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Missglückte Schönheits-OP: Das sagt ein Chirurg über Patricia Blancos verpfuschte Brüste

Patricia Blanco wollte ihre Brüste straffen lassen. Doch es gab Komplikationen - beide Brustwarzen sind dabei abgestorben. Der plastische Chirurg Dr. Tobias von Wild erklärt dem stern, was schief gelaufen sein könnte.

Paticia Blanco

Da hatte sie noch ihre alten Brüste: Paticia Blanco 2016 in München.

Picture Alliance

Die Bilder von Patricia Blancos missglückter Brust-OP schockierten in den vergangenen Wochen das Netz. Im November 2017 wollte die Tochter von Roberto Blanco ihre Brüste straffen lassen, der behandelnde Arzt stellte nach dem Eingriff jedoch Kom­pli­ka­tio­nen fest. Blanco suchte daraufhin einen an­de­ren Arzt auf, der legte sie erneut unters Messer. Dabei wurde totes Gewebe entfernt. Mit dem Resultat, dass jetzt Löcher sind, wo vorher Brustwarzen waren. Der stern sprach mit dem plastischen Chirurgen Dr. Tobias von Wild über den Fall.

Herr von Wild, was könnte bei der Operation der Brüste von Patricia Blanco schief gegangen sein?

Natürlich ist der Vorfall außerordentlich bedauernswert. Aber sowohl medial als auch aus fachärztlicher Sicht sollte man hierbei ausgesprochen zurückhaltend mit einer Vermutung sein, da der Öffentlichkeit weder die Operationstechnik, der direkte Verlauf nach der Operation, die durchgeführten Wundkontrollen noch das Verhalten der Patientin bekannt sind.

Wie ist Ihre Einschätzung als Arzt?

Bei jeder Straffungsoperation der Brust, bei der der Brustwarzenhof angehoben wird, besteht ein Risiko, dass Teile durch eine verminderte Blutzufuhr absterben. Man kann sich die Blutzufuhr wie den Stiel einer Blume vorstellen, die die Blüte mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Wird diese Zufuhr vermindert oder unterbrochen, kommt es folglich zu einer Unterversorgung und Gewebe stirbt ab. Gründe hierfür sind vielseitig. Bei einem erfahrenen Plastischen Chirurgen an einer so renommierten Klinik für ästhetische Chirurgie ist kaum davon auszugehen, dass eine operative Durchtrennung erfolgte. Hierfür spricht auch die Aussage des Operateurs, dass die Durchblutung des Brustwarzenhofes beim ersten Verbandswechsel am Folgetag sowie bei der Entlassung unauffällig war. Kein Chirurg würde ansonsten seine Patientin entlassen.

Wodurch könnten die Probleme dann entstanden sein?

Es könnte unterschiedlichste Ursache haben. Dass das Problem beidseitig aufgetreten ist, lässt hierbei aufhorchen. Eine körperliche Überaktivität der Patientin in einer notwendigen Zeit der Ruhe wäre hier als Grund denkbar. Regelmäßige Verbandswechsel auch außerhalb der Praxis lassen eine Unregelmäßigkeit der Wundheilung, auch für die Patientin, frühzeitig erkennen. Ein solcher Zustand geht meist mit dem vermehrten Austritt von Flüssigkeit einher, der auch die Patienten stutzig machen müsste.

Wie oft passiert es, dass eine Brust-OP derartig misslingt?

Ein beidseitiger vollständiger Untergang ist höchst unwahrscheinlich.

War sich Frau Blanco der Risiken bewusst?

Alle Patienten müssen über Gefahren und Risiken aufgeklärt werden und schriftlich einwilligen.

Was würden Sie ihr als Arzt in der jetzigen Situation raten?

Zunächst bedarf es immer einer zeitnahen chirurgischen Entfernung des abgestorbenen Gewebes, bevor die austretenden Giftstoffe der zerfallenen Zellen ins Blutsystem gelangen. Über regelmäßige Verbandswechsel oder aber auch ein Unterdruck-Vakuum-System lässt sich ein schöner sauberer Wundgrund bilden. Dieser bietet dann eine geeignete Fläche für die Verpflanzung unterschiedlicher Hauttypen, die aus später unauffälligen Regionen der Patientin gewonnen werden. Zum einen kann ganz normale Haut verpflanzt werden, die nach völliger Einheilung später durch eine Tätowierung farblich angepasst wird. Aber auch Gewebe aus dem Intimbereich ist sowohl von der Einheilung als auch farblich geeignet. Hiermit lassen sich sehr zufriedenstellende ästhetische Ergebnisse erzielen, wie aus der Brustrekonstruktion nach Brustkrebsbehandlungen langjährig bekannt.

Dr. Tobias von Wild ist Facharzt für plastische Chirurgie in Hamburg

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