VG-Wort Pixel

Pop-Ikone in der Kritik Madonna sorgt waffenschwingend für Aufregung


Madonna fällt derzeit unangenehm auf, weil sie in ihren Videos mit Schusswaffen hantiert - und das angesichts etlicher Amokläufe. In ihre Kunst will sich die 54-Jährige aber nicht reinreden lassen.
Von Frank Siering, Los Angeles

Madonna ist Kritik wahrlich gewohnt. "Ein Leben lang hat sie sich gegen Menschen wehren müssen, die ihr gesagt haben, was sie zu tun und was sie zu lassen hat", sagte ein Mitglied aus dem Manager-Team des Material Girls unlängst gegenüber der "Huffington Post". Nun steht die Künstlerin, die sich über Jahrzehnte so gut wie kaum ein anderer inszenieren konnte, wieder einmal im verbalen Schussfeld ihrer Beobachter.

In einem Video, das seit geraumer Zeit via Instagram ihr neues "geheimes Projekt" ankündigt, steht die 54-Jährige über einem nur in Unterwäsche gekleideten Model und scheint ihm eine Kugel in den Kopf zu jagen. Und auch in der neuen Dokumentation zu ihrem Konzertfilm "MDNA", der am Wochenende in den USA auf dem Bezahlsender Epix Premiere feierte, wird ihre scheinbare Leidenschaft für Handfeuerwaffen erneut deutlich zur Schau gestellt. Da springt Madonna über die Bühne, zielt mit einem Revolver auf ihre Mitarbeiter und lächelt schelmisch dabei.

Alles Kunst

Seit den Massakern von Tucson, Aurora, Sandy Hook und Santa Monica treibt ist der Waffengebrauch ein politisch hochsensibles Thema und hat - forciert auch von US-Präsident Barack Obama - zu neuen Forderungen diverser "Anti-Gun"-Gruppen geführt, eine verschärfte Waffenkontrolle in den USA einzuführen. Madonna scheint das alles nicht zu kümmern. Es ist vielmehr typisch Madonna, in dieser für die amerikanische Gesellschaft äußerst kritischen Frage mit cowboyartigen Auftritten auf der Bühne und im Internet zu provozieren.

Doch warum bloß? Ist es reine Sucht nach Aufmerksamkeit, wie einige Blogger vermuten? Oder gar eine politische Aussage, um die Waffenlobby ad absurdum zu führen. Denn als konservatives Mitglied der National Rifle Association (NRA) ist die linke Popsängerin wahrlich nicht bekannt. Die Antwort: Für Madonna ist alles, was sie macht, Kunst. Und so würde sie lieber "eine Show absagen" als sich der Zensur zu unterwerfen. "Ich habe noch nie auf andere gehört, wenn es um meine Kunst geht. Und das wird sich auch jetzt nicht ändern", so Madonna in einem TV-Interview.

"Waffen töten keine Menschen"

Trotzdem musste Madonna angesichts ihrer regelmäßigen Waffenanwendung in ihren Projekten jetzt in einem Interview mit "Good Morning America" Rede und Antwort stehen. "Ich sehe das so: Wenn die Waffen nicht bei mir in meinen Projekten auftauchen würden, wäre das so, als würde man den Leuten sagen, keine Pistolen mehr in Action-Filmen zu benutzen".

Auf die Frage, ob sie schon einmal darüber nachgedacht habe, keine Waffen mehr in ihren Dokumentarfilmen einzusetzen, sagte Madonna: "Waffen töten keine Menschen. Menschen töten Menschen." Das klingt nicht danach, als würde Madonna Anstalten hegen, in baldiger Zukunft ihre Handwaffen zur Seite zu legen.

Frank Siering, Los Angeles

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker