und zerstach dabei 40 Luftballons. Die Wette wurde unberechtigterweise verloren gegeben - wohl um in den Genuss zu kommen, Nina Ruge eine Riesenspinne über die Hand krabbeln lassen zu können. Die Wetteinsätze sind nach Jahren wieder härter geworden.

Danach erkannte eine symphatische Gymnasiastin ihre Klassenkameradinnen lediglich an deren Zahnputzgeräuschen. Was sich als Langweiler herausstellte: Manch eine der jungen Damen schrubbte so geräusch-auffällig und langsam vor sich hin, das viele deutsche Zahnärzte in Ohnmacht gefallen sein dürften.

Balancierender Hund als Publikumsliebling

Wohl wegen des Nachwuchs-Mangels kündigte Thomas Gottschalk an, ab sofort auch Wettvorschläge aus dem Ausland zuzulassen - wenn ein deutscher Pate vorhanden sei. Die erste Wette dieser Art erwies sich gleich als Publikumsliebling: Eine Hündin balancierte auf ihrem Kopf ein gefülltes Wasserglas eine Treppe hinauf und wieder herunter. Da war es zu verschmerzen, dass Alexander Rothacker mit diesem Trick bei Shows in den USA auftritt - und damit eigentlich nicht als Wettkandidat in Frage gekommen wäre.

Trotz durchschnittlicher Wetten und Wettpaten - alles in allem war die Sendung gelungen. Thomas Gottschalk ist nach wie vor der authentischste der deutschen Entertainer - und damit in Zeiten von Silbereisen und Co ein einsamer Lichtblick. Mit stoischer Gelassenheit erträgt der Showmaster den Rummel um sich und seine Gäste. Zwei aufgedrehten Tokio-Hotel-Girlies, die sich bis auf die Wettcouch neben den unangenehm berührten Bill Kaulitz gekreischt hatten, warf Gottschalk ein "Ich bin Euch doch scheißegal" entgegen.

Zu wünschen ist, dass künftig auch den wirklich großen Stars in "Wetten, dass..." harte Strafen drohen, wenn sie falsch getippt haben. Dass Beyonce im Ernstfall ihre Schuhe mit einer Zuschauerin hätte tauschen müssen - das hätte sie sicherlich leicht verschmerzt. Auch ersparen sollten man sich längere Auftritte von Stand-Up-Comedians - nach Grobkomiker Michael Mittermaier im vergangenen Jahr war es dieses Mal ZDF-Kabarettist Urban Priol, der das sichtlich gelangweilte Publikum nervte. Es ist eben nicht jeder ein Borat, trotz wirren Haaren und gewöhnungsbedürftiger Garderobe. Und ein Gottschalk sowieso nicht.