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Oben-ohne-Fotos: Warum Kate selbst schuld sein soll

Opfer von dreisten Paparazzi oder selbst schuld? In Großbritannien ist eine Debatte um die Oben-ohne-Fotos von Kate entbrannt. Viele meinen, das royale Paar war bei seinem Tête-à-tête zu unvorsichtig.

Von Jens Maier

Sie tun nach wie vor alles, um sich von ihrem Ärger nichts anmerken zu lassen: Gut gelaunt haben Prinz William und seine Frau Catherine am Montag ihre neuntägige Auslandsreise mit einem Besuch der Salomonen-Inseln fortgesetzt. In einem zitronengelben, knielangen Kleid begrüßte Kate in Honiara Dutzende von Schaulustigen und bekam dort eine Krone aus Blumen geschenkt. Die frisch gekrönte Südsee-Prinzessin plauderte fröhlich lächelnd mit Einheimischen und ließ sich mit ihrem neuen Kopfschmuck geduldig von mitgereisten Fotografen ablichten. Dabei hätte sie allen Grund, auf Fotowünsche derzeit eher verhalten zu reagieren.

Drei Tage nach der Veröffentlichung von Oben-ohne-Fotos im französischen Klatschmagazin "Closer" zieht heute das italienische Magazin "Chi" nach. Auf 26 Seiten breitet das ebenfalls zum Verlagsimperium des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehörende Blatt noch mehr heimlich aufgenommene Bilder der Herzogin von Cambridge aus. Insgesamt 50 Fotos der "nackten Königin", wie die Italiener Kate nennen, sind in einer Sonderbeilage zu bestaunen. "Chi" ist nach "Closer" und dem irischen "Daily Star" damit das dritte Magazin, das die Skandal-Fotos zeigt. Wie viele Aufnahmen der halbnackten Kate es insgesamt gibt, ist unklar. Prinz William ist jedoch wild entschlossen, jede weitere Veröffentlichung mit allen Mitteln zu verhindern.

Gericht entscheidet am Abend über Eilantrag

"Ich will den Fotografen hinter Gittern sehen", soll William getobt haben, berichtet die britische Zeitung "Sunday Mirror" unter Berufung auf Vertraute. Tatsächlich greift das Büro des St.-James's-Palastes zu ungewöhnlichen Mitteln. Zum ersten Mal in der Geschichte der Windsors hat ein Mitglied der königlichen Familie eine Klage gegen ein Magazin angestrengt. William wirft dem Magazin "Closer" vor, seine und die Persönlichkeitsrechte seiner Frau verletzt zu haben und fordert Schadensersatz. In einem Eilantrag will das zuständige Gericht im französischen Nanterre am Abend über eine einstweilige Verfügung über ein Verkaufsverbot der aktuellen Ausgabe entscheiden. Der Prinz will mit seiner Klage ein Exempel statuieren. Doch aus der Welt, das weiß auch er, sind die Fotos damit nicht.

Wer bei Google "Kate" eingibt, erhält als zweite automatische Suchergänzung den Namen der Zeitschrift "Closer". Ein Klick genügt und mehrere Fotos der barbusigen Herzogin erscheinen. Dass die britische Presse auf den Abdruck verzichtet hat, nützt dem Paar somit reichlich wenig. Die nackte Kate ist längst unzensiert im Netz zu sehen und verbreitet sich weltweit auf hunderten von verschiedenen Seiten. Auch in Großbritannien kann jeder, der es will, Catherine oben ohne sehen. Deshalb mehren sich in England die Stimmen, die die eigentliche Schuld für das Foto-Desaster bei William und Kate suchen.

Kritik an barbusiger Kate

Das königliche Paar sei bei seinem Tête-à-tête im Chateu d'Autet in der Provence zu unvorsichtig gewesen, heißt es in unzähligen Kommentaren auf der Online-Seite der Tageszeitung "Daily Mail". "Wie kann Kate so blöd sein, auf einer einsehbaren Terrasse in der Nähe zu einer Straße ihr Bikinioberteil abzulegen", schreibt eine Userin. Ein anderer Leser ist ebenfalls der Meinung, dass sie "selbst schuld" sei: "Es hätte genügt, einen Sonnenschirm als Sichtschutz aufzustellen." Viele vergleichen den Fall auch mit den Skandalfotos von Prinz Harry. "Ich kann da keinen Unterschied erkennen. Beide waren halbnackt und beide hätten wissen müssen, dass sie fotografiert werden können."

Doch muss William selbst bei einem privaten Urlaub in der Provence damit rechnen, dass ein Fotograf in zirka 800 Metern Entfernung mit einem Teleobjektiv auf der Lauer liegt? Diese Frage wird ihn selbst am meisten umtreiben. Nach dem tragischen Unfalltod seiner Mutter Diana ist er von Paparazzi verschont geblieben. Die britische Presse hat sich einen Verhaltenskodex im Umgang mit den Royals auferlegt und die Privatsphäre der Windsors, vor allem die von Prinz William und seiner Frau Kate, akzeptiert. Mit Entsetzen muss er jetzt feststellen, dass er sich zu sehr in Sicherheit gewähnt und nicht mit der Gier ausländischer Medien gerechnet hat. Ja, er hätte wissen können, dass irgendwo auf einem Baum ein Fotograf nur darauf wartet, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Nicht rechnen konnte er allerdings mit der Dreistigkeit, mit der diese Fotos verbreitet und vermutlich Millionen damit verdient werden.

Egal ob William mit seiner Klage erfolgreich sein wird oder nicht, sein Verhalten wird sich durch diesen Schock wohl für immer verändern. Künftig wird er noch stärker darauf achten, seine Privatsphäre zu schützen. Er wird sich im Urlaub hinter hohen Hecken oder dicken Mauern verstecken, wird seine Mitarbeiter anweisen, Orte auf die Einsehbarkeit durch Fotografen prüfen zu lassen. Denn eines will William mit allen Mitteln verhindern: Dass seine Frau Kate zum Opfer einer Pressemeute wird, so wie es seine verstorbene Mutter einst war.